Wirtschaftswurm-Blog

Warum es anders gekommen ist als erwartet und was jetzt zu erwarten ist

Verhältnis Wähler zu Parteimitgliedern 2013

Für die AfD sind 4,7% ein Riesenerfolg. Das zeigt ihr einmalig hoher Quotient der Anzahl Stimmen bezogen auf die Zahl der Parteimitglieder. Auch der Erfolg der Union ist erstaunlich, hier allerdings, weil er ganz ohne politische Inhalte zustande kam. Und FDP und Piraten steht nun eine düstere Zukunft bevor.

Am Freitag hatte ich ja einen Wahltipp abgegeben und hier im Blog veröffentlicht. Nun kann ich den Tipp mit dem vorläufigen amtlichen Endergebnis vergleichen.

Bundestagswahl 2013 und Tipp

Vorläufiges amtliches Endergebnis der Bundestagswahl 2013 und die Abweichungen von meinem Tipp

Ziemlich gut habe ich die SPD, die Linken, die AfD und die Piraten eingeschätzt. Bei der AfD war allerdings das kleine Minus im Vergleich zu meiner Prognose entscheidend, so dass sie nun doch nicht in den Bundestag einzieht.

Trotzdem ist das Ergebnis ein Riesenerfolg für die AfD. So ist es das beste Ergebnis einer neu gegründeten Partei seit 1950. Die PDS, heute Linkspartei, kam z.B. 1990, damals zumindest im Westen neu, nur auf 2,4%. Die Grünen erreichten 1980 sogar nur 1,5%.

Ein Riesenerfolg ist es für die AfD auch, wenn man sich das Verhältnis Wähler: Parteimitglieder anschaut. Hier schlägt die AfD alle anderen relevanten Parteien um Längen. 137 Wähler kommen auf ein Mitglied. Weit abgeschlagen dagegen FDP und Piraten, aber auch die traditionell mitgliedsstarken Volksparteien.

Mitglieder Wähler Bundestagswahl 2013 Wähler pro Mitglied
AfD 15.000 2.052.372 137
Grüne 60.800 3.690.314 61
Linke 63.761 3.752.577 59
FDP 60.000 2.082.305 35
CDU 485.000 14.913.921 31
Piraten 31.669 958.507 30
SPD 477.037 11.247.283 24
CSU 150.000 3.242.335 22
Daten für die Mitgliedszahlen: Bundeszentrale für politische Bildung Ende August sowie für die AfD Alexander Dilger, Daten für die Wählerzahlen: Bundeswahlleiter
Verhältnis Wähler zu Parteimitgliedern 2013

Verhältnis der Zahl der Wähler zu der der Parteimitglieder

Die Quotienten zeigen: Für den Moment hat die AfD ihr Mobilisierungspotenzial voll ausgeschöpft. Mehr ist für eine 7 Monate alte Partei nicht zu erreichen. Für die AfDler ist es nun wichtig, den Parteiaufbau voranzutreiben. Gelingt das, sollte es ein Leichtes sein, schon bei der Europawahl einen weiteren deutlichen Zuwachs zu erreichen.

Klar verschätzt habe ich mich in meinem Freitagstipp bei CDU/CSU, Grünen und FDP.

Im Falle der Union hatte ich wirklich geglaubt, dass ihr inhaltsleere Wahlkampf Wähler demotiviert. Offensichtlich wollten aber die Wähler keine Inhalte, Merkel als Person reichte ihnen.

Im Falle der Grünen hatte ich geglaubt, dass ihr Absturz in den Umfragen in den letzten Tagen vor der Wahl ein künstlicher Effekt wäre. Schließlich bekennt sich auf Nachfrage niemand gerne zu Personen, die mit Pädophilie in Verbindung gebracht werden. Ich dachte aber, dass in der Wahlkabine, wenn eine Entscheidung für die Zukunft getroffen werden muss, 30 Jahre alte Kommunalwahlprogramme doch keine Rolle mehr spielen.

Im Falle der FDP schließlich hatte ich geglaubt, dass es letztlich reicht, die besten Sponsoren zu haben. Gut zumindest, dass ich mich in diesem Punkt getäuscht habe.

Und wie geht’s weiter? Wie schon angedeutet, bin ich für die AfD optimistisch. Für die Piraten war’s das dagegen. Unwahrscheinlich, dass sie sich noch einmal von dem gestrigen Schlag erholen. Die Partei wurde zur Beute linker und feministischer Ideologen. Die werden auch dafür sorgen, dass sich allmählich das IT-Milieu von der Partei zurückziehen wird.

Auch eine Rückkehr der FDP wird schwer. Mitglieder- und Spendenzahlen werden sich dem Wahlergebnis anpassen. Ein Lindner allein wird es nicht richten. Die Grünen sind eindeutig in der besseren Startposition, linksliberale Wähler zu gewinnen. Voraussetzung ist, dass sie ihren Hang zu Bevormundungen („Veggie-Day“) zurückstellen. Der Rest der FDP kann von der AfD aufgesogen werden.

