Jahr: 2011

Wirtschaftswachstum mal langfristig (2000-2010)

Der Blick auf langfristige Entwicklungen kann manche Irrtümer gerade rücken. Darum habe ich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 25 Staaten im Zehnjahreszeitraum 2000-2010 berechnet. Achtung! Dieser Artikel ist veraltet. Es gibt einen aktualisierten und erweiterten Artikel: Wirtschaftswachstum und Lebensstandard langfristig gesehen (2004-2014)

Muss Bankenrettung immer teuer sein? – Lösung „good bank“

Durch die Gründung von „good banks“ kann man gesunde Banken schaffen, ohne dass es den Steuerzahler im Regelfall etwas kostet. Bevor ich aber auf das Modell „good bank“ komme, zunächst ein Nachtrag zu meinem Artikel über die Fremdkapitalumwandlung. Mathias Täge machte mich über Twitter auf die Schweizer Diskussion aufmerksam. Eine Fremdkapitalumwandlung per Gesetz wurde dort verworfen, weil man Angst vor Klagen ausländischer Anleihehalter in ihrem Heimatland hatte. Z. B. könnten US-Gerichte die Regelungen zur Fremdkapital-umwandlung nicht anerkennen und Klägern in Amerika ermöglichen, sich durch die US-Niederlassungen der Banken entschädigen zu lassen. Wenn die Fremdkapitalumwandlung allerdings in ganz Europa umgesetzt würde, träfen die Klagen genügend US-Niederlassungen europäischer Banken, um das US-Bankensystem zu erschüttern. Wir können also davon ausgehen, dass die dortige Regierung eingreifen wird und die US-Niederlassungen rettet. Ein bisschen diplomatischer Druck sollte das seine dazu beitragen. Nun aber zum Modell „good bank“, das von Willem Buiter und anderen vorgeschlagen wurde. Ausgangspunkt unserer Diskussion soll wieder unsere fiktive Bank in Schieflage mit folgender Bilanz sein: Aktiva (Mittelverwendung) in Milliarden € Passiva (Mittelherkunft) in Milliarden € sichere …

Muss Bankenrettung immer teuer sein? – Lösung Fremdkapitalumwandlung

Bankenrettung muss dem Steuerzahler nichts kosten. Bevor die Bankeinlagen in Gefahr sind, kann man auf das andere Fremdkapital der Bank zurückgreifen. Im ersten Teil dieser Artikelserie zur Bankenrettung („Ein Beispiel – zwei Wege“) bin ich auf die Gründung einer Auffangbank („bad bank“) und auf die staatliche Rekapitalisierung einer Bank eingegangen. Dies sind zwei erprobte Wege, um das Vertrauen in eine Bank zurückzugewinnen, beide allerdings im Normalfall gleich teuer für den Steuerzahler. Im Falle einer Rekapitalisierung erhält er dafür wenigstens einen großen Anteil an der Bank, den der Staat später wieder versilbern kann. Es gibt jedoch auch andere Lösungen. Diejenigen, die bereits gespannt auf das angekündigte „good bank“-Modell warten, muss ich aber auf nächste Woche vertrösten. Denn wenn wir uns die (vereinfachte) Bilanz unserer fiktiven Bank in Schieflage noch einmal ansehen, drängt sich zunächst eine andere Lösung auf. Es gibt dort nämlich den Posten „anderes Fremdkapital“. Aktiva (Mittelverwendung) in Milliarden € Passiva (Mittelherkunft) in Milliarden € sichere Anlagen 150 Einlagen 120 faule Anlagen 50 anderes Fremdkapital 70 Eigenkapital 10 Summe 200 Summe 200 Um das niedrige …

