Wirtschaftswurm-Blog

Target-2-Wortverdreherei: Ein notwendiger Versuch der Entwirrung

So, so, die Target-2-Forderungen der Bundesbank sind angeblich keine Kredite. Das behaupten Peter Bugold und Sebastian Voll von den Universitäten Jena und Leipzig sowie Olaf Storbeck in seinem Handelsblog. Damit tragen die drei allerdings zur maximalen Verwirrung bei. Im folgenden der notwendige Versuch der Entwirrung.

Im Kern geht es mir um diese Sätze von Bugold und Voll:

Wenn es sich bei TARGET2-Forderungen tatsächlich um Überziehungskredite der Kernländer an die Peripherie handeln würde, so könnten sie jederzeit mittels Übertragung von gesetzlichem Zahlungsmittel vom Schuldner auf den Gläubiger getilgt werden.

Das ist aber genau der Mechanismus, durch den diese Forderungen entstanden sind. Paradoxerweise könnte hier also eine „Tilgung“ mittels gesetzlichen Zahlungsmittels nur stattfinden, indem der Gläubiger (hier: die Überweisungen empfangende NZB) dem Schuldner (hier: die Überweisungen beauftragende NZB) Geld übergibt.”

Fangen wir ganz klein an. Reden wir von dem Wirtschaftswurm und von Olaf Storbeck. Beide haben ein Girokonto bei der Sparkasse in Wurmhausen. Anfangs sind beide Konten ausgeglichen:

Wirtschaftswurm Olaf Storbeck
0 0

Nun treffen sich der Wirtschaftswurm und Olaf Storbeck zur Meisterschaftsfeier von Schalke 04 in Gelsenkirchen und bei der Gelegenheit zeigt Storbeck dem Wirtschaftswurm stolz die Schmucksammlung, die er von seiner Oma geerbt hat. Der Wirtschaftswurm ist begeistert und will die Sammlung haben. Und Olaf Storbeck ist tatsächlich bereit, sie für 600.000€ zu verkaufen. Kein Problem, denn der Wirtschaftswurm hat schon allein wegen seines Namens unbegrenzt Kredit bei der Sparkasse Wurmhausen.

Die Konten sehen nun (im zweiten Schritt) so aus:

Wirtschaftswurm Olaf Storbeck
-600.000 +600.000

Etwas später hat der Wirtschaftswurm Geburtstag. Das ist ein toller Anlass für Geschenke. Olaf Storbeck weiß, was angemessen ist, und überweist 600.000€ an den Wirtschaftswurm.

Die Konten sind in Schritt 3 wieder ausgeglichen.

Wirtschaftswurm Olaf Storbeck
0 0

Und nun stellen wir uns mal vor, der Wirtschaftswurm wäre eigentlich die Griechische Nationalbank, Olaf Storbeck wäre tatsächlich die Deutsche Bundesbank und die Sparkasse Wurmhausen wäre in Wirklichkeit die EZB. Schließlich handelte es sich bei den Konten auch nicht um normale Girokonten, sondern um die viel diskutierten Target-2-Konten.

Bereits vor knapp einem Jahr habe ich über das Target-2-System der Europäischen Zentralbank geschrieben und erklärt, wie es funktioniert. Alle grenzüberschreitenden Überweisungen im Eurosystem fließen über die Target-2-Konten, die die beteiligten Notenbanken bei der EZB haben, bevor sie beim endgültigen Empfänger landen.

Wenn z.B. ein Grieche in Deutschland Immobilien kauft, spielt sich auf den Target-2-Konten genau das Gleiche ab, was auf unseren Girokonten passiert, wenn ich Olaf Storbecks Schmucksammlung kaufe. Die Griechische Notenbank beansprucht genauso einen Überziehungskredit, wie ich es in dem Beispiel getan habe. Sie beansprucht ihn allerdings nicht bei der Deutschen Bundesbank, sondern bei der EZB. Dies hat auch Hans-Werner Sinn nicht genügend klargestellt.

Die Bundesbank ist andererseits tatsächlich Gläubiger, allerdings auch nicht Gläubiger der griechischen Notenbank, sondern wiederum der EZB. Die Bundesbank hat bei ihr ein Guthaben, aber Guthaben nennen wir lediglich die Kredite, die wir den Banken geben.

Und was sehen wir in Schritt 3? Tatsächlich findet eine Tilgung statt, indem der „Gläubiger“ dem „Schuldner“ Geld übergibt. Da ist nichts Mysteriöses daran, wenn man die EZB explizit berücksichtigt. Negative Target-2-Salden sind wie Überziehungskredite. Quod erat demonstrandum.

53 Kommentare

  1. Das Häschen sagt

    Ja, die Verwirrung ist groß. Der Herr Sinn hat eigentlich sehr interessant auf diese Art die Kapitalflüsse beschrieben. Sehr schnell riefen sich die Kritiker des Herrn Sinn selbst auf den Plan und ’schimpften‘ Herr Sinn hätte das Target System ‚angegriffen‘. Das Target System ist ein Treiber oder Enabler …. aber ohne Staatsanleihen und freien Kapitalverkehr zu berücksichtigen ist die Diskussion zu kurz gegriffen.

    In einem Video vom Herrn Sinn aus München argumentierte er mit der Begründung – Erwerb von Realwerten in Deutschland. Das war vermutlich im Beobachtungszeitraum beginnend mit Feb. 2011 ein maßgeblicher Teil. Er hat am Ende des Vortrags etwas hurtig vereinfacht sämtliche Beträge addiert, das war aber eher dem Vortag geschuldet.

    Das spannende Element in dieser Diskussion ist eine Betrachtung entlang der Gruppen die in diesem Transferspiel profitierten, ganz wertfrei … wer von EURO spricht, soll sich ‚hurtig abgewöhnen‘ die Nationalstaaten und einzelne Ökonomien zu sehen, das verwässert jede Diskussion ungemein. Ist auch passiert in der Diskussion zwischen Herrn Sinn und den anderen. Es gibt Partizipanden im Euro Raum auf Realwirtschaftsebene und in der Finanzindustrie.

    Abfolge
    0) Diskussionwürdiger Eintritt
    a) Die Vergabe der Kredite an den Südeuroraum
    b) Exporte teils zivil
    c) Die Umverteilung auf die sog. ‚reichen Griechen‘ und die Finanzindustrie
    d) der Rückfluss des Geldes in den Nordeuroraum und der Erwerb von Sachwerten im Nordeuroraum, in jüngerer Zeit vermutlich eher reiner Finanztransfer
    e) das ‚Drucken‘ des Geldes
    f) Kontrolle in der EZB und die Transfers der Finanzindustrie aus dem Südeuroraum insbesondere Griechenland.
    g) Wer am Ende die Rechnung zahlt und das sind nicht jene die profitiert haben im Sinne von Vermögenszuwachs.

