Wirtschaftswurm-Blog

Die Eurokrise mit Euros bekämpfen

Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist wider den gesunden Menschenverstand.

Eurotower in Frankfurt/ Main, Sitz der EZB

Eurotower in Frankfurt/ Main, Sitz der EZB

Am 21. Dezember gab die EZB den Banken Geld in Höhe von 489,2 Milliarden € für drei Jahre zu einem Zinssatz von 1 %. Ein ähnlicher Dreijahrestender soll Ende diesen Monats erneut ausgegeben werden. Die Banken dürfen unbegrenzt zuschlagen, sofern sie bei der EZB Sicherheiten hinterlegen. Und selbst die Anforderungen an die Sicherheiten werden heruntergeschraubt.

Wir erinnern uns: Vor der Finanzkrise nahm die EZB nur Papiere als Pfand an, die ein Rating von mindestens A- aufwiesen, also aller Voraussicht nach sicher sind. Im Oktober 2008 wurde dann die Anforderungen auf  BBB- gesenkt. Am 10. Mai 2010 schließlich wurden die Anforderungen für Papiere, die vom griechischen Staat garantiert werden, ganz gestrichen, später auch für Papiere, die durch Irland und Portugal garantiert werden.

Das scheint immer noch nicht zu reichen. Während die EZB heute den Leitzins unverändert ließ, hat sie es den nationalen Zentralbanken ermöglicht, die Standards für die Kreditvergabe weiter zu senken. Einzelheiten sind noch nicht bekannt, im Vorfeld hieß es aber bereits, dass die nationalen Zentralbanken nun Papiere annehmen dürfen, die das Rating BB haben. Damit bezeichnet man unsichere, spekulative Anlagen.

Als er noch Chefvolkswirt der EZB war, behauptete Jürgen Stark, die Risiken, die sich aus der laxen Geldpolitk der EZB ergeben, seien beherrschbar und können genau kontrolliert werden. Später scheinen ihm daran wohl Zweifel gekommen zu sein. Zumindest trat er von seinem Amt zurück.

Ein anderer Chefvolkswirt, Thomas Mayer von der Deutschen Bank, geißelt inzwischen seine Branche für das, was er Kontrollillusion nennt, öffentlich. Damit meint Mayer den Glauben der Banken, die Risiken ihrer Aktivitäten genau beziffern und steuern zu können. Seine Worte gelten sicher nicht nur für die Geschäftsbanken. Auch die EZB sollte sie sich zu Herzen nehmen. Letzlich steht der Steuerzahler für sie gerade.

Dass die EZB die Geldschleusen so weit öffnet, dient allein der Stützung der Banken. Und wenn die Krise allein eine Bankenkrise wäre, könnte die EZB damit Erfolg haben. Die Krise ist jedoch von einer Bankenkrise längst zu einer Eurokrise im eigentlichen Sinne des Wortes geworden. Damit meine ich: Die Menschen in den Peripherieländern der Eurozone zweifeln daran, dass der Euro für ihre Wirtschaft gut ist, und sie zweifeln darum daran, dass der Euro ihre Währung bleiben wird. Zumindest sorgen sie vor und legen ihr Geld darum in sichereren Ländern an, insbesondere in Deutschland.

Wenn jedoch das Vertrauen in den Euro dahin ist, werden auch noch so viele Euros nichts mehr nutzen. Es ist unmöglich, die Eurokrise durch mehr Euros zu bekämpfen. Feuer bekämpft man auch nicht mit Feuer. Das leuchtet dem gesunden Menschenverstand ein, den auch Volkswirte ab und zu gebrauchen sollten.

6 Kommentare

  1. „Es ist unmöglich, die Eurokrise durch mehr Euros zu bekämpfen.“ Natürlich ist das möglich, insbesondere das von Ihnen angesprochene Problem lässt sich so bekämpfen: „Die Menschen in den Peripherieländern der Eurozone zweifeln daran, dass der Euro für ihre Wirtschaft gut ist, und sie zweifeln darum daran, dass der Euro ihre Währung bleiben wird.“ Wenn nur genug Euro gedruckt werden, dann das ist gut für die Wirtschaft der Peripherieländer, wo der Euro dann auch die Währung bleiben kann. Wir sollten ganz offen sagen, wer ein Problem damit hätte, nämlich gerade wir Deutschen bzw. die Gläubiger, nicht die Schuldner.

    „Feuer bekämpft man auch nicht mit Feuer.“ Auch das trifft nicht zu. Um einen Flächenbrand einzudämmen, kann man durchaus Feuer einsetzen. Man verbrennt gezielt einen Streifen Land, auf dem nichts Brennbares zurückbleibt, so dass das zu bekämpfenden Feuer ihn nicht überschreiten kann.

  2. Wirtschaftswurm sagt

    Ok, streng genommen haben Sie natürlich in beiden Fällen Recht. Im Moment ist es aber (noch nicht?) offizielles Ziel der EZB, die Südländer mit Euros zu fluten. Ziel ist es, den Bankensektor dort zu stabilisieren.

  3. Wirtschaftswurm sagt

    Noch eine Ergänzung @Wirtschaftsphilosoph: Zumindest in Griechenland ist der Vertrauensverlust in den Euro meiner Meinung nach schon so weit, dass auch eine Flutung des Landes mit Geld nicht mehr helfen würde. Neues Geld würde einfach ins Ausland geschafft.

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