Wirtschaftswurm-Blog

Inflation ist nicht so billig wie ihre Befürworter

FTD-Kolumnist Lucas Zeise hat keine Angst vor der Notenpresse. Wir anderen sollten uns aber diese Angst bewahren.

Es geht natürlich um die Frage, ob die Zentralbank Staaten finanzieren soll. Aber anders als Zeise behauptet, kann man diese Frage nicht darauf reduzieren, ob die privaten Banken oder die öffentliche Zentralbank die Zinsgewinne daraus einstreicht.

Es ist schon richtig: Die Banken können die Staatsanleihen, die sie im Depot halten, als Sicherheit bei der EZB hinterlegen und bekommen dafür Geld (auf Kredit), mit der sie neue Staatsanleihen kaufen können, die sie ebenfalls als Sicherheit hinterlegen können usw. So betrachtet, liegt die Frage nahe, warum die Zentralbank dann nicht direkt die Anleihen selbst kauft?

Das ist allerdings allzu kurzsichtig gedacht. Die europäische Schuldenkrise entstand gerade erst dadurch, dass die privaten Banken mithilfe von Staatsanleihen leicht Geldschöpfung betreiben konnten. Die Banken mussten ihre Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital absichern. Das erst ermöglichte es ihnen, das große Rad mit Staatsanleihen zu drehen. Und das wiederum ermöglichte es Griechenland, sich hemmungslos zu verschulden.

Lucas Zeise zeigt sich in seinem Kolumnenartikel als Anhänger Orwellschen Doppeldenkens. Er kritisiert die privaten Banken für ihre Praxis und fordert gleichzeitig die EZB auf, diese kritisierte Praxis zu übernehmen. Das dadurch neu in Umlauf gebrachte Geld würde aber (früher oder später) zu Geldentwertung oder einer neuen Finanzblase führen.

Die richtige Lösung ist eine andere: Die Eigenkapitalanforderungen an die Banken müssen erhöht werden, insbesondere sollten Banken auch Staatsanleihen nicht 100 % auf Pump kaufen dürfen. Das würde die Banken in ihre Schranken verweisen und es langfristig zumindest stark erschweren, dass eine neue Staatsschuldenkrise entsteht. Außerdem sollte die EZB es einfach ablehnen, Schrottanleihen als Sicherheit anzunehmen, auch wenn ein europäischer Staat sie ausgegeben hat. Klar, das wäre der kalte Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone, da kaum noch Euros nach Griechenland flössen. Aber offensichtlich muss man die Griechen zu ihrem Glück zwingen.

In einem hat Zeise aber recht. Ein radikaler Schwenk in der Einkommensverteilung tut not.

7 Kommentare

  1. Stephan sagt

    Aha. Wirtschaftswurm leidet mal wieder unter Inflations-Phobie. Vor dem Euro musste für die Staatsanleihen im Portfolio der Privatbanken auch nicht Eigenkapital hinterlegt werden. Nach der Theorie von Wirtschaftswurm müsste Europa seit über 50 Jahren von einer Schuldenkrise in die nächste Schuldenkrise stolpern. Dieser Beitrag ist ein schöner Beleg für die Behauptung von Johannes Pennekamp:

    Was die Deutschen über die EZB wissen

  2. Wirtschaftswurm sagt

    Früher agierten die Banken konservativer, da war eine solche Regulierung wohl nicht notwendig. Ich möchte auch nicht behaupten, dass es ohne EK-Nachweis für Staatsanleihen zwingend zu einer Staatsschuldenkrise kommen muss, aber der mangelnde EK-Nachweis hat sie gefördert.

  3. Orwellsches Doppeldenken?

    Hier ist dochwohl der offensichtliche Unterschied, dass die Zinsen der Anleihen, sollten private Banken Anleihen kaufen, den privaten Aktionaeren und raeuberischen Managern zu Gute kommen, wenn die EZB die Anleihen kauft die Zinsen der Allgemeinheit zu Gute kommen.

    Grosses Rad mit Staatsanleihen zu drehen? Was soll bitte der Quatsch. Staatsanleihen sind die sicherste Anlageform in die man investieren kann – generell. Das muss natuerlich verteidigt werden, was die EZB ja auch versucht, aber die Bundesregierung versucht zu torpedieren. (Indem sie nicht fordern griechische Steuerfluechtlinge zu besteuern, und dann sich dumme Ideen wie „freiwillige Glaebigerbeteiligung“ sich ausdenken.)

    Und wenn eine Ausweitung der Geldmenge unweigerlich zu Inflation fuehrt, koennte man natuerlich versuchen, diese Geldmenge wieder durch Steuern einzutreiben. Da sollte man dann die besteuern, die sich hier weigern Anleihen zu kaufen, Banken, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds, reiche Privatanleger und solche, die gegen die Anleihen spekulieren, die CDS Besitzer. Eine Besteuerung zieht das Geld wieder ab, das durch Anleihenkaeufe in die Wirtschaft gepumpt wuerde.

  4. Wirtschaftswurm sagt

    Sofern die Banken das Risiko tragen, dürfen sie mMn auch den Gewinn bekommen. Im Moment ist natürlich diese Bedingung nicht erfüllt. Aber dann sollte man dies ändern, z. B. indem man nicht Banken rettet, koste es, was es wolle, sondern das Good-bank-Modell durchführt.
    Die Geldmenge durch Steuern zu senken, funktioniert natürlich nur, wenn der Staat das Geld nicht wieder ausgibt. Es würden spezielle staatliche Konten eingerichtet, die dann entwertet würden. Und was ist das? Richtig, eine Währungsreform.
    Nein, dann kann man die Steuern doch besser sofort erheben, dazu braucht man doch nicht erst eine Inflation.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 15. November 2011 | Die Börsenblogger

  6. Genau wie eine Ausweitung des Kreditvolumens (privat und Staat) neues Geld schoepft, genauso wird die Geldmenge verkleinert wenn Schulden (privat und Staat) zurueckgezahlt werden. Da braucht nichts entwertet werden. Es muessen halt nur die Schulden zurueckgezahlt werden.

    Natuerlich koennte man Steuern auch direkt erheben, aber man macht es ja nicht. Indem man die EZB Staatsanleihen kauft, um erst mal die Anleihenrenditen unten zu halten kommt neues Geld in den Umlauf. Oder die EZB druckt einfach Geld um Staatsschulden abzuzahlen. Jetzt sorgt man sich, vielleicht zu Recht, um Inflation. Dann erhebt man ganz gezielt Steuern, um von vornherein zu verhindern, dass die Inflation ueberhaupt auftritt. Nun hat der Staat einen triftigen Grund Steuern zuerheben, der ihm vorher fehlte.

  7. Wirtschaftswurm sagt

    Ok, stimmt, wenn die Zentralbank das Geld zurückbekommt, sinkt die Geldmenge automatisch. Soweit die Theorie. Die Praxis z.B. in Italien bis in die 80er Jahre sah aber anders aus.

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