Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Gläubigerbeteiligung: Das Scheitern an der wohl überlegten Entscheidung

Hier im Blog gibt es einen schon mehr als 1 ½ Jahre alten Artikel mit der Überschrift „Staatsbankrott als wohl überlegte Entscheidung“. Und auch wenn es um Staatsbankrotte ging, im Grunde genommen war das ein sehr optimistischer Artikel. Er setzte nämlich voraus, dass Politiker eine Lage analysieren, verschiedene Alternativen abwägen, sich für die beste entscheiden und diese danach durchsetzen. Die Realität (zumindest in Europa) sieht anders aus. Über eine sogenannte Gläubigerbeteiligung bei Staatsschuldenkrisen (vulgo Schuldenschnitt) redet die Bundesregierung nun fast ebenso lange, wie die griechische Schuldenkrise offenkundig ist. Ihr Problem: Sie vermochte es weder, diese Pläne in der Öffentlichkeit zu konkretisieren, noch vermochte sie es (was dann fast schon folgt) diese Pläne auf europäischer Ebene durchzusetzen. Die Idee der Gläubigerbeteiligung war gerade formuliert, da wurde sie gleich auf eine Zeit nach 2013 verschoben. Und überhaupt, so Merkel noch im November letzten Jahres zur Anwendung: Man bewege sich hier in „‚Sphären von Unwahrscheinlichkeiten, die beachtlich sind“. Wer allerdings so Verhandlungen beginnt, wird auch genauso enden, nämlich in der Unbedeutsamkeit. Die ausgehandelten Entwürfe für den ab 2013 …

Kritik an Ratingagenturen: Lächerlich, aber nicht zum Lachen

„Lächerlich hoch drei“, so bezeichnet Thomas Strobl die gegenwärtige Kritik von Politikern an den Ratingangenturen. Doch so lächerlich die Politikeraussagen sein mögen, leider ist die ganze Situation überhaupt nicht zum Lachen. Denn wenn EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier überlegt, das Rating von Krisenländern zu verbieten, dann zeigt das vor allem Hilflosigkeit, dann ist das schon so gut wie ein Offenbarungseid. Auf Deutsch gesagt: Denen geht der Arsch auf Grundeis. Vorangegangen war bekanntlich die Abwertung von Portugalanleihen durch die Ratingagentur Moody’s auf Ba2. Die Anleihen gelten somit als spekulativ; die Medien reden von Ramschanleihen. Die Aussetzung des Ratings (wie von Barnier gefordert) hätte allerdings genau dasselbe Signal gebracht. Unter Umständen wäre das Signal sogar noch verheerender gewesen. Denn die Märkte sind meistens eher bereit schlechte Nachrichten zu akzeptieren als große Unsicherheit. Lieber eine schlechte Bewertung als gar keine. Auch der Ruf nach mehr Rating-Wettbewerb ist nicht zu Ende gedacht. Klar, wenn es statt dreier großer Rating-Agenturen sechs gäbe (wie von Barniers Kollegin Viviane Reding gefordert), verlöre das Votum einer einzelnen Agentur an Gewicht. Dies würde helfen, die Ratings …

Quartalszahlen

Wieder mal ist ein Quartal zuende und es ist Zeit, meine Zugriffsstatistik genauer auszuwerten. In den Monaten April, Mai und Juni konnte Google Analytics 8009 Besuche registrieren und 11.326 Seitenaufrufe. Das bedeutet 46 % mehr Besuche und 33 % mehr Seitenaufrufe als im Vorquartal.  Insgesamt eine schöne Entwicklung. Allerdings ist die Zahl der Seitenaufrufe pro Besuch und auch die Verweildauer etwas zurückgegangen. Am meisten gelesen wurde mein März-Artikel „Kosten des schnellen Atomausstiegs: Wie die von SPON genannten Horrorzahlen zusammenschrumpfen„. Er wurde allein im letzten Quartal 813 mal aufgerufen. Auf den Plätzen folgen: 2. Warum die Kritiker der EZB daneben liegen 3. Target 2 – Das Eurosystem in der Schieflage 4. Ein Schuldenschnitt ist notwendig, aber nicht ausreichend 5. Kein Bürgerkrieg in Griechenland, aber das Land wird trotzdem ausbluten 6. Kein Schreckensszenario: Europa ohne Euro 7. Kosten des schnellen Atomausstiegs: Wie SPON seine Zahlen korrigiert 8. Wirtschaftswachstum mal langfristig 9. „Wir sind uns einig“ 10. Aufstände und Ansturm auf die Banken in Griechenland? Bei den Besucherquellen ist die Bedeutung von Links etwas gestiegen (nun 52,0 % …