    Die Konsequenz im Falle eines sog. Auseinanderbrechens des Euro Raums
    a) Die Forderungen aus den ursprünglichen Geschäften könnte .de abschreiben
    b) Zu allem Überfluss hätten jene denen das Geld zugeflossen noch in .de geschwind in Immobilien investiert (beispielsweise).
    c) Damit wären in diesem Fall – Realwerte aus .de, seien es exportierte Sachgüter 1) und Vermögenswerte ‚verloren gegangen‘ 2).
    Sollte noch eine Immobilienblase entstehen und der Steuerzahler ein Subjekt aus der Finanzindustrie müssen retten – ein drittes Mal. Das trifft nicht die gesammelten Salden zu, aber viele Möglichkeiten zu retten. (das letztere meine Ergänzung)

    Eines ist klar, wenn jemand aus der Vogelperspektive den Euroraum anschaut, der Adler mit dem scharfen Blick ist genauso ein Raubvogel wie der Geier, die Versuchung ist groß, aber nicht jeder Partizipand handelt mit ‚böser‘ Absicht.

    Griechenland eignet sich als extremes Beispiel und Lehrstück worin die Schwäche im Gesamtsystem liegt. Jeder Partizipand macht aus seiner Sicht alles richtig und am Ende entsteht eine interessante Situation.

    Meiner persönlichen Ansicht nach ist der große Schwachpunkt die mangelnde Besicherung der sog. Staatskredite (ich nenne sie Regierungskredite) + Freier Kapitaltransfer + Bankenrettung. Verleitet den Zyklus von vorne zu starten.

    Beispiel anhand von Immobilien – Der Vergleich wäre jedes Land hätte seine eigene Währung und könnte diese abwerten, damit wären kurzfristig auch die Vermögenswerte betroffen im Außenverhältnis, solange die Preise sich nicht anpassen. Wenn man aber Regierungskredite abschreibt und die Vermögenswerte gleich bleiben, tja … dann hat keiner etwas zu verlieren, bis auf jene die nie etwas davon hatten. Das erst genannte könnte helfen die Auswirkungen des Platzens einer Immobilienblase zu lindern auf positivem Wege, als Ergänzung am Rande bemerkt.

    Es macht aber einen gewaltigen Unterschied, ob der Inhaber eines Mittelstandunternehmens ein Sparguthaben in .de auflöst und eine Immobilie in Spanien erwirbt oder ob zuerst ein System ala Asset Backed Securities wird aufgezogen, der gutgläubige Südeuropäer sich eine Realität erwirbt, nachher Pleite geht, gewürgt wird und das Spiel von vorne beginnt. Derjenige der im Knoten oberhalb der Nationalokönomien sitzt hat leichtes Spiel. Ein Plus in einem Land und ein Minus im anderen im Konten darüber ist im Summe Null, alles ist gut, aber nichts wird besser.

    Jetzt kommt die Beurteilung. War die Immobilienblase in Spanien ein europäisches Projekt mit der Absicht war die Bürger in ganz Europa die Rechnung zahlen zu lassen, genauso wie die Waffenexporte nach Griechenland im Rahmen der Friedensunion. Jeder bewerte das wie er will. Selbst wenn jeder sein bestes gab, der Verdacht bleibt, damit kann man der Politik immer den schwarzen Peter zuspielen.

    Der Euro macht ja nicht viel was anderes als das Fremdwährungsrisiko auf die gesamte Europäische Bevölkerung umzulegen anstatt die Unternehmen in der Realwirtschaft, die ihrerseits an eine spezifische Kundegruppe erhöhte Preise weitergeben. Das hat schon auch Sinn.

    Die Politik ist jetzt in einer traurigen Rolle. Die Frage ist wurde sie gewollt oder ungewollt zum Business Enabler für sehr moderne Entwicklungen im Finanzsystem, die bei Festlegung des EUROs noch nicht auf der Tagsordnung waren – ABS, CDO, CDS, … und die neuen CXX – die den USA schon wieder den Konsum aufblasen.

    Ist aber in Unternehmen nicht anders, ich hab BI Systeme gebaut … dort findet das Spiel auf Ebene der Abteilungen statt, aber dort ist es ein Unternehmen. Auf der politischen Ebene ist Europa nicht eins.

  2. Zur Meisterfeier in Gelsenkirchen komme ich gerne. Dein Beispiel hinkt allerdings, da du unsere privaten Transaktionen mit denen der Notenbank gleichsetzt. In der ganzen T2-Debatte ist es aber so, dass die Notenbanken und die EZB zwischen die grenzüberschreitenden privaten Transaktionen geschaltet sind. Des Pudels Kern ist die Tatsache, dass private Akteure Geld, das in einem Land geschaffen wird, über T2 in ein anderes Land bewegen. Diese Geldströme werden über T2 verbucht, that’s it. Die mögliche Kreditvergabe (vielleicht werden ja auch einfach vorhandene Sichteinlagen in ein anderes Land überwiesen, ohne dass ich mir Geld leihe), erfolgt durch die private Bank im dem Land, wo die Transaktion in Gang gesetzt wird und die sich entweder auf dem Interbankenmarkt oder bei ihrer nationalen Zentralbank refinanziert. Alles, was dann folgt, sind reine Buchhaltungsvorgänge.

  3. Wirtschaftswurm sagt

    @Das Häschen,
    ja, es ist interessant zu analysieren, wer tatsächlich vom Eurosystem profitiert. Ein bisschen dazu hatte ich schon mal unter dem Titel Euro-Mythos: Ein Blick in die Geldbörse genügt geschrieben. Aber man sollte da noch viel tiefer die einzelnen Sektoren analysieren. Deutschland allgemein profitiert von der Eurokrise, vom gut funktionierenden Euro bis 2009 hat es nicht profitiert.
    @Olaf Storbeck,
    wir können ja zumindest schon einmal festhalten, dass das Argument von Burgold und Voll (siehe Zitat oben) nicht sticht. Es liegt eben kein Paradox vor, wenn man die Targetsalden als Kredite ansieht. Man muss nur sehen, dass die Kreditbeziehung zur EZB besteht, nicht direkt zur Deutschen Bundesbank. Das hat Hans-Werner Sinn anfangs auch falsch verstanden.
    „Alles, was dann folgt, sind reine Buchhaltungsvorgänge.“ Theoretisch könnte man alles Saldieren, also die entstandene Forderung der griechischen Notenbank an die griechische Geschäftsbank mit den Schulden der Notenbank bei der EZB. Aber nicht umsonst kennt die Buchhaltung ein Saldierungsverbot von Forderungen und Verbindlichkeiten. Denn mit dem Saldieren werden Risiken verschleiert. Da haben wir das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone oder auch nur das Risiko, dass die Bilanz der griechische Notenbank in Schieflage gerät.

