Ich bin Euroskeptiker und stolz darauf

Manche würden gerne „Euroskeptiker“ zu einem Schimpfwort machen. Sie liegen genauso schief, wie die Banken, die Griechenlandanleihen im Depot halten.

Immerhin ist der Skeptizismus eine Jahrtausende alte, angesehene philosophische Tradition. Und die moderne Skeptikerbewegung hinterfragt kritisch Behauptungen ohne abgesicherte empirische Basis. Moderne Skeptiker entlarven Astrologen, Spiritisten, Gespensterseher und Untergangspropheten.

Es mag richtig sein: Da letztlich alles bezweifelbar ist, kann Skeptizismus krankhaft werden. Wer in der Welt zurecht kommen will, darf sich darum nicht vom unvermeidbaren Restzweifel beeindrucken lassen. Das macht die Skepsis gefährlich, auch für den Skeptiker selbst. Das ändert aber nichts an ihrer Bedeutung. Denn skeptischer Zweifel bleibt der notwendige erste Schritt auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen. Das Gegenteil von Skepsis ist Dogmatismus.

Wer von Skeptikern in einem verächtlichen Ton spricht, offenbart damit nur seine antiaufklärerischen Bestrebungen. Das gilt auch für diejenigen, die meinen, andere durch das Wort „Euroskeptiker“ beschimpfen zu können.

Was ist eigentlich so unvernünftig daran, dass man bezweifelt, die Pleite eines kleinen Landes wie Griechenland könne eine Weltwirtschaftskrise auslösen? Immerhin gab es in der Geschichte schon viele Staatspleiten und die Wirkungen waren immer beschränkt.

Warum sollten keine Zweifel aufkommen, wenn behauptet wird, dass eine Bankenpleite wie die von Lehman verhindert werden müsse, koste es, was es wolle? Immerhin war Lehman nicht die Ursache der Weltwirtschaftskrise 2008/09, sondern das Platzen der Immobilienblase in den USA. Auch könnte es sinnvoller sein, Banken in Schieflage zu isolieren statt zu stützen.

Und warum schließlich darf nicht in Frage gestellt werden, dass der Euro gut für Deutschland war? Immerhin genügt ein einfacher Blick in die eigene Geldbörse, um festzustellen, dass die Nettoreallöhne seit Einführung des Euro nicht gestiegen sind.

Euroskeptizismus hängt nicht davon ab, ob man den eigenen politischen Standpunkt eher rechts oder eher links verortet. Euroskeptizismus ist vielmehr wie jedes Anrennen gegen Dogmen Ausdruck einer unabhängigen und intelligenten Persönlichkeit. Eurodogmatikern fehlt es entweder an der Unabhängigkeit (die Lobby der Export- und der Finanzindustrie lässt grüßen) oder an der Einsicht.

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11 Gedanken zu „Ich bin Euroskeptiker und stolz darauf

  1. dparvus

    EURO- Rebellen?
    Müssen wir zu Eu- Rebellen werden, um ein bischen Demokratie zu behalten?
    Es geht doch nicht mehr um den Euro, der ist, ich sage: – Gott sei Dank! – sowieso kaputt.
    Es geht darum, daß, ich z. B., keine EU will, an die die Mitgliedsstaaten, die Bürger, ihre Rechte abtreten sollen.
    Nach dem Völkerecht brauchen wir z. B. für eine Verfassung, ein Referendum. Das wird uns Deutschen seit 1949 verweigert. Auch jetzt versuchen Merkel u. Co., alles in Richtung Referendum gehende zu unterdrücken, ja sogar langsam aber stetig die representative Demokratie so zu gestalten, daß die Regierung machen kann, was sie will. Die Abgeordneten haben sich längst zu einem Abnickverein degradieren lassen. Das ist unser Problem in diesem Lande. Deshalb Hut ab vor diesen “Rebellen”. Aber bezeichnend und entlarvend ist es schon, wenn Herr Schäffler, Her Bosbach, Herr Gauweiler als Rebellen bezeichnet und auch so behandelt werden, typisch sei an Herrn Pofalla erinnert, der “die Fresse” des Herrn Bosbach nicht mehr sehen wollte.
    Ist das noch Demokratie? Geht man so mit einem Andersdenkenden um?
    Warum glauben Frau Merkel oder Frau von der Leyen so genau zu wissen, was wir, das Volk, wollen? Sie sagen uns dauernd, was wir wollen sollen.
    Ich mache mir weniger sorgen um den Euro, aber große Sorgen um die Demokratie und um ein gut zusammenarbeitendes Europa einzelner, souveräner Staaten, das ich bevorzugen würde.
    Der Euro wird sich von selbst erledigen. dparvus

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  3. Wirtschaftswurm

    Der Euro mag sich von selbst erledigen, unter Umständen aber erst nach einer jahrelangen Siechtumsphase, die uns allen schadet. Das ist meine Befürchtung.

