Wirtschaftswurm-Blog

Flassbeck, Starbatty & Co.: Schlagabtausch im überhitzten Saal

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Hoch her ging es am Freitag Abend in Siegen. Eurokritiker und AfD-Mitglied Joachim Starbatty traf im Rahmen der „Wirtschaftspolitischen Gespräche am Dicken Turm“ auf den Keynesianer Heiner Flassbeck. Der Frankfurter Historiker Werner Plumpe und der Siegener Makroökonom Günter Beck ergänzten das Professorenpodium.

Im überhitzen Saal lieferten sich die Diskutanten immer wieder heftige Wortgefechte. Bereits auf die Eingangsfrage der Moderatorin Ursula Weidenfeld, ob die Krise nun zu Ende sei, gab es unterschiedliche Antworten. So machte Heiner Flassbeck deutlich, dass sich die Krise zur Zeit nur verlagere. Während die Mehrheit der südeuropäischen Staaten inzwischen an Wettbewerbsfähigkeit gewinne, gemessen an den Lohnstückkosten, werden nun langsam Frankreich und Italien zu den Problemzentren.

Was also tun?

Unwidersprochen blieb Starbatty mit seiner Einschätzung, dass Mario Draghis Politik, die Banken mit Geld vollzupumpen, nur die Symptome überdecke. Das sei allerdings notwendig, um Zeit zu gewinnen, meinte Flassbeck. Und damit wurde die erste große Konfliktlinie deutlich.

Starbatty bevorzugt die schnelle und drastische Maßnahme: Austritt der Krisenstaaten aus der Eurozone und anschließende Abwertung ihrer neuen Währung. Die Frage sei nur, ob „Kosten jetzt oder Kosten später“ anfallen. Je länger die Eurozone bestehen bleibe, desto höher werden nur letztlich die Kosten.

Die anderen drei Podiumsteilnehmer bevorzugten dagegen eine Lösung mit vielen kleinen Schritten, waren sich jedoch ihrerseits über die Maßnahmen gänzlich uneins. Werner Plumpe empfahl den Krisenländern Deutschland in den Jahren 1995-2005 zum Vorbild. Das heißt Sparen und eine Politik, die auf niedrige Löhne hinzielt wie bei den Hartz-Reformen. Günter Beck empfahl zusätzlich Strukturreformen, etwa schnelle Unternehmensgründungen zu ermöglichen.

Eine allgemeine Deflationspolitik in der gesamten Eurozone werde letztlich allerdings nur zu einer Aufwertung des Euros führen und damit wären alle Wettbewerbsgewinne wieder verloren. Aus dieser Einschätzung heraus sieht Heiner Flassbeck Deutschland in der Pflicht. Höhere Löhne hier seien unerlässlich.

„Eine Aufwertung tangiert langfristig nicht die Wettbewerbsfähigkeit“, widersprach Günter Beck. Er wies auf die deutschen Erfahrungen in den 60er und 70er Jahren hin. Und es blieb mir vorbehalten, beim anschließenden Empfang mit Rotwein und Häppchen einen weiteren Einwand gegen Flassbecks Lösungsvorschlag zu formulieren: Wie will man eigentlich bei anhaltend hoher Arbeitslosigkeit höhere Löhne in Deutschland durchsetzen? Auch wenn die Exportindustrie höhere Löhne verkraften könnte, würden nicht andere Wirtschaftszweige mit Entlassungen reagieren?

Auf dem Foto von links nach rechts: Heiner Flassbeck , Günter Beck, Joachim Starbatty und Werner Plumpe am 29.11 in Siegen

19 Kommentare

  1. Na, die Herren kann man bis auf den Mann von der AfD wohl alle ziemlich in der Pfeife rauchen. So kommt es hier zumindest rüber im Artikel.

    „(…)Während die Mehrheit der südeuropäischen Staaten inzwischen an Wettbewerbsfähigkeit gewinne, gemessen an den Lohnstückkosten, werden nun langsam Frankreich und Italien zu den Problemzentren(….)“

    Wettbewerbesfähigkeit besser??? Na super. Finden die ganzen Menschen, die länger arbeiten und dafür weniger verdienen, bestimmt ganz arg toll, dass sie jetzt wettbewerbsfähiger sind. Das Wort alleine ist schon ekelhaft-kapitalistisch mies.

    MfG,
    Mark2323

  2. Nö, finden sie bestimmt nicht arg toll. Fragt sich, ob sie noch weitere Jahre Arbeitslosigkeit viel toller fänden.

  3. Arne Kuster sagt

    Bisher wohl noch nicht. Es soll aber noch eine Aufzeichnung ins Netz gestellt werden.

  4. Häschen sagt

    Qualität und günstiger Preis gehören zusammen, das wird gerne vergessen. Qualität ist günstiger. Ein hoher Preis heißt ja allein, es wird ein hohes Maß an Verschwendung in irgendeiner Form mitbezahlt. Es werden die Wertschöpfungsketten klagloser funktionieren.

    Das ist aber ganz losgelöst von der Einkommensfrage. Eines ist schon klar, der Rest von der Welt hat ein paar Milliarden Kunden … Export wird man nicht verhindern.

    Ich versuche das so zu erklären. Hört sich absurd an. In einer globalisierten Welt steht ein Unternehmen mit allen anderen potentiell in Konkurrenz. Jeder Kauf ist ein ‚Import‘ und jeder Verkauf ist ein ‚Export‘, obwohl es in dieser Sicht kein Im- respektive Export gibt. Wobei Export und Import jetzt gemeint sind aus der vergammelnden Sicht der Nationalökonomien. Eine Nationalökonomie ist in diesem Sinne eine Interpretation in einem geographischen Kontext den Ökonomen bemühen um ein Haftungsverhältnis für das Bankensystem zu begründen und die Bürger an der Nase rumführen. Es ist im höchsten Maße Europäisch wenn man seine Löhne an die Konkurrenz anpasst oder die sich in der Mitte treffen.

    Ich verstehe schon die alte Sicht der Entscheidungsträger auf das geliebte Heimatland und die suggerierte Sicherheit in diesem speziellen geographischen Zustand. Die muss man dann insbesondere im Bankensystem zurücknehmen. In einer globalisierten Welt ist ein Staatshaftung für Banken ein Wettbewerbsverzerrung.

    In der Wirtschaft gibt es keine Nationalstaaten mehr, das ist trivial gegeben über die Globalisierung des Zahlungsmittels.

  5. Arne Kuster sagt

    „In einer globalisierten Welt steht ein Unternehmen mit allen anderen potentiell in Konkurrenz.“ – Hmm ja, wir sollten endlich mit unseren deutschen Banananplantagen die südamerikanischen platt machen.

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