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  5. Alex Hummel sagt

    Hallo Wirtschaftswurm!

    Sie sagen, es besteht eine Kreditbeziehung gegen die EZB. D.h. die Bundesbank hat eine Forderung gegen die EZB richtig. Nun im Geschäftsleben kann und muß eine Forderung mit gesetzlichem Zahlungsmittel (im Alltagssprachgebrauch auch als „Geld“ bekannt) beglichen werden, richtig? Und was ist das gesetzliche Zahlungsmittel im Eurogebiet. Das ist eine Forderung gegen das Eurosystem (EZB+nationale Zentralbanken) – also entweder Eurobanknoten oder ein Eintrag auf einem Konto bei einer der nationalen Zentralbanken. Das hieße also wenn die EZB die Forderung der Bundesbank gegen sich selbst begleichen wollte, müsste sie das mit einer Forderung gegen die … u.a Bundesbank (und sich selbst) tun. Ist es nicht paradox ? Kann wohl doch keine echte Forderung sein.

  6. Wirtschaftswurm sagt

    @Alex Hummel,
    ja, das sind die Nickeligkeiten eines Fiat-Geldsystems. Forderungen an die Zentralbank sind nie dazu da, um von der Zentralbank selbst ausgelöst zu werden. Stattdessen bezahlt man mit ihnen Dritte. So ist es ja auch mit den Banknoten, die formal ebenfalls eine Forderung an die Zentralbank sind.
    Aber stellen Sie sich vor, der Euro wäre goldgedeckt. Dann könnte die Bundesbank ihre Targetforderungen ohne Zweifel zu Gold machen.

  7. Alex Hummel sagt

    @WIrtschaftswurm

    Nun ja, sicher wenn … Aber da Euro nun mal eine Fiat-Währung ist, wie alle anderen heutzutage auch, ist die Target2-Forderung mit nichts gedeckt, wie der Euro selbst.

    Nachdem ich übrigens meinen letzten Beitrag schon abgeschickt habe, ist mir eingefallen, wie man ihren Beispiel mit Sparkasse Wurmhausen so umfunktionieren kann, dass es das Target2-System richtig gut illustriert.

    Und zwar geht das so: nehmen wir an, Sparkasse Wurmhausen hat zwei Geschäftsstellen – Wurmhausen-Nord und Wurmhausen-Süd. Sie haben in unserer Geschichte ein Konto bei Wurmhausen-Nord und Herr Storbeck bei Wurmhausen-Süd.
    Beide Geschäftststellen führe ihre eigenen Bilanzen, anhand deren die Geschäftsstellenleiter von der Zentrale bewertet werden und Boni bekommen.

    Und jetzt kommt unsere Geschichte in Gang, Sie nehmen ein Kredit auf, um Herrn Storbecks Schmucksammlung zu kaufen und überweisen das Geld auf sein Konto. Bei der Überweisung fließt aber kein echtes Geld, es passiert ja alles innerhalb der gleichen Bank. Der Betrag wird lediglich von Ihrem Konto auf das von Herrn Storbeck umgebucht. Betrachten wir jetzt bei jedem Schritt im Detail, wie er sich auf die Aktiva und Passiva der jeweiligen Geschäftststellen auswirkt:

    1. Kreditaufnahme
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: +600000 (Ihr Kredit) Passiva: +600000
    Wurmhausen-Süd – unverändert
    2. Umbuchung
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: unverändert Passiva: -600000
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: unverändert Passiva: +600000
    3. Endergebnis
    Wurmhausen-Nord – Gewinn +6000000
    Wurmhausen-Süd – Gewinn -6000000

    Was sehen wir da ? Durch diese eigentlich ganz einfache Operation haben Sie Wurmhausen-Süd einen Verlust eingebrockt, der Geschäftsleiter kriegt kein Boni. Der Geschäftsleiter von Wurmhausen-Nord freut sich aber, obwohl alles was er getan hat war ein Kredit zu vergeben, ob Sie den Kredit zurückzahlen ist keineswegs sicher (nur im Beispiel :-)).
    So kann es ja wohl nicht funktionieren oder? Das ist auch der Zentrale klar, und um dieses Problem zu lösen, führt sie ein neues Buchungsposten ein – das Umbuchungssaldo zwischen den Konten bei Wurmhausen-Nord und Wurmhausen-Süd. Dieses Saldo wird in der Bilanz jeder Sparkasse als Forderung (wenn positiv) bzw. Verbindlichkeit (wenn negativ) gegen die jeweils andere Geschäftsstelle geführt. Es aber ein reiner Verrechnungsposten ohne wirkliche Bedeutung, die Geschäftstellen haben keine gegenseitige Verpflichtungen, sind ja auch Teile des gleichen Unternehmens. Mit der Enführung von diesem Posten sieht es nach Ihren Aktivitäten in den Aktiva und Passiva der Geschäftsstellen so aus:

    1. Kreditaufnahme
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: +600000(Ihr Kredit) Passiva: +600000
    Wurmhausen-Süd – unverändert
    2. Umbuchung
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: +600000(Umbuchungssaldo) Passiva: -600000
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: -600000(Umbuchungssaldo) Passiva: +600000
    3. Endergebnis
    Wurmhausen-Nord – Gewinn unverändert
    Wurmhausen-Süd – Gewinn unverändert

    Jetzt sieht es dank unserem Verrechnungsposten ganz gut aus – die Geschäftsleiter können fair beurteilt werden.

    Wenn wir jetzt anstatt Wurmhausen-Nord, die irische Zentralbank nehmen, anstatt Wurmhausen-Süd die Bundesbank und anstatt Geschäftstellenumbuchungssaldo das Target2-Saldo – haben wir die perfekte Parallelle.
    Die Rolle der Geschäftsleiter spielen übrigens die Regierungen, an die ja das Zentralbankgewinn fließt.

    Was halten Sie davon 🙂 ?

  8. Teufel sagt

    Nun spielen wir das Beispiel weiter mit Insolvenz:

    Die Wurmhausen-Nord-Bank hat bei der Kreditierung des Wirtschaftswurms etwas geschlafen und den Kredi leichtfertig vergeben. Dann beginnt ihre Zahlerei. In der Wurmhausen-Südbank wird im Verrechnungskonto eine Forderung aktiviert gegen die Nordbank. Nun streicht der Wirtschaftswurm die Segel und zahlt seinen Kredit nicht ab. Da die Wurmhausen-Nordbank nur so trollige Kunden hat, gerät sie selbst in Schieflage und muss auch die Segel streichen.

