Wirtschaftswurm-Blog

Stabilitätsabgabe auf Bankeinlagen: Zypern vor der Entscheidung

Die sogenannte Stabilitätsabgabe auf Einlagen bei zyprischen Banken ist im Grundsatz richtig. Fehlende Freibeträge könnten sich aber als politisch fatal erweisen.

Die Aufregung ist großFlagge Zyperns: kupferfarbenes Kartenabbild der Insel mit Olivenzweigen auf weiß. Zypern soll gerettet werden, aber die Sparer sollen bluten. Urspünglich war eine Abgabe von 6,75% auf Einlagen bis 100.000 € bei zyprischen Banken vorgesehen. Für über  100.000 € hinausgehende Einlagen sollten 9,9% anfallen. Inzwischen ist aber wieder alles in der Schwebe. Offensichtlich hat die zyprische Regierung keine Mehrheit für die Maßnahmen im Parlament. Die zyprischen Banken bleiben vorerst geschlossen. Der Geldverkehr ist gestoppt.

Natürlich sind die Zyprioten sauer. Aber auch auf Twitter (Schlagwort #Zypressung) und in deutschen Blogs tobt die Empörung. Benjamin Schäfer etwa (um nur einen Blogger herauszugreifen) schimpft:

Nein, auch die Durchführung dieser „Rettung“ ist so dermaßen dilettantisch, dass mir die Spucke wegbleibt.

Dass nun Bankkunden in allen Krisenländern Zypern als Warnsignal auffassen und ihre Konten räumen, daran kann man glauben oder auch nicht. Ich bin da eher gelassen. Die meisten Sparer sind Transusen. Auch in Zypern selbst gab es trotz der seit Langem bekannten Probleme der Banken bis heute keinen nennenswerten Mittelabfluss. Dass Vertreter der mit den Banken liierten Frankfurt School trotzdem vor einem Bankrun warnen, versteht sich eher von selbst.

Wie Island mit seiner Bankenkrise 2008/09 umgegangen ist, ist ja für viele, auch für mich, ein Vorbild. Island und Zypern sind zudem in vielerlei Hinsicht vergleichbar: Kleine Inselstaaten mit einem aufgeblasenen Banksektor kurz vor der Pleite. Aber erinnern wir uns richtig: In Island wurden zwar die heimischen Sparer geschont, ausländische Bankkunden mussten aber zunächst einen Totalverlust hinnehmen.

Theoretisch hätte Zypern Gleiches machen können. Die 21 Milliarden an ausländischen Einlagen auf der Mittelmeerinsel übersteigen sogar die Summe, die nun durch Rettungsgelder und „Stabilitätsabgabe“ zusammenkommen. Aber solange Zypern in der EU ist, darf es andere EU-Bürger nicht gegenüber Einheimischen diskriminieren. In dieser Hinsicht kann man die zyprische Lösung gerechter finden als die isländische.

Viel ist übrigens jetzt von der Einlagengarantie die Rede, etwa bei Werner Mussler von der FAZ. In der EU müssen Bankeinlagen bis 100.000 € pro Person durch einen Sicherungsfonds garantiert werden. Aber bitte schön, wer konnte denn ernsthaft auf den kleinen zyprischen Sicherungsfonds vertrauen, in dem die eine Fastpleite-Bank für die andere Fastpleite-Bank haftet? Eine solche Einlagengarantie taugt nicht als Argument.

Ökonomisch bleibt das kleine Zypern weiterhin ohne Bedeutung. Politisch sieht das anders aus und politisch könnte sich die aktuelle Rettung als fatal erweisen. Ein dicker politischer Fehler war, dass man (zumindest bisher) keinen Freibetrag für kleine Guthaben vorgesehen hat. Das wird zurecht als ungerecht angesehen. Damit diskreditiert man einmal mehr die gemeinsame Währungsunion.

Tatsächlich war der Beschluss z.B. Taschengeldkonten von Kindern zu belasten nur im Raumschiff Brüssel möglich und denkbar. Das hat auch damit zu tun, dass man hinterher die Verantwortung für diese falsche Entscheidung auf andere abschieben kann. Während Zyperns Präsident Anastasiades behauptet, die Eurozone habe ihm keine andere Wahl gelassen, erklärt Wolfgang Schäuble, wie die einzutreibende Summe von 5,8 Milliarden € verteilt werde, sei Sache der zyprischen Regierung und des zyprischen Gesetzgebers.

Wieder einmal endet eine Eurorettung in Streit und spaltet die europäischen Völker. Wann lernen die EU-Granden daraus und lassen es endlich?