Muss Bankenrettung immer teuer sein? Ein Beispiel – zwei Wege

Zwei Wege der Bankenrettung wurden bisher international ausprobiert: Die Auslagerung fauler Wertpapiere in eine „bad bank“ und die Rekapitalisierung. Der Vergleich anhand eines fiktiven Beispiels. Nicht zuletzt dank der Occupy-Bewegung steht das Finanzystem wieder im Zentrum der wirtschaftspolitischen Diskussion. Das ist gut so. Die Frage, wie wir das Finanzsystem funktionsfähig erhalten, ist nach wie vor so dringend wie ungelöst. Ohne Banken geht es allerdings nicht. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die Ersparnisse durch die Vergabe von Krediten in volkswirtschaftlich sinnvolle Projekte zu lenken. Zumindest diesen systemrelevanten Teil der Banken müssen wir retten. Ausprobiert wurden dazu bisher zwei Wege: die „bad bank“ sowie die Rekapitalisierung von Banken. Weitere Vorschläge behandele ich in zwei Folgeartikeln, nämlich einen zur Fremdkapitalumwandlung und einen zur „good bank“, die jüngst auch von Kantoos favorisiert wurde. Vergleichen wir die beiden ersten Modelle anhand einer fiktiven Beispielbank mit einer Bilanzsumme von 200 Milliarden €, also eine kleine Großbank. Wir gehen ferner davon aus, dass das Vertrauen in die Bank und damit ihre Funktionsfähigkeit gesichert ist, wenn sie für ihre sicheren Anlagen 5 % …

Ich bin Euroskeptiker und stolz darauf

Manche würden gerne „Euroskeptiker“ zu einem Schimpfwort machen. Sie liegen genauso schief, wie die Banken, die Griechenlandanleihen im Depot halten. Immerhin ist der Skeptizismus eine Jahrtausende alte, angesehene philosophische Tradition. Und die moderne Skeptikerbewegung hinterfragt kritisch Behauptungen ohne abgesicherte empirische Basis. Moderne Skeptiker entlarven Astrologen, Spiritisten, Gespensterseher und Untergangspropheten. Es mag richtig sein: Da letztlich alles bezweifelbar ist, kann Skeptizismus krankhaft werden. Wer in der Welt zurecht kommen will, darf sich darum nicht vom unvermeidbaren Restzweifel beeindrucken lassen. Das macht die Skepsis gefährlich, auch für den Skeptiker selbst. Das ändert aber nichts an ihrer Bedeutung. Denn skeptischer Zweifel bleibt der notwendige erste Schritt auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen. Das Gegenteil von Skepsis ist Dogmatismus. Wer von Skeptikern in einem verächtlichen Ton spricht, offenbart damit nur seine antiaufklärerischen Bestrebungen. Das gilt auch für diejenigen, die meinen, andere durch das Wort „Euroskeptiker“ beschimpfen zu können. Was ist eigentlich so unvernünftig daran, dass man bezweifelt, die Pleite eines kleinen Landes wie Griechenland könne eine Weltwirtschaftskrise auslösen? Immerhin gab es in der Geschichte schon viele Staatspleiten und die …

Eurorettung – die nächste Runde

Der Fall der Dexia-Bank offenbart vor allem die Vergeblichkeit der Rettungsschirm-politik seit Mai 2010. Entscheidend sind nun die Bedingungen, unter denen die Banken rekapitalisiert werden sollen. Es ist keine drei Monate her, da vermittelte die europäische Bankenlandschaft den Anschein einer intakten Ökonomie. EU-Binnenmarktkommissar Olli Rehn meinte, die große Mehrheit der europäischen Banken sei inzwischen deutlich stabiler aufgestellt als früher. Wolfgang Schäuble sprach von der Krisenfestigkeit der Branche. Auch Journalisten wie Stefan Kaiser von SPON glaubten, man werde das Ziel erreichen, „den europäischen Bankensektor stabiler zu machen.“ Anlass für die Vertrauensbekundungen von Mitte Juli war der Bankenstresstest, an dem 91 wichtige Banken der EU teilnahmen und bei dem nur acht Banken durchfielen. Auch die belgisch-französische Dexia bestand den Test. Die steht jetzt vor der Insolvenz und wird verstaatlicht. Und es „gehört keine besondere prophetische Gabe zu der Vorhersage, dass die Dexia-Bank nur der Anfang ist“, schreibt Dirk Elsner im Blicklog. Der Fall Dexia zeigt, dass der Bankenstresstest 2011 für die Banken lediglich leichte Nadelstiche statt eines kräftigen Kinnhakens simulierte. Der Fall Dexia offenbart aber vor allem …

