Wirtschaftswurm-Blog

Ordoliberalismus und Neoliberalismus

Als Nachtrag zu meinem Beitrag „Bundespräsident Gauck im Angesicht des Neoliberalismus“ ein Hinweis auf einen englischen Wirtschaftsblog:

Blogger Simon Wren-Lewis zieht wie ich eine scharfe Grenze zwischen Ordo- und Neoliberalismus. Man mag auch gerne noch einmal nachlesen:

7 Kommentare

  1. Klaus sagt

    Der Ordoliberalismus ist neoliberal, er ist eine Spielart des Neoliberalismus. Eine Unterscheidung zwischen Neoliberalismus und Ordoliberalismus ist daher nicht sinnvoll.

    Wenn man den Ordoliberalismus von anderen neoliberalen Strömungen abgrenzen will, sollte man diese auch explizit nennen (bspw. Chicago School oder Österreichische Schule).

  2. Natürlich kann man das so sehen, es gibt keine allgemein gültige Abgrenzung des Begriffs „Neoliberalismus“. Nun glaubt der Ordoliberalismus im Gegensatz zur Chicacogoer oder Österreischen Schule zwar an die Effizienz von Märkten, jedoch nicht an eine ihre Selbstregulierung. Das ist ein wichtiger Punkt, warum man im Nachhinein den Ordoliberalismus wieder herausnehmen sollte.

  3. Da ich kein studierter Ökonom bin habe ich eine Frage, bzw. möchte eine Frage aufwerfen.

    Nach meiner laienhaften Beobachtung von aussen, ist das, was von allseits als neoliberalen Thinks Tanks bekannten Institutionen (INSM, Heritage Foundation, etc.), als ökonomische Prinzipien verbreitet wird, weit entfernt von dem, was hier oder in andern aufgeklärten ökonomischen Kreisen darunter verstanden wird.

    Sind aber nicht die die USA wissenschaftlich und wirtschaftspolitisch in die Krise geleitet haben (Larry Summers, Hank Poulson, Glenn Hubbard, Timothy Geithner, etc. ) die Aushängeschilder des Neoliberalismus, auch des wissenschaftlichen. Haben sie nicht Fakten geschaffen darüber wie Neoliberalimus umzusetzen ist?

    Haben sich nicht damit korrupte Kräfte dieses Begriffes ermächtigt die tatsächlich ganau für das stehen was am Neoliberalismus heute kritisiert wird?

    Hat das nicht wiederum dazu geführt, das linke Kritiker wie Noahm Chomsky heute Neoliberalismus als ein Zerrbild von dem Definieren was Hayek oder Friedmann darunter verstanden haben?

    Was aber ist Neoliberalimus dann? Die Praxis die unter diesem Label umgesetzt wird oder die Theorie? Das was im öffentlichen Diskurs steht oder die reine ökonomische Lehre? der Streit über dieses Thema hängt meiner Meinung nach an dieser Interpretation. Ist es die Praxis, ist Neoliberalismus untragbar. Ist es die Theorie, so ist sie leider genauso an der Realität gescheitert wie der Kommunismus.

    Wahrscheinlich könnte ein frustrierter Ökonom eine ähnliche Glosse über den Neoliberalismus schreiben wie Orwell über den Kommunismus. „Liberal Farm“?
    All animals are free, but some animals are more free than others?

