Wirtschaftswurm-Blog

Kosten des schnellen Atomausstiegs: Wie SPON seine Zahlen korrigiert

In meinem ersten Artikel zu den Kosten eines schnellen Atomausstiegs habe ich Spiegel Online vorgeworfen, Kosten, die für einen schnellen Atomausstieg bis 2020 anfallen, und Kosten, die für den ohnehin notwendigen und geplanten Klimaschutz anfallen miteinander zu vermengen. Kurz darauf korrigierte SPON seine Zahlen.

In der neuen Version des Artikels werden die Kosten des schnellen Atomausstiegs mit nur noch 167 Milliarden € statt mit 233 Milliarden € angegeben. SPON begründet die Korrektur damit, dass die zuerst genannte Zahl auch Investitionen für den Wärmebereich beinhaltete, dieser aber für die Frage Atomausstieg irrelevant sei.

Nebenbei sind in der neuen Version des Artikels noch andere Zahlen korrigiert:

  • Statt 13 Milliarden Kosten, die den Verbrauchern im vergangenen Jahr durch Solarenergie angeblich anfielen, sind es nun nur noch 9 Milliarden. Wirtschaftswurm-Leser wissen, dass auch die neue Zahl nicht die Kosten wiedergibt, da auf der anderen Seite die erneuerbaren Energien für nicht berücksichtigte Einsparungen in Höhe von 3,6 bis 4 Milliarden € gesorgt haben.
  • Der prognostizierte Anstieg des Stromhandelsgroßpreis durch die Verteuerung von CO2-Zertifikaten dieses Jahr beträgt nun nicht mehr 2,7 Cent, sondern nur noch 2 Cent pro KWh. Plausibel ist allerdings auch die neue Prognose nicht.

Nun aber zu den 167 Milliarden. Mir ist immer noch völlig schleierhaft, wie diese zustande kommen. Der weitaus größte Kostenblock, der erwähnt wird, sind Investitionen für neue Wind-, Solar-, Biomasse-, Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke: 122 Milliarden €. In der neuen Version ergänzt SPON aber ausdrücklich: „Diese Investitionen wären laut BMU-Szenario ohnehin nötig, um die Klimaschutzvorgaben zu erfüllen.“ Genau das, was ich in meinem ersten Artikel zum Thema geschrieben habe: Diese Kosten haben nichts mit dem Atomausstieg zu tun.

Ähnliches muss man auch für den größten Teil der genannten Kosten für Effizienzsteigerungen und für den Ausbau der Netze unterstellen. Es bleibt dann nicht mehr viel: 14,4 Milliarden € für neue Windkraftwerke an Land und 3,3 bis 4,8 Milliarden für neue Gaskraftwerke. Hinzu kämen die Mehrkosten für deren Betrieb (vor allem Brennstoffkosten).

Wie wäre es mit einer zweiten Korrektur des Artikels bei SPON?

3 Kommentare

  1. Pingback: Kosten des schnellen Atomausstiegs: Wie die von SPON genannten Horrorzahlen zusammenschrumpfen | Wirtschaftswurm

  2. Und Investitionssummen sind keine Kosten. Das sind alles positive Nettobarwert-Projekte. Die gesellschaftlichen Kosten drücken sich ausschließlich über einen höheren Strompreis aus.

  3. Wirtschaftswurm sagt

    Klar ist, dass den Kosten auch Erlöse gegenüberstehen. Diese Erlöse hätte man in den nächsten 20-25 Jahren aber auch mit den alten abgeschriebenen Atomkraftwerken. Insofern ergeben sich aus den Investitionssummen schon zusätzliche Kosten, zumindest für die nächsten 20-25 Jahre. Wenn die AKWs dann sowieso ersetzt werden müssten, würde man dann Investionen einsparen.

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