Wirtschaftswurm-Blog

Wachsende Lohnspreizung in Deutschland – die Fakten

Dass der Abstand zwischen Arm und Reich auch in Deutschland gewachsen ist, gehört schon fast zum Allgemeinwissen. Die Gründe dafür sind dagegen keineswegs klar. Ich möchte heute ein paar Zahlen zum Thema präsentieren und in einem zweiten Artikel nächste Woche einige Ursachen der Besorgnis erregenden Entwicklung aufzeigen. Für beides habe ich mich mit einem Artikel der Wirtschaftswissenschaftler Christian Dustmann, Johannes Ludsteck und Uta Schönberg gewappnet, die diese 2009 im angesehenen Quarterly Journal of Economics veröffentlicht haben.

Eines allerdings vorweg: Vielfach wird beim Thema Einkommensverteilung nur auf die Lohnquote geschaut. Die Nettolohnquote sinkt, einem langfristigen Trend folgend, schon seit den 70er Jahren, während die Nettogewinnquote seit den 90ern steigt. Das heißt, dass der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen schrumpft, während der Anteil der Unternehmergewinne und Kapitaleinkünfte steigt. So betrug die Nettolohnquote 1991 noch 48,1 %, 2009 dagegen nur noch 41,1 %. Die Nettogewinnquote stieg dagegen im selben Zeitraum von 29,8 % auf 32,6 %.

Die sinkende Lohnquote ist aber nur ein Teil der wachsenden Einkommensungleichheit. Denn auch innerhalb der Gruppe der Lohn- und Gehaltsempfängern sind die Unterschiede gewachsen. Und um diese Unterschiede (die so genannte Lohnspreizung) soll es im Folgenden gehen.

Die genannten Wirtschaftswissenschaftler Dustmann, Ludsteck und Schönberg untersuchten die Lohnspreizung anhand von deutschen Sozialversicherungsdaten aus den Jahren 1975-2004. Demnach stiegen bei Männern im oberen Gehaltsbereich die Löhne von 1975 bis 1989 um rund 27% und von 1990 bis 2004 um 13%. Der mittlere und der unteren Bereich verzeichneten dagegen bis 1989 Lohnsteigerungen von nur 16 %. Ab 1990 entwickelten sich zusätzlich diese beiden Sektoren auseinander: Im unteren Lohnbereich sanken die Löhne um 5 %, im mittleren stiegen sie dagegen noch um 4 %.

Für die Frauen war die Lohnentwicklung bis in die 80er Jahre hinein in allen Gruppen noch einigermaßen parallel. Danach zeigten sich bei ihnen ähnliche Unterschiede wie bei den Männern: Die Besserverdienenden legten noch einmal um 17 % zu, am anderen Ende stagnierten dagegen die Löhne der Geringverdiener.

5 Kommentare

  1. Ich hatte ja letztens die OECD-Daten der Personen mit guter Ausbildung getwittert. Lt OECD ist zwischen 1999 und 2006 der Unterschied von deren Löhnen zum Durchschnitt von 138(%?) auf 163 angestiegen (Männer):
    Relative earnings for age group 25-64 with tertiary education: males
    Upper secondary and post-secondary non-tertiary education = 100
    http://dx.doi.org/10.1787/20755120-table4

    Die Entwicklung ist nicht gut.

    Grüße
    ALOA

  2. Hier was Nettes zum Herumspielen. Auf deine Begründung bin ich sehr gespannt. Mir fällt dazu einiges ein.

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