  4. Andreas sagt

    Sicher gibt es einige Unterschiede zwischen Neoliberalismus (wie man ihn heute versteht) und Ordoliberalismus (also dem Neoliberalismus, wie die klassischen Ordoliberalen ihn verstanden. Ob die heutigen Ordoliberalen noch einen großen Unterschied sehen, wage ich zu bezweifeln). Es hat aber seine Gründe, warum den Ordoliberalismus außerhalb von Deutschland so gut wie niemand kennt. Er besteht, auf einen einfachen Nenner gebracht, aus simpelster Mikroökonomik + ein paar regelgebundenen Staatseingriffen zur Herstellung des – eigentlich nur gedanklichen, von den Ordoliberalen aber für bare Münze genommenen – Konstrukts der „vollständigen Konkurrenz“. Eine echte Makrotheorie kennt er nicht und es ist daher kein Wunder, dass die – mit wenigen Ausnahmen – ordoverliebten deutschen Mainstream-Ökonomen der aktuellen Theorieentwicklung um Jahrzehnte hinterherhinken (wenn sie denn überhaupt hinken) und mit ihrer „wissenschaftlichen“ Beratung mitverantwortlich für das Austeritäts-Desaster in Europa sind. Marktversagen bzw. Koordinationsprobleme kennt der Ordoliberalismus nur auf Einzelmärkten, nicht für die Gesamtwirtschaft, das ist seine große Schwäche. Seine wirtschaftspolitischen Empfehlungen sind kontextunabhängig und schematisch, kein Wunder daher, dass sie den in die Juristerei verliebten Deutschen so gut gefallen. Wenn die wirkliche Welt nicht so ist wie die ordoliberale Modellwelt, ist die Antwort der Ordoliberalen stets gleich: Machen wir halt ein paar neue Regeln, ein paar neue Pakte, ein paar neue Sanktionen. Aber was nicht passt, wird nie passend gemacht werden, wenn die Modellwelt so Wirklichkeitsnah ist wie der Garten Eden.

    Nur ein Gerücht ist es übrigens, dass die Ordoliberalen eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung des deutschen Sozialstaats gespielt haben bzw. für diesen eingetreten sind, wie Du es in deinem verlinkten Artikel implizierst. Sie waren im Gegenteil die schärfsten Gegner eines Ausbaus der deutschen Sozialversicherung nach dem zweiten Weltkrieg. Wundebar nachzulesen ist das in: Hans Günter Hockerts: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland. Das Buch kann ich jedem nur empfehlen, liest sich (für an der Thematik Interessierte) wie ein Roman.

  5. @AlienObserver,
    naja, die von dir genannten Personen sind doch wohl eher Epigonen des Neoliberalismus. Wissenschaftlich entscheidende Beiträge für den Neoliberalismus stammen wohl von F.A. von Hayek (spontane Ordnungen), der mMn auch am weitesten gegangen ist. Daneben sind auch einige Institutionenökonomen interessant, die den Markt für Dinge einsetzten wollen, wo man vorher nicht dran gedacht hat, dass der Markt sie lösen könnte. Z.B. Demsetz für Umweltprobleme.

  6. Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt.
    Als wissenschaftliche Berater desUS-Präsidenten, Dekane wichtigeser Wirtschaftsfakultäten, Wirtschaftsminister oder CEO von Goldmann Sachs, bestimmen diese Leute was als Neoliberalismus zu gelten hat, bzw nennen es Neoliberalismus wenn sie bestimmte Wirtschaftpolitische Interessen verfolgen.

    Offensichtlich ist das was dabei herauskommt ein Markt der bestimte Marktteilnehmer bevorzugt, die globale Wirtschaft destabilisiert, keine Lösungen für die drängende Probleme unserer Zeit hervorbringt, schwere soziale Verwerfunge Weltweit verursacht usw.

    Die Debatte ist keine akademische sondern eine politische. Es somit fragwürdig ob eine akademische Frgestellung wie die zum Ordoliberalismus sin macht.

    Wenn unser BP Gauck den Neoliberalismus verteidigt, dann weiss ich nicht was er nun meint.

    Der „realexisatierende Neoliberalismus“ wird unter anderem durch die genanten Personen vertreten. Er ist s der für mich eine Rolle spielt. Ob es einen anderen gibt, oder jemals gegeen hat ist damit unbedeutend.
    Wenn sich Gauck auf die Seite dieses realexistierenden Neoliberalismus schlägt, dann habe ich keinerlei Verständnis dafür.

  7. @Andreas,
    die Ordoliberalen im engeren Sinne haben sich tatsächlich weder viel mit Makroökonomie noch mit Sozialpolitik beschäftigt. Man kann sie aber darum schwerlich für die eine oder andere (falsche) Richtung auf diesen Feldern verantwortlich machen.

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