Ich mache Urlaub …
und darum gibt es diese Woche keine neuen Artikel von mir.
und darum gibt es diese Woche keine neuen Artikel von mir.
Zumindest in den USA ist das Bewusstsein sehr hoch, dass die strukturellen Ungleichgewichte im Welthandel nach dem Motto Deutschland, China und Japan produzieren, die USA konsumieren, nicht dauerhaft tragbar sind. Darum kommen auch von dort neue Vorschläge, um die Ungleichgewichte zu beheben: US-Finanzminister Timothy Geithner ließ im Vorfeld des Treffens der Finanzminister der G-20 verlauten, alle Staaten sollen sich verpflichten, ihren Leistungsbilanzüberschuss- oder ihr Leistungsbilanzdefizit auf 4 % des BIPs zu begrenzen. Die deutsche Ablehnung dieses Vorschlags erfolgte reflexhaft und vorhersehbar. Schließlich ist nach Geithners Vorstellung Deutschland ein Leistungsbilanzsünder. Dieses Jahr wird laut IWF Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss voraussichtlich bei 6,1 % des BIPs liegen. Andere Leistungsbilanzsünder sind z. B. China (4,7% Überschuss des BIPs) sowie (allerdings mit einem Defizit) Griechenland und Portugal mit -10,8 bzw. -10,0 %. Nun ist Geithners Vorschlag sicherlich noch unausgegoren. Zum einen ist es zu kurzfristig ausgerichtet, wenn man immer nur die Leistungsbilanz eines Jahres betrachtet. Sinnvoller wäre es, Fünf- oder Siebenjahreszeiträume zu nehmen. Zum anderen bleibt offen, mit welchen politischen Mitteln die Leistungsbilanz gesteuert werden soll. Der US-Finanzminister denkt wohl hauptsächlich an die Wechselkurspolitik. …
Die Rechnung des Basler Instituts für Gemeingüter und Wirtschaft ist überzeugend einfach. Die Deutschen haben ein Vermögen von 8,2 Billionen €, angelegt etwa auf Sparkonten, in Aktien oder in Immobilien. Auf der anderen Seite beläuft sich die deutsche Staatsverschuldung (Bund, Länder und Kommunen zusammen) auf 1,72 Billionen €. Einfache Prozentrechnung ergibt: Eine Vermögensabgabe von insgesamt 20,7 % reicht aus, um die gesamten Staatsschulden auf einen Schlag zu tilgen. Völlig utopisch? Sicherlich kann man die Schulden nicht auf einen Schlag tilgen, da die Anleihen, die der Staat herausgegeben hat, festgelegte Fälligkeiten haben. Aber 1,62 der 1,72 Billionen € werden in den nächsten zehn Jahren fällig. Das Projekt „Tilgung der Staatsschulden“ muss man somit als 10-Jahres-Projekt auslegen. Das macht es zudem möglich, auch die Vermögensabgabe auf 10 Jahre zu strecken. Immobilienbesitzer sollten dann kein Problem haben, die Abgabe aus ihren Mieteinnahmen zu bestreiten. Die Basler zumindest trauen den Deutschen so viel Gemeinschaftsgefühl zu, dass sie bereit sind, ein Großprojekt Schuldentilgung zu stemmen. Das „soziale Kapital“ in Deutschland sei groß genug. Außerdem verweisen sie darauf, dass vor allem Gutverdiener …
Nun wird wieder geschimpft und lamentiert. Die Umlage, die die Stromerzeuger für die Einspeisung erneuerbarer Energien zahlen, steigt 2011 von 2 auf rund 3,5 Cent pro KWh. Und es ist abzusehen, dass die Stromerzeuger diese Kosten auf uns Stromkunden abwälzen werden und die Strompreise steigen. Allerdings sollten wir über diese Zahl andere Zahlen nicht vergessen, die Gewinne der vier großen Energieversorger 2009 z. B.: Energieversorger Jahresüberschuss 2009 (nach Steuern) Vattenfall 909 Mio. € RWE 3.831 Mio. € EON 8.645 Mio. € EnBW 824 Mio. € Summe 14.209 Mio. € Setzen wir diese Zahlen mal im Verhältnis zur produzierten Menge Strom. Im Jahr 2009 waren das insgesamt 596 Milliarden KWh. Die 14,209 Milliarden € Überschuss ergeben dann 2,4 Cent pro erzeugter KWh. So viel zahlen wir als „Gewinnumlage“ an die Energieversorger. Und wir können davon ausgehen, dass auch diese Umlage bis 2011 steigt, denn 2009 war ein wirtschaftliches Krisenjahr. Die Energieversorger könnten also theoretisch die Erhöhung der EEG-Umlage um 1,5 Cent locker aus ihrer eigenen Tasche zahlen und bräuchten uns Stromverbraucher nicht mit einer Preiserhöhung belästigen. Nun …
