Wirtschaftswurm-Blog

Mögliche Erhöhung der Ökostromumlage – Kein Grund zur Panik

Zubau Fotovoltaikanlagen

Die EEG-Umlage für Ökostrom ist heute mal wieder ein Aufregerthema. Anlass: eine von der FAZ verbreitete Schätzung, dass sie von aktuell 5,27 Cent auf 7 Cent nächstes Jahr steigen könnte. Schaut man genauer hin, darf man sich aber wieder beruhigen.

Man muss zunächst wissen, dass die EEG-Umlage das Defizit der Netzbetreiber aus dem Weiterverkauf des eingespeisten Ökostroms ausgleichen soll. Ferner bildet das bis jeweils Ende September aufgelaufene Defizit die Grundlage für die Berechnung der EEG-Umlage im darauffolgenden Jahr.

Die von der FAZ kolportierte Schätzung beruht nun lediglich auf einer Analogie zum letzten Jahr. Das kumulierte Ökostrom-Defizit der Netzbetreiber stieg 2012 zwischen Ende Juli und Ende September von 1,15 Milliarden € auf 2,6 Milliarden €. Dieses Jahr liegt dieses Defizit aber schon Ende Juli bei 1,75 Milliarden.

Nun spricht allerdings einiges dafür, dass der Anstieg im August und September in diesem Jahr nicht ganz so stark sein wird wie im letzten. Die hohe Stromausbeute der Fotovoltaikanlagen lässt das Defizit der Netzbetreiber aus dem Vertrieb des Ökostroms zwar immer in den Sommermonaten steigen; ein weiterer Grund war in der Vergangenheit aber auch der, dass in den Sommermonaten viele neue Anlagen ans Netz gingen. Doch der Anlagenboom ist nun vorbei.

Insgesamt werden wohl 2013, das schreibt die FAZ ebenfalls, weniger als 4000 Megawatt neue Leistung aus Fotovoltaikanlagen ans Netz angeschlossen werden. Das wird nur noch etwa die Hälfte von dem sein, was 2012 neu hinzukam. Man sinkt damit wieder auf das Niveau von 2009 hinab.

2009: 3802MW, 2010: 7377MW, 2011: 7486MW, 2012:7603MW

Datenquelle: Bundesnetzagentur

Noch mehr sollte beruhigen, was die FAZ als Hauptgrund für das hohe Defizit beim Ökostromvertrieb nennt: Der Weiterverkaufspreis des Ökostroms an der Strombörse liegt unter den Erwartungen. Ein niedriger Börsenstrompreis senkt aber die Gesamtstromkosten genauso wie eine hohe EEG-Umlage sie steigen lässt.

Ob diese Rechnung für den Endverbraucher aufgeht, ist leider eine andere Frage. Vielleicht werden die Stromanbieter die Erhöhung der EEG-Umlage zum Anlass nehmen, die Strompreise zu erhöhen, auch wenn ihre Gesamtkosten nicht gestiegen sind. Das wäre allerdings ein klares Zeichen dafür, dass der Wettbewerb unter ihnen nicht funktioniert.

Im Übrigen: Nicht alles, was die EEG-Umlage verteuert, hat tatsächlich etwas mit den Kosten erneuerbarer Energien zu tun.

So dürfen sich die Stromnetzbetreiber das nicht ausgeglichene Defizit beim Weiterverkauf des Ökostroms verzinsen lassen und diesen Zins in die Umlage einrechnen. Der monatliche Zinssatz wird auf 0,3% über den Euribor für Monatsgelder festgelegt. Aktuell ergeben sich demnach für die Ende Juli ausstehende Summe von 1,75 Milliarden € also 0,43% im Monat oder aufs Jahr umgerechnet 5,3%.

3 Kommentare

  1. dw-seneca sagt

    „Schaut man genauer hin, darf man sich aber wieder beruhigen.“

    Dieser Satz ist schlicht falsch, denn das EEG hat eine gigantische Umverteilung von unten nach oben initiiert. Es ist das unsozialste Gesetz, das je beschlossenwurde. Und über soviel soziale Ungerechtigkeit werde ich mich im ganzen Leben nicht beruhigen.
    Im übrigen ist die Energiewende schon jetzt gescheitert, weil physikalische Gesetze mißachtet werden, und weil Planwirtschaft noch nie funktioniert hat und auch nie funktionieren wird.

  2. PotzBlitzDonner sagt

    Also von Unten nach oben wurde nichts verteilt, es wurde allenfalls ein Teil dessen was man nach unten verteilt hatte wieder zurück geholt. Die frage ist allenfalls ob Netto unten noch genug da ist, darüber kann man aber lange und breit streiten…

    Aber das hier doch einige Milliarden in den Jahren 2010,2011 und 2012 verschwendet wurden weil die Politik nicht angemessen reagiert hat darüber darf man sich schon aufregen. Das zukünftig vermutlich erstmal keinerlei mehr Kostensteigerung der EEG von der Photovoltaik zu erwarten sind davon gehe ich auch aus wenn man sich mal folgende Entwicklung der Anlagenpreise vor Augen hält:

    http://www.photovoltaik-guide.de/pv-preisindex

    Es ist eher zu erwarten das dieser Markt, zumindest in Deutschland erst mal ganz einbrechen wird. Falls sich die Stromspeichertechnologie hoffentlich weiter entwickeln wird, wird sich das ganze möglicherweise für den einzelnen Dachanlagenbetreiber wieder lohnen, indirekt werden dann aber die Kosten für alle wieder steigen, weil so ein Dachanlagenbetreiber trotzdem am Netz angeschlossen sein muß und diese kosten für den Unterhalt des Netzes und für entsprechende Strom erzeugende Backup-Systeme im Winter oder auch Schlechtwetterperioden vorgehalten werden müßen.

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