    Im Verrechnungskonto der Südbank wird jetzt ein Ausfall gebucht, da die Forderungen gegen verbundene Unternehmen neu bewertet werden müssen. Jetzt hat auch die Südbank ein Problem.

  9. Alex Hummel sagt

    @Teufel

    Ich glaube, sie haben meine Ausführungen nicht genau gelesen. Wurmhausen-Nord und Wurnhausen-Süd sind keine Banken, sie sind Geschäftststellen einer und diesselben Bank – Wurmhausen Sparkasse. Deswegen können auch nicht getrennt Pleite gehen – sie sind ja auch keine juristische Personen, für die Außenwelt gibt es nur eine Bank – Wurmhausen Sparkasse, die Verrechnungen zwischen den Dienststellen interessieren die Außenwelt nicht.
    Aber gut, um unser Beispiel weiter zu spannen, schauen wir uns an was passiert, wenn Wirtschaftswurm den Kredit nicht zurückzahlt. Dafür hat die Zentrale nämliche eine weitere Regel – bei einem Kreditausfall werden die Verluste jeweils zur Hälfte auf beide Geschäftststellen aufgeteilt – unabhängig davon, wer den Kredit vergeben hat. Ungerecht, ich weiß, aber so sind nun mal die Zentralen – innerhalb des Unternehmens können sie schalten und walten, wie beliebt (hier spreche ich aus Erfahrung), ökonomische oder sonstige Argumente spielen dabei keine Rolle.

    Und so sehen jetzt unsere Aktiva/Passiva aus:

    1. Kreditaufnahme
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: +600000(Wirtschaftsurm-Kredit) Passiva: +600000
    Wurmhausen-Süd – unverändert
    2. Umbuchung
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: +600000(Umbuchungssaldo) Passiva: -600000
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: -600000(Umbuchungssaldo) Passiva: +600000
    3. Kreditausfall
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: -300000 Passiva: unverändert
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: -300000 Passiva: unverändert
    4. Endergebnis
    Wurmhausen-Nord – Verlust 300000
    Wurmhausen-Süd – Verlust 300000

    Wie man sieht, stehen die Endverluste der beiden Geschäftsstellen in keiner Relation zum Umbuchungssaldo. Und so ist es auch im richtigen Leben – Verluste (und Gewinne) des Eurosystems werden nach dem Kapitalschlüssel auf die nationalen Zentralbanken verteilt (Bundesbank – 28%)

  10. Wirtschaftswurm sagt

    @Alex Hummel,
    Ihr Beispiel scheint mir so weit richtig bis auf die Tatsache, dass die nationalen Zentralbanken nicht nur Geschäftsstellen sind, sondern voneinander unabhängig. Die nationalen Zentralbanken sind nicht Eigentum der EZB, sondern der jeweiligen Staaten. Sie handeln nur gemeinsam im Rahmen des EZB-Systems.
    Und daher hat Teufel mMn schon das entscheidende Gegenargument gebracht. Wenn eine „Geschäftsstelle“ in eine Schieflage gerät oder gar sagt „Ich mach nicht mehr mit“, was geschieht dann? Weidmann hat heute gegenüber der FAZ ein lesenswertes Interview gegeben, in dem er die Sachen klarstellt:
    1. „Aufgrund der besonderen Art der Bankenrefinanzierung steigen unmittelbar vor allem die Risiken für die griechische Notenbank.“ Verluste werden also nicht automatisch verteilt, sondern müssen zunächst von Wurmhausen-Nord getragen werden.
    2. „Was passiert mit den Forderungen, wenn Griechenland den Euro verlassen sollte?“-„… in diesem Fall drohen bei diesen Forderungen Verluste – unmittelbar für die Europäische Zentralbank, mittelbar für die Bundesbank als ihr größter Anteilseigner und damit letztlich für den deutschen Steuerzahler.“
    Und ähnliches gilt dann auch, wenn Wurmhausen-Nord, ähhh ich meine die griechische Notenbank, zwar beim Euro bleibt, aber kein Eigenkapital mehr hat. Der griechische Staat wird dann wohl kaum einspringen können, also müssen die EZB und mittelbar die anderen Notenbanken nachschießen.
    Ich bin voll auf der Linie von Weidmann, wenn er sagt: „Wir müssen genau hinschauen, wem wir Zentralbankgeld leihen. Wir müssen bei den Sicherheiten, die wir verlangen, strenge Maßstäbe anlegen.“ Marode griechische Banken sollten nicht weiter auf Kosten des Euros gestützt werden.

  11. Teufel sagt

    @ Hummel: Ich wollte auf das Insolvenzrisiko hinaus. Das ist doch das entscheidende Argument; steckt in den Targetsalden ein Risiko für Deutschland?!
    Ja, weil wir mittelbar im Falle eines Crashs in GR getroffen werden.
    Die EZB muss ihre Targetforderungen abschreiben und erleidet einen herben Bilanzverlust; der am Ende von Deutschland mitgetragen werden muss. (Welches Insolvenzrecht gilt eigentlich für „Organe von internationalen Organisationen“? :p)

    Da liegt mMn auch eine Schwäche der Währungsunion, wenn ein Land kurzfristig ein negatives Target-Konto hat, müsste es eigentlich angehalten sein, dieses schnell zurückzuführen (zB durch eine hohe Verzinsung und entsprechenden Anforderungen an die Besicherung), anstatt seine Probleme zulasten der anderen Mitgliedsstaaten zu sozialisieren.

    @ WW: Den Weidmann habe ich auch eben gerade gelesen. Der macht da auch kein Hehl draus. Ich muss sagen, dass ich vor dem Mann mehr und mehr Respekt habe. Der hat den Job zu einem Zeitpunkt übernommen, wo bereits alles versaut war und hält seitdem tapfer die Fahne hoch.

  12. Alex Hummel sagt

    @Wirtschaftswurm, Teufel

    Ja, ich würde sagen, mein (und Wirtschaftswurms) Beispiel stößt so langsam an seine Grenzen. Aber ich versuche ihn ein letztes Mal jetzt so zu modifizieren, an er der Realität noch ein Stück weiter ähnelt.