Dale Mortensen, einer der drei diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträger, bringt es im Interview mit der FAZ auf den Punkt. Über seinen Beitrag zur Wissenschaft meint er: „Das ist für einen Laien einfach zu verstehen, aber aus Sicht der Ideengeschichte wurde es anders wahrgenommen.“ Sprich also: Laien haben die Sache besser verstanden als Professoren. Bei der Sache geht es im Übrigen um die Suchkosten und die Suchdauer auf dem Arbeitsmarkt (und auf einigen anderen Märkten wie dem Immobilienmarkt). Tatsächlich hat hier jeder Erfahrung, weiß, dass es lange dauern kann und Geld kostet, Stellenanzeigen durchzusuchen, Bewerbungsschreiben zu verfassen und zu Vorstellungsgesprächen zu fahren. Nur die Experten, Wirtschaftswissenschaftler, wussten das anscheinend nicht. Zumindest hielten sie es nicht für relevant. Was für eine verkehrte Welt. Aber dank Diamond, Mortensen und Pissarides wissen es nun auch die Experten und nur das zählt für den Nobelpreis. Man kann auch sagen: Dass sie den Nobelpreis bekommen haben, lag mindestens genauso an der Dummheit der Experten, also der Ökonomen, als an ihrer eigenen Leistung. Es gilt der Spruch: Unter den Blinden ist der Einäugige König …
Für manche scheint wirklich das Wichtigste am ganzen Ökonomie-Nobelpreis zu sein, ob er dieses Jahr an Vertreter des männlichen oder weiblichen Geschlechts geht. n-tv etwa beginnt seine Meldung über die Nobelpreisvergabe an Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides mit der Feststellung, dass es sich bei den Preisträgern um Männer handelt, und lässt den Bericht auch mit diesem Aspekt enden. Aber vielleicht hatte der Autor (die Autorin?) auch nur zu wenig Zeit für weitere Recherchen zusätzlich zur Analyse des Vornamens. Interessanter finde ich die Frage, ob der Nobelpreis, den Peter Diamond für sein Modell der Suche auf dem Arbeitsmarkt erhält, ihm nun bei seiner eigenen Jobsuche hilft. Er wurde von Obama für einen Vorstandsposten bei der amerikanischen Notenbank FED nominiert, von den Senatoren aber wegen mangelnder geldpolitischer Qualifikationen abgelehnt. Die Berichterstattung über diesen Aspekt transportiert unterschwellig eine gewisse Häme nach dem Motto: Seht her, die dummen Politiker; sie sind nicht fähig, die Qualifikation eines Nobelpreisträgers zu erkennen. Und es ist gut möglich, dass die Senatoren, beeindruckt vom Nobelpreis, nun nachgeben. Bleibt man nüchtern, muss man …
Im letzten Artikel hatte ich geschrieben, dass Maßnahmen der USA, ihre eigene Währung zu schwächen, angesichts des Leistungsbilanzdefizits der USA sinnvoll sind, und keineswegs einen Währungskrieg bedeuten. Marc Chandler veröffentlichte nun auf Credit Writedowns einen guten Artikel, in dem er den zur Zeit reflexhaften und überzogenen Warnungen vor einem Währungskrieg ebenfalls entgegen tritt – allerdings mit Blick auf die Politik von Ländern wie Brasilien und Japan. Zunächst stellt er fest, dass diese Länder keineswegs ihre Währung abwerten, sondern lediglich den Aufwertungsprozess dämpfen. Dann führt er zwei Gründe an, warum dies dort sinnvoll ist, nämlich 1. um zu starke Wechselkursschwankungen zu vermeiden und 2. um das hereinströmende Kapital zu absorbieren. Nehmen wir den Fall Japan: Der japanische Yen hat bereits in den letzten sechs Monaten 13 % an Wert gegenüber dem US-$ hinzugewonnen. Eine weiterhin so schnelle Aufwertung würde die Exportnachfrage stark belasten, ohne dass eine steigende Binnennachfrage für einen Ausgleich sorgen könnte. Als Exportüberschussland sollte zwar Japan vor allem auf die Binnennachfrage setzen. Die Umstrukturierung seiner Volkswirtschaft braucht aber mehr als ein paar Monate. Nehmen wir …
Die großen Ungleichgewichte im Welthandel stellen ein gewaltiges Problem dar. Inzwischen hat das auch die Politik in weiten Teilen der Welt (leider mit Ausnahme Deutschlands) erkannt. Es darf darum nicht verwundern, dass man sich nun vermehrt der Währungspolitik widmet. Immerhin ist der Wechselkurs der wichtigste Faktor, der über die Höhe der Importe und Exporte bestimmt. Steigt der Wert der eigenen Währung, werden die eigenen Waren fürs Ausland teurer und die Exporte sinken, während Importe billiger werden und darum steigen. Umgekehrt, wenn der Wert der eigenen Währung fällt. Wechselkurspolitik ist legitim dann, wenn sie dem Abbau der Ungleichgewichte im Welthandel dient. Wechselkurspolitik ist nicht legitim, wenn sie einseitig die heimische Wirtschaft fördern will ohne Rücksicht auf den Welthandel. Und so muss man unterscheiden: Die Politik des billigen Dollars im Defizitland USA ist sinnvoll, die des billigen Yuan im Überschussland China ist schädlich. So ist es unverständlich, dass die Gefahr eines Währungskrieges gerade dann beschworen wird, wenn die USA ihre Politik forcieren und nun über Strafzölle gegen China diskutieren. Sowohl in deutsche Blogs (z. B. Herdentrieb) als auch …