Target-2-Schieflage: Ursachen und Gefahren

Wie im letzten Artikel geschrieben, das Eurosystem ist in einer Schieflage. Die Notenbanken der PIGS-Staaten stehen mit 314 Milliarden bei der EZB in der Kreide. Wie kam das zustande? Und welche Gefahren ergeben sich daraus? Seit Beginn der Finanzkrise 2007 gibt es einen Zahlungsmittelabfluss aus Portugal, Irland, Griechenland und Spanien unter anderem nach Deutschland. Olaf Storbeck rechnet in seinem nun online erschienenen Handelsblatt-Artikel nach und kommt zu dem Schluss, dass dieser Abfluss nicht aus dem nach wie vor vorhandenem Leistungsbilanzdefizit der PIGS-Staaten resultiert, also nichts damit zu tun hat, dass die PIGS-Staaten nach wie vor mehr importieren als exportieren. So bleibt als weitere Möglichkeit Kapitalflucht. Tatsächlich räumen etwa die Griechen ihre Konten bei den unsicheren heimischen Geschäftsbanken, um das Geld lieber in Deutschland anzulegen. Der befürchtete Bankenansturm findet, still und leise, bereits statt. Dabei läuft der Weg der griechischen Gelder nach Deutschland über die Deutsche Bundesbank. Sie überweist den Betrag an die deutsche Zielbank (z.B. an die Commerzbank). Im Gegenzug erhält die Bundesbank eine Forderung an die EZB. Die EZB wiederum bekommt eine Forderung gegenüber …

Target 2 – Das Eurosystem in der Schieflage

Das griechische Parlament hat Papandreous Sparpaket zugestimmt. Der griechische Staatsbankrott kann nun ein weiteres Mal verschleppt werden. Die griechischen Banken haben eine weitere Gnadenfrist erhalten. Aber was, wenn auch diese endet? Mein Artikel „Aufstände und Ansturm auf die Banken in Griechenland?“ schloss ja damit, dass die EZB  die griechischen Banken heraushauen könnte, sobald der griechische Staat pleitegeht. Bei Weissgarnix findet man übrigens eine Aufstellung über die Gefährdung der verschiedenen Banken. Auch wenn „exposure“ nicht unbedingt gleich Abschreibungsbedarf im Pleitefall ist, erkennt man, dass ein paar griechische Banken einen drastischen Schuldenschnitt nicht überleben werden. Die EZB müsste also gut wägen, wo sie noch Geld hingibt. Tatsache ist allerdings, dass die EZB schon dick mit drinhängt. Dabei sind die 50 Mrd., für die sie selbst griechische Anleihen gekauft hat, noch nicht einmal der größte Posten. Ein weiteres Risiko stellen die so genannten Target-2-Salden dar. Das Thema Target 2 wurde durch Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut in die Öffentlichkeit getragen. Er löste eine heftige Fachdebatte aus, an der sich auch die deutschen Wirtschaftsblogs beteiligten. Olaf Storbeck vom Handelsblog hat …

Aufstände und Ansturm auf die Banken in Griechenland?