    In meinem neuen Model ist die Sparkasse Wurmhausen ein Gemeinschaftsunternehmen, das aus drei ehemals eigenständigen Teilen besteht – Wurmhausen-Nord, Wurmhausen-Süd und Wurmhausen-Ost (Ergebnis einer Fusion). Die drei sind eigenständige juristische Personen und besitzen jedes ein 33,33% Anteil an der Gesamtsparkasse Wurmhausen. Um das Bild abzurunden führen wir noch Herrn Nordler, Herrn Südler und Herrn Ostler eine, die 100-prozentige Eigentümer der Teilsparkassen sind (was wem gehört, dürfte nicht schwierig zu erraten sein, oder :-)).
    So, das wäre die juristische Struktur. Ganz schön kompliziert, ich weiß, aber heutzutage gibt es komlplizierteres (spreche aus Erfahrung).
    Jetzt zu organisationellen Struktur, sie ist viel einfacher – es is ein Vorstand(Zentrale) bestellt, das die Gesamsparkasse leitet, die Geschäfte der einzelnen Teilsparkassen werden von einem Geschäftsstellenleiter geführt, der gegenüber der Zentrale weisungsgebunden sind.
    So, nachdem jetzt die die Struktur klar ist, wieder zu Passiva/Aktiva:

    Wir nehmen jetzt noch zusätzlich an, das vor dem Malheur mit dem Wirtschaftswurm-Kredit jede Teilsparkasse Aktiva im Wert von 10000000 EUR und Passiva im Wert von 8000000 EUR hatte, die konsolidierte Bilanz war also 3000000 EUR Aktiva und 24000000 EUR Passiva. Wir nehmen ferner an, das die Umbuchungssalden zu diesem Zentpunkt 0 EUR waren

    Jetzt wieder zu unseren Schritten, aber jetzt werden nicht die Veränderungen der Aktiva/Passiva angegeben, sondern deren absolute Werte:

    1. Kreditaufnahme
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: 10600000 Passiva: 8600000
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: 10000000 Passiva: 8000000
    Wurmhausen-Ost – Aktiva: 10000000 Passiva: 8000000

    2. Umbuchung
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: 1000000 Passiva: 8000000 (davon -600000 Umbuchungssaldo)
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: 10600000 (davon 600000 Umbuchungssaldo) Passiva: 8600000
    Wurmhausen-Ost – Aktiva: 10000000 Passiva: 8000000

    3. Kreditausfall

    Wurmhausen-Nord – Aktiva: 9800000 Passiva: 8000000 (davon -600000 Umbuchungssaldo)
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: 10400000 (davon 600000 Umbuchungssaldo) Passiva: 8600000
    Wurmhausen-Ost – Aktiva: 98000000 Passiva: 8000000

    4. Endergebnis für das Geschäftsjahr

    Wurmhausen-Nord – Verlust 200000 EUR
    Wurmhausen-Süd – Verlust 200000 EUR
    Wurmhausen-Ost – Verlust 200000 EUR

    5. Bilanz der Gesamtsparkasse

    Aktiva: 29400000, Passiva: 24600000
    (Umbuchungssalden heben sich auf).

    Man sieht, auch in diesem Fall stehen die Verluste der einzelnen Teilsparkassen, welche dann die Herren Nordler, Ostler und Südler tragen, in keiner Beziehung zu den Umbuchungssalden.

    So, und jetzt kommen wir zu einer wirklich interessanten Frage. Was passiert eigentlich, wenn Herr Nordler das Gemeinschaftsunternehmen verlassen will. Nun, wir leben in einem Rechtsstaat, daher kann Herr Nordler nicht einfach so abhauen. Stattdessen wird Wurmhausen-Nord ordentlich ausgegliedert, sie bekommt 1/3 der Aktiva des Gemeinschaftsunternehmens und 1/3 der Passiva. Die verbliebenen Teile Süd und Ost gründen ein neues Gemeinschaftsunternehmen, das sie Wurmhausen nennen, sie sind an diesem jeweils zur Hälfte beteiligt. Das neue Gemeinschaftsunternemen bekommt 2/3 der Aktiva und Passiva des alten.

    Die neuen Bilanzen:

    Wurmhausen-Nord: Aktiva: 9800000 Passiva: 8200000
    Wurmhausen-Süd: Aktiva: 9800000 Passiva: 8200000
    Wurmhausen-Ost: Aktiva: 9800000 Passiva: 8200000

    Umbuchungssalden (Jetzt nur noch zwischen Süd und Ost) – O EUR

    Auch bei diesem Ausgliederungsprozess spielen der Umfang der Umbuchungssalden keine Rolle.

    Nun lange Rede, kurzer Sinn – ich glaube sie wissen schon, worauf ich hinauswill. Die Umbuchungssalden spielen bei all den Operationen, die ich bis jetzt beschrieben habe keine Rolle, sie sind ein bloßer Verrechnungsposten – das haben Sie ja gesehen.
    So könnte es auch in der Theorie bei Target2-Salden sein, es gibt hier allerdings zwei große ABER:

    1. Das erste ABER – ich habe bei der Ausgliederung von Wurmhausen-Nord die Existenz eines (Rechts)-Staates vorausgesetzt, das Herrn Nordler daran hindern würde mit seinen Aktiva abzuhauen. Auf der Ebene der Zentralbanken gibt es aber keinen (Über)Staat, daher könne Griechenland tatsächlich „abhauen“. Auf der anderen Seite haben die verbliebenen Euro-Staaten, denke ich, genügend Möglichkeiten um zumindest ein Teil der Aktiva doch einzutreiben – wie viele es sein werden, weiß aber keiner. Auf jeden Fall hat auch in diesem Fall die Höhe der Target2-Salden mit den am Ende realisierten Verlusten nichts zu tun, die Verluste werden auf die verbliebenen Mitglieder des Eurosystem gemäß ihrem Anteil am EZB aufgeteilt.

    2. Das zweite ABER: ich habe vorausgesetzt, dass bei der Ausgliederung von Wurmhausen-NORD Aktiva und Passiva zwischen den einzelnen Teilsparkassen aufgeteilt werden können. Innerhalb eines Nationalstaates ist es auch kein Problem, man schreibt die einzelnen Kunden einfach an und erklärt ihnen, das Ihr Kredit/Girokonto jetzt an ein anderes Unternehmen übergegangen ist. Auf der Ebene der Zentralbanken ist es wesentlich schwieriger – wenn z.B. Griechenland ausscheidet, kann die Bundesbank ja nicht Forderungen an griechishe Geschäftsbanken in ihre Bücher aufnehmen – ist ja ein anderes Land.