Dass Jérôme Kerviel kriminell gehandelt hat, lässt sich nach dem Gerichtsurteil nicht mehr bestreiten. Er hat das Computersystem seiner Bank, der Société Générale, manipuliert und er hat Dokumente gefälscht. So konnte er mit einem Einsatz von 50 Milliarden Euro spekulieren, obwohl sein Limit nur bei 125 Millionen lag. Es ist darum richtig, dass er ins Gefängnis muss, obwohl die verhängte Strafe von fünf Jahren (davon drei ohne Bewährung) meiner Meinung nach zu hoch ist dafür, dass Kerviel sich nicht persönlich bereichert hat. Klar ist auch, dass die Kontrollen innerhalb der Société Général in unverantwortlicher Weise vernachlässigt wurden. Nicht umsonst musste die Bank nach Auffliegen des Falles eine Strafe zahlen. Kerviel hatte nicht das erste mal manipuliert, aber solange seine Spekulationen gut ausgingen, mit einem Gewinn für die Bank, hatte sich niemand darum gekümmert. Einmal bekam er eine Ermahnung, das war’s. Nun mag Ex-Bank-Chef Daniel Bouton Recht haben, wenn er (laut Handelsblatt) erklärte, dass es ein Unterschied sei, ob man etwas hätte wissen können oder tatsächlich gewusst hat. Allerdings gibt es nicht nur schwarz und weiß, …
Wie in Teil I geschrieben, diskutieren in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienstes Ökonomen eifrig über eine Mehrwertsteuerreform, insbesondere über den ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Der ermäßige Mehrwertsteuersatz wurde ursprünglich aus sozialen Gründen geschaffen. Artikel des Grundbedarfs (Nahrungsmittel z. B.) wurden bevorzugt und damit auch die Leute, bei denen ein großer Teil des Haushaltsbudgets für solche Artikel draufgeht, eben die Armen. Doch das System war schon immer ineffizient. Das betont insbesondere Rolf Peffekoven, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums. Zum einen bevorzugt man durch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz nicht nur den Alleinerziehenden, der Milch für seine Kinder kauft, sondern auch den Millionär, der seiner Katze Milch gibt. Zum anderen ist nicht garantiert, dass die Lieferanten die Steuerermäßigung zur Gänze an den Endverbraucher weitergeben. Der Bremer Ökonom Rudolf Hickel verweist zwar auf einige Studien, die ergeben, dass unser System der Mehrwertsteuerermäßigung Geringverdienern mehr als Gutverdienern zugute kommt; sie setzen allerdings aus Vereinfachungsgründen voraus, dass Lieferanten immer ihre gesamte Mehrwertsteuerlast auf die Verbraucher überwälzen können. In der Realität ist das häufig anders. So stellt sich die Frage, ob man nicht auf anderem …
Schon im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung sich vorgenommen, das Mehrwertsteuer-System gründlich zu reformieren. Die Ermäßigung der Steuer auf Hotelübernachtungen Anfang des Jahres sollte in der weltfremden Einschätzung der Regierungsstrategen Vorfreude auf diese Reform aufkommen lassen. Das ging bekanntlich schief. Trotzdem soll nun bis Ende 2010 ein Entwurf für eine grundlegende Mehrwertsteuerreform vorliegen. Man kann sich den darum veranstalteten Tanz der Lobbyisten in Berlin lebhaft vorstellen. Pferdezüchter, Blumenhändler und Hundefutterhersteller haben schließlich ein grundlegendes Interesse daran, den ermäßigten Steuersatz von 7 % statt 19 % zu behalten. Mittlerweile mischen sich jedoch auch Wissenschaftler in die Debatte ein. Das Finanzministerium selbst beauftragte ein Gutachten Saarbrücker Wirtschaftswissenschaftler. Das empfiehlt, nur noch für Lebensmittel einen ermäßigten Steuersatz gelten zu lassen. Der Wirtschaftsdienst veröffentlichte in seiner aktuellen Ausgabe Artikel von Rolf Peffekoven, Rudolf Hickel und anderen zum Thema. Hickel möchte den ermäßigten Steuersatz auf Lebensmittel, Druckerzeugnissen, den öffentlichen Personennahverkehr und „ausgewählte Leistungen im Bereich Sport, Kultur, Freizeit“ beschränken. Der radikalste Vorschlag kommt allerdings vom Finanzwissenschaftler Rudolf Peffekoven. Er möchte den ermäßigten Steuersatz abschaffen, genauso wie die vollständige Steuerbefreiung, die z. B. medizinische Dienstleistungen …