  4. der andere Andreas

    wenn man nun den euro-skeptizismus skeptisch betrachtet stellt man jedoch fest, dass der Euro selber dabei doch nicht das eigentlich problem sondern nur ein weiteres symptom ist.

    wie im beitrag beschrieben ist der deutsche export-fetischismus das dahinterstehende problem. während der export kontinuierlich wächst stagnieren seit ende der neunziger jahre die importe (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/c/c1/Aussenhandel_Deutschland_v2.svg). was damals nicht mit einer abwertenden DMark zu tun hatte.
    auch wurde uns gerhard schröder nicht mit den geboten gottes zur arbeitsmarkt- und sozialreform vom brocken herab gesandt.
    - du sollst den effektiven mindestlohn durch hartz 4 absenken?
    - du sollst einen niedriglohnsektor schaffen?
    - du sollst durch Ich-AGs scheinselbständigkeit und sozialbetrug fördern?
    - du sollst durch abbau von arbeitnehmerrechten lohnverhandlungen blockieren?

    es war nicht der markt, der die gewerkschaften zu dem kläglichen haufen hat verkrüppeln lassen, von dem wir heute kaum noch höhren oder sehen.

    da wurde ganz bewusst politik gemacht und kaufkraft aus dem binnenmarkt genommen um stärker exportieren zu können. hat ja auch funktioniert – zitat aus dem verlinkten beitrag: “Während die Exporte in den Euroraum zwischen 1990 und 1998 nur um 3 % pro Jahr wuchsen, stiegen sie 1999 bis 2003 um 6,5 % und 2003 bis 2007 sogar um 9 % jährlich.”
    der euro wirkt dann hier doch nur noch als zusätzliche exportsubvention.
    wenn man ihn abschafft und trotzdem weiter exportweltmeister sein will wird sich für den kleinen man an der tankstelle nichts bessern…

    wenn man schon skeptisch sein will dann auch ganz!^^ man könnte ja vllt statt dem ziel eines ausgeglichenen haushalts das ziel einer ausgeglichenen außenhandelsbilanz in die verfassung schreiben.
    oder “wohlstand für alle”, wie das mal ludwig erhardt vormuliert hat, der olle kommunist…

    kam ja auch schon im beitrag raus – wollts nur nochmal deutlicher machen :)

  5. Wirtschaftswurm

    Ja, aber das ist ja alles nicht unabhängig vom Euro. Wahrscheinlich hätte Deutschland in den Jahren um 2003 herum eine schwache DM gehabt. Das hätte die Wettbewerbsfähigkeit damals gestärkt und vielleicht Hartz 4 überflüssig gemacht. Heute hätte Deutschland ohne Euro eine starke DM. Damit würde der Exportüberschuss gedämpft und so die Ungleichgewichte innerhalb Europas. Aber natürlich ist der Euro nur ein Faktor.

  6. Pingback: Zahlen zum Jahreswechsel | Wirtschaftswurm

  7. Valorian

    Skeptizismus ist gut, keine Frage. Dogmen in Frage stellen ganz wichtig, wäre uns doch vielleicht in den letzten Jahren Vieles erspart geblieben, wenn man in der VWL nicht alles gedankenlos nachgebetet hätte. Also dem Grundtenor des Artikels stimme ich völlig zu und bin auch froh dass es solche kritischen Skeptiker (wie auch Befürworter) gibt.

    Nun möchte ich aber auch konkret zum Thema “Euro” noch meine Meinung beisteuern:

    Ich werde den Eindruck einfach nicht los, dass die gesamte Euro-Debatte sehr verbissen und einseitig geführt wird, von beiden Seiten. Wieso bitte muss man bei jeder Fragestellung immer sofort entweder klar gegen oder für de Euro Stellung beziehen und ihn entweder unglaublich erfolgreich oder völlig gescheitert nennen? Ich meine etwas Nüchternheit würde der Diskussion sehr gut tun. Bei etwaigen Fehler von anderen Systemen (angefangen von unserer Finanzmarktordnunge bis zur internationaen Währungsordnung oder ganz grundsätzlich der Einheit eines Staates) wird ja auch nicht gleich die Axt angelegt und mit alles oder nichts argumentiert.