Eine Lawine von Ratschlägen stößt zu Beginn der Woche bis zum Syntagma-Platz im Zentrum Athens vor, dort, wo sich der Sitz des griechischen Parlaments befindet. Die Abgeordneten haben dort heute ihre Beratungen zu einem neuen Sparpaket begonnen. Es geht um Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Höhe von 28,4 Milliarden € und um Privatisierungen, mit denen man hofft, 50 Milliarden einzunehmen. Viele Ratschläge sind weder gut noch gut gemeint. Größtes Problem Griechenlands muss sein, seine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Und da hilft das Programm null. Griechenland wird weiterhin Pleitekandidat bleiben. Die Befürworter des Sparpaketes haben sich inzwischen darauf verlegt, Schreckensszenario auszumalen, allen voran Vizeregierungschef Pangalos. Er warnt vor Aufständen und einem Ansturm auf die Banken, sollten die Einsparungen abgelehnt werden. Nun ist allerdings die große Mehrheit der Griechen gegen das Sparpaket. Wenn überhaupt, sind Aufstände damit logischerweise eher zu erwarten, wenn es angenommen wird. Aber wie sieht es mit der Gefahr von bankruns aus? Klar ist, sollte die griechische Regierung nach einer Ablehnung ihres Sparpaketes selbst panisch und kopflos handeln, kann sie auch von ihren …

Wachsende Lohnspreizung in Deutschland – Gegenmaßnahmen

Im ersten Artikel zur Lohnspreizung in Deutschland ging es um die Zahlen, die belegen, dass sich untere, mittlere und hohe Löhne immer weiter auseinanderentwickeln. In meinem zweiten Artikel zum Thema wurde neben anderen vor allem eine Ursache dieser wachsenden Lohnspreizung aufgezeigt: Die Stellen im mittleren Lohnbereich sind weniger geworden. Und dies ist mutmaßlich eine Folge der Computerisierung. Was aber kann man nun gegen diese Entwicklung tun? Politisch ist vor allem ein allgemeiner Mindestlohn in der Diskussion. Aufgrund der negativen Nebenwirkungen eines Mindestlohnes bin ich da eher skeptisch. Aloa vom Blog „libri logicorum“ macht nun einen anderen Vorschlag: die negative Lohnkostensteuer. Diese Steuer soll eine Unternehmenssteuer sein wie z. B. auch die Gewerbesteuer. Bemessungsgrundlage sind die Lohnzahlungen des Unternehmens. Der Steuersatz hängt dabei von der dem Einzelnen gezahlten Lohnhöhe ab. Er ist für hohe Löhne und für Minilöhne höher und am niedrigsten für die Zahlung eines Durchschnittslohnes. Bei mittleren Löhnen soll der Steuersatz sogar negativ sein, sprich, der Arbeitgeber bekommt Geld vom Staat. Graphisch stellt sich der Steuersatz als Häkchen dar: Steuersatz der Lohnkostensteuer in Abhängigkeit von …

Wachsende Lohnspreizung in Deutschland – die Ursachen

Im ersten Artikel zum Thema Lohnspreizung konnte ich Zahlen präsentieren, nach denen sich schon seit Ende der 70er Jahre die hohen Löhne stärker von den mittleren absetzten. Und seit Anfang der 90er Jahre blieben gleichfalls die unteren Löhne stärker hinter den mittleren zurück. Aber was sind die Ursachen dieser wachsenden Lohnspreizung? Für aloa5 in seinem Blog „libri logicorum“ ist die Sache klar: Waren, die mit vielen wenig qualifizierten Arbeitskräften hergestellt werden, importieren wir inzwischen aus China & Co., während wir dafür Sachen herstellen und exportieren, für die man nur wenige und dafür hochqualifizierten Arbeitskräfte braucht. Damit fallen viele Stellen im unteren Lohnbereich weg, während die Nachfrage nach Fachkräften steigt. Entsprechend wächst der Lohndruck unten, während die hohen Löhne überdurchschnittlich zunehmen. Für Volkswirte ist das keine Überraschung. Das Phänomen wird im so genannten Heckscher-Ohlin-Theorem beschrieben. Die niedrigen Löhne sinken in Deutschland als Folge einer zunehmenden Spezialisierung des Landes im Welthandel auf Tätigkeiten, für die man hochqualifizierte Leute braucht. Interessanterweise taucht das Thema Globalisierung in der (bereits erwähnten) Forschungsarbeit von Christian Dustmann, Johannes Ludsteck und Uta Schönberg …