7 Kommentare

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. März 2013 | Die Börsenblogger

  2. Alex Hummel sagt

    „Dass nun Bankkunden in allen Krisenländern Zypern als Warnsignal auffassen und ihre Konten räumen, daran kann man glauben oder auch nicht. Ich bin da eher gelassen. Die meisten Sparer sind Transusen“

    Na dann wollen wir hoffen, dass Sie mit ihrem Optimismus recht behalten. Die Bankkonten sind, wie Sie sicherlich wissen, in Südeuropa heutzutage nur zu 1% durch Zentralbankgeld gedeckt, es reicht also, wenn sich nur, sagen wir, 5% der Kunden als keine „Transusen“ erweisen um das Bankensystem zum Kollaps zu bringen. Und die weiteren 95% rennen dann nach. Die EZB muß dann wieder die Feuerwehr spielen, während die deutschen Ökonomie-Professoren sind mal wieder über sie entrüsten – das Spiel kennen wir mittlerwiele zur Genüge? Es wäre beinahe lustig, wenn man es aus sicherer Entfernung beobachten könnte – aber so ist es eher traurig.

    P.S
    Was heißt das eigentlich, „Transusen“ ? Nie gehört, das Wort -:)

  3. Häschen sagt

    Der Niedergang der New Economy zeichnet sich ab oder ihr endgültiger Durchbruch.

    Zitat
    Zumal die New Economy führt vor Augen , dass der Eigentümer nicht mehr Beherrscher, Verfüger und Genießer seiner ihm eigenen Güter ist, sondern nur noch Funktionär im Dienste von Erwartungswerten. (Berliner Zeitung, 2000)
    – das ist zwar eher der Bezug zum Wandel im Unternehmertum, aber ähnlich ist’s mit der Stellung zwischen Bürger und Zahlungsmittel.

    Frau Merkel ist hoffentlich klar – Wir sind Häschen und nicht die Ameisen. Eines haben wir gelernt, bist du fleißig wie die Biene kommt der Bär und nascht den Honig aus dem Stock oder es geht aus wie in Griechenland, dann kommt der Ameisenbär und ‚Schluss ist mit lustig‘.

    Geld kommt nicht vom Arbeiten, respektive Arbeit schafft kein Geld. Arbeiten erlaubt Zugriff auf Geld, heute eher auf Zahlungsmittel jeder Art.

    Der Bank Run, der Bank Run, der kommt so schnell nicht. Wohin mit den vielen Zahlungsmitteln? Was viele nicht mehr wissen, Geld zu sparen ist gar nicht so einfach und für die breite Masse ist sparen kaum mehr eine Alternative.

    Die Menschen in Zypern trifft es hart, schauen sie sich die Fundamentaldaten an. Zypern bewegt sich bezüglich der Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit stark in Richtung Kroatien. Ich denke das Spiel war ähnlich Griechenland.

    Der Staat Zypern selbst hat eher sauber gewirtschaftet und deswegen ist die Betreiligung der Brüger an der ‚Abwicklung‘ des Staatsbankrottes etwas befremdlich.

    Das Finanzsystem geht nicht sehr sorgsam mit der Monopolstellung um, ist das die Verantwortung der Brüger? Nein bestimmt nicht. Der Bürger hat allein Nachteile, wenn die Realwirtschaftsleistung nicht mit der Geldmenge harmoniert, das Problem hat das Finanzsystem in den Griff zu bekommen, es ist deren Job.

    Transuse stimmt nicht ganz. Eher von Gauklern und Scharlatanen respektive der Familie Pfau hinters Licht der Laterna Magica geführt, respektive wie der Esel mit der Karotte vor Nase vor den Karren gespannt. (Banker, Wirtschaftbosse und Politiker). Das mit der Karotte funktioniert bei uns auch nur bringt das nichts, das hat man bald erkannt.

    Griechenland, Portugal, Spanien, Italien (mache ich mir weniger Sorgen – ist an sich relevant, da sie Nettozahler sind und potentielle ESM Sponsoren), Irland, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien die hängen massiv. Die großen Österreichischen Banken haben (hatten) in Summe so ca. 1 Billionen EUR Bilanzsumme, unser BIP ist bei guten 300 Mrd. EUR. Das ist noch immer bescheiden gegenüber Zypern, aber so ohne ist das auch nicht. Die Lage ist etwas entschärft, da unsere großen Institute in solidarische Verbunde eingebunden sind, die zur Not das Risiko stemmen können … wo ist das Geld, im Osten. Sei es den Menschen dort vergönnt, … wie sollen sie aber die Kredit zurückzahlen? Egal wie sie sich mühen, es wird nicht besser …. und warum sollen sie für die Errichtung eines Tankstellennetzes bezahlen, bei dem sie nie tanken konnten, weil es zu teuer war …

    Wir Bürger haben es nicht leicht. Früher musste man das Geld vor dem Staat schützen. Heute noch dazu die Staaten vor dem Geld. Die Ameisenkönigin und ihr treuer Begleiter haben es auch nicht leichter, das gemeinsame Europa hängt am seidenen Faden. Bei der Achse Berlin – Paris ist im Westen die linke Feder gerissen, im Süden nichts neues… Wie soll es bergauf gehen!

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