Blogzahlen

In meinem letzten Quartalsbericht Anfang Juli gab ich mich ja skeptisch, ob www.wirtschaftswurm.net in den Sommermonaten eine weitere Steigerung der Besucherzahlen erreichen kann. Die Zuspitzung der Eurokrise ab Anfang August spülte dann allerdings eine Rekordzahl an Lesern in mein Blog. In den drei Monaten Juli, August und September verzeichnete www.wirtschaftswurm.net 11.838 Besuche oder 48 % mehr als im Vorquartal. Die Zahl der Seitenaufrufe stieg um 49 % auf 16.905. Schön, dass auch die durchschnittliche Verweildauer leicht stieg. Ich habe mich angepasst und bin auf ein besseres (und leider auch teureres) Webhosting-Paket umgestiegen. Glaubt man den Google-Tools hat sich das jedoch gelohnt. Die Ladezeit von www.wirtschaftswurm.net ist danach 40 % schneller geworden. Welche Artikel sorgten nun für den Besucheransturm? Am meisten gelesen wurde „Kein Weg aus der Finanz- und Schuldenkrise ohne Umverteilung“ mit 2.093 Seitenaufrufen. Auf den Plätzen folgten: „Wie sich Europa im Euro-Rettungsschirm verheddert und fällt“ mit 903 Seitenaufrufen, „Wie viel kostet der Euroaustritt wirklich?“ mit 759 Seitenaufrufen, „Was das Bundesverfassungsgerichtsurteil nicht sagt“, „Wie Europa fällt – eine Rechtfertigung“, „Der Euro-Rettungsschirm – über Recht und …

Gibt es eine Zukunft mit Karl Marx?

In Kapitel 7 und 8 seines Buches „Wo Marx Recht hat“ (Partnerlink) geht Fritz Reheis Fragen über Fortschritt, Revolution und über ein Wirtschaftssystem „jenseits des Kapitalismus“ nach. Wie in den anderen Teilen seines Buches gelingt es ihm auch hier nicht, von Karl Marx‘ Aktualität zu überzeugen. Fritz Reheis stellt sicher völlig zurecht fest, dass durch das Scheitern von Marxisten in Russland und anderswo noch nicht die Thesen von Karl Marx selbst widerlegt wurden. Vielleicht war einfach noch nicht die Zeit reif für den Aufbau eines Sozialismus? Aber wann ist die Zeit reif? Folgt man Marx müssen die Produktivkräfte (also der Stand der angewandten Technik) sich so weit entwickelt haben, dass die Produktionsverhältnisse (also das kapitalistische Wirtschaftssystem) demgegenüber als anachronistischer Bremsklotz erscheint. Der Kapitalismus werde dann an seinen inneren Widersprüchen scheitern. Interessant ist nun Reheis These, dass mit der Solarwirtschaft einerseits und der digitalen Technologie andererseits inzwischen zumindest zwei technologische Voraussetzungen für eine Überwindung des Kapitalismus vorliegen. Um im folgenden bei der digitalen Technologie zu bleiben: Tatsächlich scheint die leichte Kopierbarkeit digitaler Inhalten über durch Netze …

Wo hat Marx Recht?