    Daher, wie Herr Storbeck schon sagte, man kann schlecht Sparkassen mit Zentralbanken vergleichen 🙂

    P.S

    Während ich an diesem Post arbeitete, habe ich bemerkt, dass ich in den zwei davon die Vorzeichen bei den Umbuchungssalden vertauscht gabe – bin ein schlechter Buchhalter 🙂

  13. Alex Hummel sagt

    Sorry, jetzt doch eine Korrektur, ist aber auch schwierig:

    Bilanzen Teil1 (vor der Ausgliederung):

    1. Kreditaufnahme
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: 10600000 Passiva: 8600000
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: 10000000 Passiva: 8000000
    Wurmhausen-Ost – Aktiva: 10000000 Passiva: 8000000

    2. Umbuchung
    Wurmhausen-Nord – Aktiva: 10600000 Passiva: 8600000 (davon 600000 Umbuchungssaldo)
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: 10600000 (davon 600000 Umbuchungssaldo) Passiva: 8600000
    Wurmhausen-Ost – Aktiva: 10000000 Passiva: 8000000

    3. Kreditausfall

    Wurmhausen-Nord – Aktiva: 10400000 Passiva: 8600000 (davon -600000 Umbuchungssaldo)
    Wurmhausen-Süd – Aktiva: 10400000 (davon 600000 Umbuchungssaldo) Passiva: 8600000
    Wurmhausen-Ost – Aktiva: 98000000 Passiva: 8000000

    4. Endergebnis für das Geschäftsjahr

    Wurmhausen-Nord – Verlust 200000 EUR
    Wurmhausen-Süd – Verlust 200000 EUR
    Wurmhausen-Ost – Verlust 200000 EUR

    5. Bilanz der Gesamtsparkasse

    Aktiva: 30000000, Passiva: 24600000
    (Umbuchungssalden heben sich auf).

    Bilanzen Teil 2 (Nach der Ausgliederung):

    Wurmhausen-Nord: Aktiva: 10000000 Passiva: 8200000
    Wurmhausen-Süd: Aktiva: 10000000 Passiva: 8200000
    Wurmhausen-Ost: Aktiva: 10000000 Passiva: 8200000

    P.S
    Schade, dass man Kommentare nicht nacheditieren kann 🙂

  14. Wirtschaftswurm sagt

    @Alex Hummel,
    ja, das Beispiel ist jetzt ziemlich kompliziert geworden und, ehrlich gesagt, bringt die zusätzliche Komplexität keinen entsprechenden zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Sie vernachlässigen die Gefahr, dass eine Geschäftsstelle pleite geht. Und wo kein Geld mehr da ist, ist auch in einem Rechtsstaat nichts zu holen.
    Richtig ist allerdings, dass die Targetsalden den maximal möglichen Verlust beschreiben. Der tatsächliche Verlust, wenn Griechenland ausfällt, wird wahrscheinlich niedriger sein. Auch hierin unterscheiden sich die Targetsalden aber nicht von anderen Krediten. Der einzige Unterschied, bei normalen Krediten kommt dann das Insolvenzrecht zum Zuge, über die Targetsalden werden stattdessen internationale Verhandlungen entscheiden.

  15. Alex Hummel sagt

    @Wirtschaftswurm

    Das eine Geschäftststelle pleite geht, habe ich aus einem guten Grund vernachlässigt, nämlich weil die Zentralbanken nicht pleite gehen können – und dafür habe wir den Beispiel schließlich entwickelt. Auch wenn der griechische Geschäftsbanken oder der griechische Staat pleite geht, die griechische Zentralbank bleibt solvent, schlicht und einfach – weil sie das Geld, welches es auch immer sein wird, selbst drucken kann.

    Ansonsten, ich denke schon, das unsere Diskussion ein Erkenntnisgewinn gebracht hat (zumindest für mich), und der besteht im einzelnen aus folgenden Punkten:

    1. Man kann nicht normale Banken bzw. normale Geschäftsstellen einer Bank mit Zentralbanken vergleichen – auf dieser Ebene gelten ganz andere Gesetze.
    2. Die Gewinne/Verluste einer Zentralbank im Euro-System haben keine Relation zu den Target2-Salden, zumindest solange das Euro-System als ganzes besteht.
    3. Die Verluste der im Euro-System verbliebenen Zentralbanken im Falle des Ausscheidens einer Zentralbank stehen in keiner Relation zu den Target2-Salden dieser Banken. Sie werden vielmehr aus dem Gesamtverlust des Euro-Systems nach dem jeweiligen (neuen) Kapitalschlüssel abgeleitet. Auch das Gesamtverlust des Eurosystems hat nur eine bedingte Relation zum Target2-Saldo der ausscheidenen Zentralbank.

    Hierzu noch weitere Anmerkungen:

    1. Punkt 3 gilt nur, wenn man das Saldo aus der Bargeldausgabe vernachlässigt (http://www.lums.lancs.ac.uk/files/23558.pdf) – hier hat griechische Zentralbank ein negatives Saldo von 14.9 Milliarden (Bundesbank 163 Milliarden).

    2. Obwohl es durchaus ein Risiko für die Bundesbank besteht, ist es eben nur ein Risiko für die Bundesbank, nicht wie oft behauptet wird für den deutschen Steuerzahler. Weil die Bundesbank eine Zentralbank kann sie per Definition nicht zahlungsunfähig werden und könnte, wenn sie wollte selbst mit negativem Eigenkapital perfekt funktionieren. Bei einer normalen Bank geht es nicht, hat sie negatives Eigenkapital – wird sie von der BAFIN geschlossen (obwohl es auch hier Ausnahmen gibt). Es gibt also überhaupt keine Notwendigkeit, wie so oft in den Medien behauptet wird, dass „der deusche Steuerzahler die Bundesbank rekapitalisiert“. Auch hier werden in der Debatte unzulässigerweise Parallelen zwischen einer Geschäftsbank und einer Zentralbank gezogen.

    P.S

    Ich weiß, alle meine Ausführungen wirken auf viele als Verwirrungsversuch, aber wir leben nun mal in einem komplexen monetären System und es hilft keinem, diese Komplexität zu leugnen und das System mit der Logik der „schwäbischen Hausfrau“ zu verstehen versuchen.
    Nicht nur in unserem monetären System gilt – Zusammenhänge, die für einfache Teile eines komplexen Systems gelten, können sich auf der Ebene des Gesamtsystems ins Gegenteil verkehren (und tun es auch meistens).

  16. Wirtschaftswurm sagt

    „die griechische Zentralbank bleibt solvent, schlicht und einfach – weil sie das Geld, welches es auch immer sein wird, selbst drucken kann“ – Das ist jetzt aber auch nicht die Superlösung. Ich vermute auch, dass es gegen die EZB-Statuten wäre.

  17. Alex Hummel sagt

    Also, Superlösung ist es selbstverständlich nicht. Ich glaube in der heutigen Situation wäre man in Griechenland schon froh, wenn man eine nicht Lösung hätte, die einen kompletten wirtschaflichen Zusammmenbruch verhindert, ob die Lösung dann irgendeinem Lehrbuch entspricht, darum geht es nicht mehr. Und was die EZB-Statuten angeht, im Falle des Austritts, und darüber reden wir ja, wäre die griechische Zentralbank nicht mehr an die EZB-Statuten gebunden, denn sie wäre ja nicht mehr Teil des Eurosystems.