6 Kommentare

  1. Ich bin soo enttäuscht über das Wahlresultat in Deutschland. In Italien haben wir wenigstens zu 25% die 5-Stelle Partei von Grillo gewählt, was zwar nicht zu dem gewünschten Resultat geführt hat, aber doch die Langzeitparteien in Schwierigkeiten gebracht hat. Jetzt müssen unverträgliche Parteien fest gegen 5Stelle zusammenhalten, aber es scheint nicht mehr zu funktionieren, den sie brauchen dazu Berlusconi, aber sie wollen ihn nicht: ein sehr schwieriger Konflikt, der die Italiener schadenfroh lachen lässt, ha, ha, ha. Und bei den nächsten Wahlen, die ja schon bald in Sicht sind, wegen dieser konfliktreichen Situation, werden wir zu 50% 5 Stelle wählen, denn lieber eine Partei, die nichts kann, als diese Lügen- und Ausbeuterparteileute, und Brüssel- und Bankensklaven an der Regierung zu haben. Aber in Deutschland ist es zum Weinen!!!

  2. Arne Kuster sagt

    Nette Meldung meines Statistiktools: „Ein starker Anstieg in deiner Statistik. Dein Blog, Wirtschaftswurm, erhält offensichtlich mehr Traffic als üblich! 313 hourly views“

  3. Häschen sagt

    Danke. Mail eine spannende Analyse.

    Wirtschaftswurm … Jörg in Österreich. Das war ähnlich. Das ist der Personenwahlkampf. Der bietet ungeahnte Potentiale.

    Großparteien sind kollabierende Ponzi Schemen gegenüber der ‚guten‘ alten Organisation. Es wäre interessant die Mitgliederzahlen seit dem Ende des Parteibuchzwangs zu analysieren. Heute ist der Berührungspunkt der Parteien mit Bevölkerung der Wahlkampf.

    Früher hat der Pfarrer gepredigt wählt Schwarz. Die Klein- und Mittelbetriebe vom Chef die Order ‚Wählt Schwarz, ihr könnt etwas anderes wählen, aber dann braucht ihr am Montag gar nicht mehr kommen …‘ und in der Industrie galt die Devise ‚Rot oder tot‘. Das ist Gott Sei Dank vorbei.

    Aber klar, damit ist die Wählerschaft nicht mehr kontrollierbar. Die Wechselwähler sind früher unterdrückt worden, die hat es vermutlich immer gegeben dem Herzen nach. Es möge keiner glauben, dass die lokalen Partei-Organisationen nicht wissen, wer nicht bei der Wahl war … Es bleiben noch immer Familien fern oder Häuser. Aber in kleinen Ländern so Größe BeneLux gibt es Parteien die haben kein wirkliche Verankerung in der Bevölkerung, die arbeiten über PR und Personenwahlkampf.

  4. Pingback: Die AfD – was bringt die Zukunft | Saldenmechanik

  5. Herr Quarz sagt

    Gratulieren möchte ich zunächst mal zur Bewertung der Piratenpartei. Das knappe Ergebnis der AfD nun lag aus meiner Sicht an Fluktuationen in der Wählerschaft. Wären etwas Leute weniger wählen gegangen, um Frau Merkel ihre Sympathie zu bekunden, und hätte die FDP nicht so von Briefwahlstimmen profitiert, hätte die AfD es sicher geschafft. Auch an der (Un)Bekanntheit wird es gelegen haben, was sich jetzt natürlich verbessert hat. Letztlich waren es ältere Stammwähler, die die AfD aus dem Parlament gehalten haben, hätten nur die unter 60-Jährigen gewählt, hätte es geklappt. Eine Sachentscheidung war es ganz sicher nicht. Es ist ein Glück für die Partei, dass die Landtagswahlen im nächsten Jahr gerade in den Ländern stattfinden, in denen sie besonders stark war; und dass die realistische Chance auf das Europaparlament die Partei zusammenhalten und motivieren kann, sofern sie sich jetzt nicht zerstreitet. Bei der AfD ist das unwahrscheinlicher als bei den Piraten, weil die Piraten aus ideologischen Gründen Delegiertenparteitage und starke Integrationsfiguren wie Herrn Lucke ablehnen.
    Die SPD und die Grünen werden unter der neuen Regierung aber eher leiden als die FDP, denke ich. Wenn die Union Programmpunkte dieser Parteien (Quoten, Mindestlöhne etc) umsetzt, dann schwindet ihnen die Substanz. Das gilt besonders für die Partei, die sich an der Regierung beteiligen wird. Die FDP hingegen könnte wieder mit Versprechungen bzgl. Steuersenkungen auf Stimmenfang gehen, zumal sie ja noch in Landtagen vertreten ist. Ob ihr die Leute das abkaufen ist fraglich, aber zu den 5% haben nicht mehr viel gefehlt.
    Zu guter Letzt: Neuwahlen sind nicht restlos ausgeschlossen. Man wird das wohl vermeiden um die AfD draußen zu halten, aber es kann alles Mögliche passieren.
    Vielen Dank für die Analyse und nicht vergessen: Bald wird auch in Österreich gewählt.

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