Es ist wohl kein Zufall, dass man in Krisenzeiten wie heute neue Orientierung an alten Denkern sucht. Und so habe ich mir mal Fritz Reheis aktuelles Buch „Wo Marx Recht hat“ (Partnerlink) zur Hand genommen. Auf etwa 200 Seiten und in neun Kapiteln stellt Reheis einzelne Elemente von Marx‘ Theorie vor, die, wo seiner Meinung nach Marx Recht hat. Er beginnt jeweils mit aktuellen Geschehnissen, schlägt dann die Brücke zu Marx‘ Theorie und ergänzt diese in der Regel durch die Überlegungen einiger neuerer Denker, die sich auf Marx berufen konnten. Reheis ist das nicht einfache Unterfangen geglückt, Marx‘ Theorien verständlich darzustellen. Das Buch eignet sich gut als Marx-Einführung oder zur Wiederbelebung seines Marx-Wissens. Grundlegend neue Sachen zu dem, was auf Seiten der Linken ohnehin diskutiert wird, darf man aber von Reheis nicht erwarten. Das Buch bleibt im Rahmen einer Marx-Interpretation. Der Versuch, die Aktualität von Karl Marx deutlich zu machen, scheitert dabei meiner Meinung nach. Nach Lesen der ersten fünf Kapitel stellt sich bei mir mehr und mehr der Eindruck ein: Karl Marx ist doch …

Eurobonds – clever, aber kein Allheilmittel

Eurobonds (wenn sie richtig konstruiert werden) sind besser als die gegenwärtigen Euro-Rettungsschirme. Ein Pleite Griechenlands und seinen Austritt aus der Eurozone könnten sie trotzdem nicht verhindern. Meine Ablehnung von Eurobonds hier im Blog war ja (zumindest für meine Verhältnisse) recht verhalten. Es ist unbestritten, dass Eurobonds sogenannte Synergieeffekte bringen. Wenn die Staaten der Eurozone sich zusammentun, um gemeinsam Schulden aufzunehmen und gemeinsam dafür zu haften, müssen Staaten wie Italien bedeutend weniger Zinsen zahlen, während Staaten wie Deutschland nur geringfügig mehr zu zahlen haben. Zumindest per Saldo ein Plus. (Und umsonst kommen die „Nordstaaten“ aus der ganzen Eurogeschichte sowieso nicht mehr raus.) Interessant im Zusammenhang mit Eurobonds ist ein Vorschlag, der ursprünglich am Brüsseler BRUEGEL-Institut entwickelt wurde und den z. B. auch die Jungs von FTD Wunder aufgegriffen haben. Er beinhaltet „blaue“ Eurobonds und „rote“ nationale Anleihen. Die roten, nationalen Anleihen werden nachrangig bedient. Wenn also ein Staat Liquiditätsprobleme hat, muss er zuerst die Zahlungen für die roten Anleihen einstellen, die blauen aber weiterhin bedienen. Die blauen Eurobonds dürfen nur bis zu einer Marke von 60 …

Ich kann dieses Gelaber vom Marktversagen nicht mehr hören

Denn genau die Leute reden vom Marktversagen und rechtfertigen damit riskante Markteingriffe, die in der Vergangenheit noch mehr versagt haben, als die Märkte selbst. Beispiel: Die EZB und ihre Aufkäufe südeuropäischer Staatsanleihen. Natürlich gibt es Marktversagen, sogar häufig und mit fatalen Konsequenzen. Wir leben in einer unvollkommenen Welt, in unvollkommenen Gesellschaften und mit unvollkommenen Märkten. Das ist eine Banalität, selbst für Wirtschaftswissenschaftler. Die Volkswirtschaftslehre verwendet den Begriff des Marktversagens seit 1958. Und seitdem hat man immer mehr Fälle gefunden, in denen der Markt eine schlechte Arbeit beim Zusammenführen von Angebot und Nachfrage liefert. Seit Mitte der 90er Jahre wird dabei auch verstärkt über die Finanzmärkte diskutiert. Unter dem Titel „Herd Behaviors, Bubbles and Crashes“ entwickelte damals Thomas Lux im „Economic Journal“ die Theorie von der chronischen Instabilität der Finanzmärkte. Anleger folgen demnach häufig einer Art Herdentrieb. Der einzelne richte sich nach der Masse und alle zusammen verursachen so abwechselnd Spekulationsblasen und Börsenpanik. Bis heute unter Volkswirten umstritten ist, wie wichtig das Herdenverhalten auf den Finanzmärkten ist. Der Mainstream hielt es lange Zeit für vernachlässigbar, die …