  18. Das Häschen sagt

    @Wirtschaftswurm – Danke. Ich unterstelle Deutschland gar keine Profitgier. Es hat einige Zeit gedauert bis mir einige Zusammenhänge klar wurden. Danke für den Hinweis auf den Artikel über den ‚Ein Blick in Geldbörse genügt‘.

  19. Pingback: Trotz des eitlen Selbstlobs von Wolfgang Schäuble: Die Eurokrise ist massiv zurückgekehrt 37 « Klaus Gauger

  20. peter sagt

    Als nicht BWLer und und Finanz-Dummy glaubte ich anfangs das Problem verstanden zu haben, danach aber immer weniger. (Ist wahrscheinlich der Grund, warum das Thema in der Öffentlichkeit kaum aufpoppt.)

    Was mir als Laie nicht klar ist: wenn diese Forderungen der BuBa im Falle eines Crashs oder Austritts von GR einfach auf „0“ gestellt werden – was passiert dann eigentlich genau?

  21. Wirtschaftswurm sagt

    Die BuBa macht einen Verlust in entsprechender Höhe. Bei einem Ausfall der Targetforderungen aus Griechenland würden aktuell 28 Milliarden € Verlust anfallen. Wenn man mal davon ausgeht, dass die BuBa durch ihr normales Geschäft 3,5 Milliarden € Gewinn im Jahr an den Staat abführen kann, dann würde dies für 8 Jahre ausfallen. Das betrifft aber nur Griechenland.
    Sollte sich das Eurosystem insgesamt auflösen, dann wäre die BuBa „pleite“. Etwa 640 Milliarden müssten abgeschrieben werden bei 150 Milliarden Eigenkapital. Was dann geschieht? Keiner weiß es. Die BuBa kann allerdings nie wirklich insolvent gehen, da sie ja Geld selbst drucken kann. Im Zweifelsfall werden die fehlenden 490 Milliarden also einfach gedruckt und unter die Leute gebracht -> Inflation.

  22. Wenn T2-Verbindlichkeiten ausfallen sollen, fällt der Verlust bei der EZB an und wird dann nach ihrem Kapitalschlüssel auf die anderen übrigbleibenden Notenbanken, auf die BuBa kämen also 27% des gesamten Ausfalls der griechischen T2-Verbindlichkeiten zu -völlig unabhängig davon, welche T2-Forderungen sie gleichzeitig an die EZB hat. (Wie dass mit den Forderungen der BuBa an die EZB verrechnet wird, ist mir allerdings nicht ganz klar – im gesamtem Euro-System müssen sich T2-Forderungen und Verbindlichkeiten ja immer ausgleichen, aber jede Notenbank hat sie nur gegenüber der EZB, nicht direkt gegenüber den anderen Notenbanken. )

    Dass die in deinem Beispiel fehlenden 490 Milliarden „gedruckt und unter die Leute gebracht“ werden müssten, leuchtet mir übrigens nicht ein. M.E. sähe der Worst Case so aus: Die BuBa dann negatives Eigenkapital in Höhe von -490 Mrd Euro. Wie Weidmann selbst gesagt hat, kann eine Zentralbank auch mit negativen Eigenkapital agieren – oder sie müsste vom Staat rekapitalisiert werden. Aber einen Zwang, das Loch über neue Geschöpfung schließen zu müssen, kann ich nicht erkennen.

  23. Teufel sagt

    Problematisch wird es bei einer überschuldeten BuBa erst in dem Moment, wo deren Verbindlichkeiten durch die Gläubiger fällig gestellt werden, wo also Einlagen abgezogen werden. Wie wahrscheinlich das ist, kann ich nicht beurteilen.

  24. Wirtschaftswurm sagt

    Ja, ihr habt recht, das war ein Denkfehler von mir. Ein negatives Eigenkapital wird nicht zwangsläufig zum Problem für die BuBa. Das negative Eigenkapital ersetzt ja erst einmal nur die Targetforderungen auf der Aktivseite der BuBa-Bilanz, bei den Verbindlichkeiten auf der Passivseite der BuBa muss sich nichts ändern, also auch nichts an der Geldbasis (Banknoten und Einlagen bei der BuBa). Irgendwie kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass man das negative Eigenkapital dann über 140 Jahre allein durch Bundesbankgewinne abbaut. Also wird doch der Bund zumindest einen Teil der Schulden übernehmen?
    Spannend wird’s, wenn nach einem Eurocrash dann die neuen Südwährungen abgewertet haben und sich stabilisieren. Dann würden ja die Gelder, die nur in Deutschland geparkt wurden, um die Krise zu überwintern, wieder abgezogen. Was dann?

  25. Alex Hummel sagt

    Oh, da gibt es schon Möglichkeiten. Das letzte Mal, als solche Negativkapital-Probleme in Deutschland auftraten, damals allerdings nicht nur bei der Bundesbank sondern auch bei den Geschäftsbanken, war 1948 bei der Währungsreform. Damals waren nämlich die Forderungen der Banken gegen das Deutsche Reich wertlos geworden und somit waren sie alle technisch insolvent. Deshalb wurden sog. Ausgleichsforderungen gegen die öffentliche Hand geschaffen – bei denen, wenn ich das recht verstehe keine Pflicht zur Tilgung bestand, nur Zinszahlung. Näheres gibt es z.B. im Wikipedia – http://de.wikipedia.org/wiki/Ausgleichsforderung.

  26. Alex Hummel sagt

    @Teufel

    Es ist technisch unmöglich die Verbindlichkeiten der Bundesbank „fällig zu stellen“, denn die Bundesbank, wie auch andere Zentralbanken, ist nur verpflichtet eine Verbindlichkeit durch gesetzliche Zahlungsmittel zu begleichen. Und gesetzliche Zahlungsmittel sind … Verbidlichkeiten der Bundesbank. Also ist die Bundesbank ist nur dazu verpflichtet seine Verbindlichkeiten gegen gleichwertige Verbindlichkeiten umzutauschen, z.B eine 20 EUR Note gegen zwei 10 EUR Noten.