    Also Euro:
    Das System hat natürlich grundlegende Fehler.
    - Ohne gemeinsame Finanzmarktaufsicht und gesamteuropäische Einlagensicherung haben wir ständig das Problem von instabilen nationalen Banksektoren die von ihren Regierungen abhängig sind. Das zu entkoppeln wäre einmal ein enorm wichtiger Schritt, dann wärs auch ga nicht schlimm einzelne Staaten pleite gehen zu lassen, man könnte sie sogar im Euro behalten, denn ihr Finanzsystem würde nicht völlig kollabieren.
    - Extreme Leistungbilanzungewichte innerhalb des Systems tun auch gar nicht gut, vor allem wenn sie Immobilienblasen anheizen. Dass dies ohne Euro in Spanien oder Irland nicht passiert wäre, wage ich jedoch stark zu bezweifeln, denn die deutschen Landesbanken schafften es auch in den USA (US-Dollar) viele Milliarden vollkommen sinnfrei zu versenken. Da ist aber durchaus auch Deutschland gefragt seine riesigen Überschusse abzubauen bzw. die Arbeitnehmer am Aufschwung zu beteiligen. Dass dies mit der D-Mark eher passiert wäre bezweifle ich auch eher, da eine starke Mark einen Abbau der Arbeitslosigkeit erschwert hätte und die geplagten deutschen Gewerkschaften sich höchstwahrscheinlich zu weiterer Zurückhaltung überreden hätte lassen. Hartz IV und ähnliche Reformen wären schwer umgehbar gewesen.
    - Wettbewerbsfähigkeit: Wie gesagt, das extreme Auseinanderdriften der Lohnstückkosten ist auf Dauer natürlich ein großes Problem der Euro-Zone, besonders wenn es auch noch einhergeht mit riesigen staatlichen Budgetdefiziten bei bereits bestehenden horrenden Schuldenständen. Nur again: Auf und Abwertung hat auch in Nicht-Euro Zeiten nie dauerhaft ein Problem gelöst, weder der starken noch der schwachen Länder. Die Südländer hatten trotz Abwertungsorgien über Jahrzehnte immer Leistungsbilanzdefizite (de facto “schenkten” die Investoren aus den Starkwährungsländer den südlichen Ländern einfach immer wieder einen Teil ihrer Investments). Und die Starkwährungsländer kämpften dann eben immer wieder gegen ihre starken Währungen an bzw. verloren ihre Auslandsinvestments durch die Abwertung an Wert. Nachhaltig waren letztendlich immer nur vernünftige Strukturreformen und echtes Wirtschaftswachstum (und die dafür nötigen Maßnahmen werden von der Politik nur ergriffen wenn es gar nicht mehr anders geht).
    Fazit (für mich): Wenn es im Euro-System gelingen sollte, diese lang überfälligen Reformen zu beschleunigen (und man kann sich relativ sicher sein, dass bei einer normalen Auf-Abwertungspirale wie z.B. nach dem Zusammenbrechen der Europäischen Währungsschlange in den 90ern, schlussendlich keine wesentlichen Reformen gesetzt worden wären), wäre dies ein sehr wohltuender und positiver Effekt für ganz Europa! Sollte dies nicht gelingen und der Euro tatsächlich in der einen oder anderen Form zusammenbrechen, wäre das glaub ich sehr schmerzhaft und unangenehm für Europa, jedoch vermutlich zu managen, wenn die Verantwortlichen mit viel Planung und einigem Mut (vorübergehende Banken-Verstaatlichung, Kapitalverkehrskontrollen, etc.) vorgehen würden.

    Ich bin nach wie vor ein Euro-Befürtworter, vor allem aus der sehr langfristigen historischen Perspektive (ich bin im Herzen einfach ein Historiker). Aber auch aus der ökonomischen sehe ich noch immer viele Vorteile und auch viele Nachteile, die jedoch alle behebbar oder deutlich zu lindern sind, wenn man es nur will.

    Ich bin aber für Gegenargumente, Skeptiker und eine gute Diskussion immer offen :)!

    Mit freundlichen Grüßen

    Valorian

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  10. Alex Quint

    Ich habe auf meiner Website http://Euro-Skeptiker.de
    Eine ganze Reihe an Informationen gesammelt und stelle diese damit einer interessierten Öffentlichkeit vor.
    Der Euro wird scheitern
    Viele Staaten gehen Pleite
    Die Politiker verstoßen immer wieder gegen geltendes Recht
    Inzwischen gehen fundamentale Rechte des Volkes auf nicht gewählte Gremien über
    Unser Geldsystem ist auch ohne Euro zum scheitern verurteilt
    Uns werden wesentliche informationen vorenthalten
    …..
    Das stelle ich dar, wer also mehr wissen will zum thema, kann ja mal reinschauen.

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