Wachsende Lohnspreizung in Deutschland – die Fakten

Dass der Abstand zwischen Arm und Reich auch in Deutschland gewachsen ist, gehört schon fast zum Allgemeinwissen. Die Gründe dafür sind dagegen keineswegs klar. Ich möchte heute ein paar Zahlen zum Thema präsentieren und in einem zweiten Artikel nächste Woche einige Ursachen der Besorgnis erregenden Entwicklung aufzeigen. Für beides habe ich mich mit einem Artikel der Wirtschaftswissenschaftler Christian Dustmann, Johannes Ludsteck und Uta Schönberg gewappnet, die diese 2009 im angesehenen Quarterly Journal of Economics veröffentlicht haben. Eines allerdings vorweg: Vielfach wird beim Thema Einkommensverteilung nur auf die Lohnquote geschaut. Die Nettolohnquote sinkt, einem langfristigen Trend folgend, schon seit den 70er Jahren, während die Nettogewinnquote seit den 90ern steigt. Das heißt, dass der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen schrumpft, während der Anteil der Unternehmergewinne und Kapitaleinkünfte steigt. So betrug die Nettolohnquote 1991 noch 48,1 %, 2009 dagegen nur noch 41,1 %. Die Nettogewinnquote stieg dagegen im selben Zeitraum von 29,8 % auf 32,6 %. Die sinkende Lohnquote ist aber nur ein Teil der wachsenden Einkommensungleichheit. Denn auch innerhalb der Gruppe der Lohn- und Gehaltsempfängern sind …

Sind 20 Millionen Dollar Jahresgehalt zu viel?

20 Millionen $ hätte ich natürlich auch gern – habe ich aber nicht. Uns so bleibt mir genauso wie Miss B auf Kantoos nur die Möglichkeit, über die Frage zu sinnieren, ob 20 Millionen $ Jahresgehalt für einen Basketballprofi zu viel sind. So viel bekommen nämlich Spitzenstars der amerikanischen Profiliga NBA wie der Würzburger Dirk Nowitzki. Miss B versucht in ihrem Artikel das Verhältnis zwischen Spielergehältern und Einnahmen der Liga abzuschätzen und kommt zu dem Schluss, dass diese Relation bei der NBA zumindest von der Größenordnung her ähnlich ist wie in der Bundesliga. Also alles ganz fair? Leider verliert Miss B in ihrem Artikel überhaupt kein Wort über wirtschaftliche Macht. Die ist aber der entscheidende Schlüssel, um die NBA-Spielergehälter zu verstehen. Wirtschaftliche Macht spielt im Profi-Basketball eine doppelte Rolle: bei den Spitzenspielern selbst und bei der Liga insgesamt. Sie resultiert aus einer Monopolstellung, aus einem Mangel an Alternativen, die ausgenutzt wird. Das Problem ist folgendes: Fans von NBA-Teams wie der Boston Celtics oder der Los Angeles Lakers interessieren sich nicht einfach nur für Basketball, sie …

War der Euro wirklich so stabil?

Bei der Verleihung des Aachener Karlspreises wurde (es war nicht anders zu erwarten) das Hohelied auf die Stabilität des Euros gesungen – nicht zuletzt vom Preisträger selbst, dem EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet. In seiner Dankesrede sagte er: „In den ersten zwölf Jahren nach der Euro-Einführung betrug die durchschnittliche jährliche Inflationsrate 1,97 %. Dieser Wert steht in vollem Einklang mit der Definition von Preisstabilität der Europäischen Zentralbank (EZB): eine Preissteigerungsrate von unter, aber nahe 2 % auf mittlere Sicht.“ Nun, nachts sind alle Katzen grau – und im Durchschnitt sind sie es auch. Ob die Europäer tatsächlich mit dem Euro zufrieden sein können, entscheidet sich nicht an Durchschnittswerten, sondern an der Preissteigerung vor Ort. Schauen wir uns darum die nationalen Zahlen seit Einführung des Euro-Bargeldes (2002) an. Lassen wir die kleinen Länder außer Acht und berücksichtigen nur die mit mehr als 4 Millionen Einwohnern. Das sind zwölf: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien sowie ab 2009 die Slowakei. Es geht also von 2002-2010 um 101 Daten über die durchschnittliche jährliche Preissteigerung . Wie …