    Ich bin im Internet einmal auf einen lustigen Fall aus dem Jahr 1948 oder so gestoßen, kann die Seite leider nicht mehr finden. Ein Amerikaner hatte einen Brief an die FED geschrieben und diesem Brief eine 20-Dollar-Note beigelegt. Er wollte von denen dass sie ihm stattdessen den gleichen Betrag in „lawful money“ auszahlen, wozu sie ja verpflichtet waren, wie es damals auf allen Dollarnoten stand. Sie haben ihm dann tatsächlich vier 5-Dollar-Noten geschickt. 🙂

  27. Teufel sagt

    Wenn eine Bank bei der BuBa Einlagen hält und diese abstößt, müsste aber die BuBa doch verpflichtet sein, gesetzliche Zahlungsmittel auszuhändigen. Sofern sie auf einen Schlag eine Menge solcher Zahlungsmittel zur Verfügung stellen muss, die die bisherige Planungen übersteigen, muss das Geld gedruckt werden. Dann würde wahrscheinlich eine inflationäre Tendenz einsetzen, sofern man unterstellt, dass die BuBa das in einem Notfall auch machen würde und mehr Banknoten ausgibt, als sie darf… Mich würde nicht wundern, wenn genau das in GR schon lange so abläuft.

  28. Wirtschaftswurm sagt

    @Teufel,
    klar kann eine Bank ihre Einlagen bei der BuBa in Banknoten umtauschen. Aber warum sollte sie das machen? Der Bedarf an Banknoten einer Bank ist durch den Bedarf der Bankkunden bestimmt. Die Bank wird nicht freiwillig mehr Banknoten halten, als die Kunden brauchen.
    Die Bank könnte überschüssige Einlagen bei der BuBa allerdings zu einer normalen Geschäftsbank abziehen, wo sie Zinsen bekommt. Die Bank, bei der die Einlagen steigen, muss dafür nur eine Mindestreserve bei der BuBa halten. Die Geldbasis wird dadurch also sogar verringert. Vorher zählte die gesamte Summe zur Geldbasis, jetzt nur die Mindestreserve.

  29. Teufel sagt

    Dadurch erhöht sich nur die Verfügbarkeit von Geldscheinen, nicht die Geldmenge. Aber wenn mehr Geldscheine verfügbar sind und keiner sie zur Bank bringt, wird sich die Umlaufgeschwindigkeit auch erhöhen.

  30. Blinse sagt

    Also, nun wirds aber zu bunt (für mich). Wenn jetzt eine neue Diskussion aufkommt, ob eine Buba mit negativem Eigenkapital agieren kann, oder ob der Staat rekapitalisieren muß (wenn ja, warum nur „…zum Teil“?), dann klink ich mich gedanklich erst mal aus, weil ichs nicht mehr verstehe. Wenn die T2-Forderungen im schlimmsten Falle wegbrechen, hat es ja nun eindeutig buchhalterische Auswirkungen in der Bilanz. Und das ist für die Volkswirtschaft des Landes dann egal? Schade, dickes Fragezeichen gibts auf meiner Tastatur nicht.
    Noch ne Frage: Wie sicher ist es eigentlich, daß sich im worst case an den Aufteilungsschlüssel gehalten wird. Bei DER Stimmung in Europa, könnte es da nicht sein, daß man uns eine lange Nase zeigt und wir auf den leeren Forderungen gänzlich sitzenbleiben?

  31. Wirtschaftswurm sagt

    @Blinse,
    ja, ich glaube, wir sind hier an einem Punkt, wo ich einen neuen Artikel zum Thema schreiben muss. Nächste Woche!

  32. Alex Hummel sagt

    @Teufel
    Ich glaube es ist aus meinem vorherigen Post nicht klar geworden – deshalb möchte ich es noch einmal betonen – gesetzliche Zahlungsmittel sind Verbindlichkeiten der Zentralbank und vice versa. Daher macht es für eine Zentralbank keinen Unterschied, ob eine Geschäftsbank ihre Einlagen in Banknoten umtauscht – denn beides sind ihre Verbindlichkeiten. Die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten (Passivseite der Bilanz) ändert sich durch diesen Vorgang nicht.

    @Wirtschaftswurm
    Ihre Aussage ist leider falsch. Wenn eine Geschäftsbank A ihre Einlagen zu einer Geschäftsbank B transferriert bedeutet das technisch, dass die Summe vom Zentralbankkonto der Geschäftsbank A zum Zentralbankkonto der Geschäftsbank B transferriert wird und die Geschäftsbank A dafür auf ihrem Konto bei der Geschäftsbank B den entsprechenden Betrag gutgeschrieben bekommt. Die Geldbasis (und damit auch die Passivseite der Zentralbankbilanz) ändert sich durch diesen Vorgang nicht.

    Im allgemeinen gibt es nur zwei Möglichkeiten, durch welche Geschäftsbanken die Geldbasis beeinflussen können:
    1. Kreditaufnahme bzw. Kreditzurückzahlung bei der Zentralbank
    2. Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren an die Zentranbank (bei der EZB nicht möglich)

    In beiden Fällen muß die Zentralbank natürlich mitspielen, wozu sie nicht verpflichtet ist – und ihre Entscheidung nennt man Geldpolitik.

    Und um das Ganze abzuschließen:

    Der Begriff „Einlagen abziehen“ bedeutet, dass die Kunden einer Geschäftsbank die Verbindlichkeiten dieser Bank (z.B. Girokonteneinträge) gegen etwas umtauschen, was NICHT die Verbindlichkeit dieser Geschäftsbank ist, meistens ist es dann Bargeld oder die Verbindlichkeit einer anderen Geschäftsbank. Durch diesen Vorgang verkürzt sich die Bilanz der Bank. Diese Möglichkeit gibt es bei einer Zentralbank heutzutage nicht – daher hat der Begriff „Einlagen abziehen“ keine Anwendung auf eine Zentralbank. Um dem erneuten Mißverständnis vorzubeugen wiederhole ich an dieser Stelle noch einmal: Banknoten sind Verbindlichkeiten der Zentralbank und werden auf der Passivseite ihrer Bilanz aufgeführt.
    Das war früher übrigens anders, man konnte die Verbindlichketen der Zentralbank (Banknoten) gegen Gold umtauschen – aber diese Zeit ist seit mindestens 40 Jahren vorbei.

  33. peter sagt

    Sehr interessant, welche Diskussion ich mit meiner naiven Frage losgetreten habe. es beruhigt mich, dass ich die Zusammenhänge nicht vollständig verstehe, wenn es sogar unter Fachleuten so intensiven Diskussionsbedarf gibt ;-))

    Wenn ich die Diskussion richtig verstehe kann es je nach Sichtweise oder Meinung u.U. keine (zumindest gravierende) Auswirkungen haben, wenn die T2-Forderungen wegbrechen.

    ich bin dann mal gespannt wie die Diskussion dann nächste Woche weitergeht.

    Vielen Dank!

  34. Wirtschaftswurm sagt

    @Alex Hummel,
    ja, Sie haben vollkomen recht. Ich sollte nicht so spät abends posten. Das Geld gelangt auf das Zentralbankkonto der Geschäftsbank B und bleibt insoweit vollständig Geldbasis.

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