Jahr: 2011

Wie das Konzept Kulturwertmark verbessert werden kann

„Die Kulturwertmark wird funktionieren“, habe ich in meinem letzten Artikel behauptet. Und warum der Chaos Computer Club (CCC) gerade jetzt ein Konzept zur Vergütung von Musik, Text und Bild im Internet vorstellt, lässt sich bei frank.geekheim.de nachlesen. Im Detail lässt sich jedoch das Konzept Kulturwertmark kritisieren und verbessern. Begründete Kritik besteht vor allem an den teilweise bürokratischen Vorstellungen, die der CCC über Einzug und Verteilung der Gelder hegt. Dass die Finanzierung über eine Abgabe pro Breitbandanschluss nicht der Weisheit letzter Schluss ist, sehen die CCC-Vertreter ja selbst. Eine Finanzierung durch laufende Steuereinnahmen ist nicht nur sozialer, sondern spart auch die Bürokratie einer zweiten GEZ (auch wenn von dieser Bürokratie nur die Netzanbieter betroffen wären, die die Abgabe einziehen). Die Stiftungen, die die Gelder an die Künstler verteilen, bekommen Einnahmensicherheit bei einer Steuerfinanzierung durch langfristige Verträge mit dem Staat . Unbrauchbar ist (da stimme ich Wolfgang Michel zu) die CCC-Idee der Vergütungsobergrenzen. Sobald ein Werk eine bestimmte Summe Kulturwertmark eingesammelt hat, sollen die Urheberrechte auslaufen. Klar, für einen 2-Stunden-Film muss diese Grenze höher liegen als für …

Die Kulturwertmark wird funktionieren

Das Problem ist dringlich, seitdem Musik, Literatur und Bild digitalisiert und über das Internet weltweit verbreitet werden: Wie bezahlen wir die Künstler, wenn in der digitalen Welt jeder ihre Werke frei und ohne Kosten kopieren kann? Wie ermöglichen wir es den Schöpfern, sich ihren Werken frei von Existenzängsten zu widmen? Die Antwort der Kulturindustrie war, die freie Kopierbarkeit der Werke durch das Strafrecht und einen im Laufe der Zeit immer ausgeklügelteren Kopierschutz (Digital Rights Management) einzuschränken. Es wurde also versucht, aus einem öffentlichen Gut ein privates und damit marktgängiges zu machen. Wer mit den ökonomischen Begrifflichkeiten nicht so firm ist: Öffentliche Güter zeichnen sich dadurch aus, dass keiner von seiner Nutzung ausgeschlossen werden kann und alle das Gut gleichzeitig nutzen können. Das klassische Beispiel ist der Deich, der vor Hochwasser schützt. Bei privaten Gütern dagegen kann der Besitzer andere von der Nutzung ausschließen. Außerdem können sie nur von einem (oder sehr wenigen) gleichzeitig genutzt werden. Das Problem bei der Privatisierung von digitalen Gütern: Die Kosten sind groß und die Einschränkungen für die Nutzer immens. Der …

Ende der Osterpause

Nach knapp zwei Wochen Osterpause geht es am Mittwoch hier mit neuen Artikeln weiter. Inzwischen gibt es ja wieder neue Themen, über die es sich zu schreiben lohnt. Als erstes werde ich mich mit den Vorschlägen des Chaos Computer Clubs zu einer Urhebervergütung beschäftigen.

Die US-Politik als Problemfall

Die Nachricht, dass die weltweit größte Rating-Agentur Standard&Poors den USA vielleicht innerhalb der nächsten zwei Jahre das Spitzenrating AAA entziehen könnte, hat an den Börsen einige Turbulenzen ausgelöst. Rund um den Globus fielen die Aktienkurse. Doch die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Entscheidung der Rating-Agentur werden begrenzt sein. Das Rating AAA bedeutet, dass Halter von US-Staatsanleihen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Geld, das sie den USA geliehen haben, wieder zurück bekommen. Aber selbst eine Herabstufung auf AA+ heißt immer noch, dass ein Ausfall bei USA-Anleihen sehr unwahrscheinlich ist. Panik ist also nicht angebracht. Dies gilt umso mehr, als die Entscheidung von S&P kein Signal an die Wirtschaft ist, sondern eines an die Politik. In der Tat kann die US-Wirtschaft ein solides Wachstum erwarten; der IWF prognostiziert 2,8 % für 2011. Auch die langfristigen Aussichten sind nicht schlecht. Und im Gegensatz zu Europa sind die demografischen Daten in Ordnung. Die Türkei zeigt, dass selbst ein BB-Rating, das spekulative Anlagen bezeichnet, ein hohes Wirtschaftswachstum nicht behindert. In der Krise befindet sich einzig und allein die US-Politik. Tatsächlich sind die …

Kostenhysterie ist völlig unangebracht

Auf allen Kanälen wird zur Zeit über die Kosten des Atomausstiegs diskutiert, so auch auf dem „Schwarzen Kanal“ von Jan Fleischhauer. Doch leider kann auch Fleischhauer keine konkreten Zahlen vorweisen. Das lässt sich auch durch unoriginelle Polemik gegen Grünen-Wähler und CDU-Ministerpräsidenten nicht wettmachen. Wenig Neues bieten auch Politiker, die das ausschließen, was ohnehin niemand erwartet oder gefordert hat. In diesem Sinne schließt Philipp Rösler (FDP) Steuererhöhungen aus und Norbert Barthle (CDU) ein neues Sparpaket. Für den Bund fallen durch einen vollständigen Atomausstieg jährlich 2,3 Milliarden € Brennelementesteuer weg. Das ist ein überschaubares Finanzierungsproblem. Mit den Kosten des Atomausstiegs hat die Brennelementesteuer wenig zu tun. Die Kosten des Atomausstiegs ergeben sich aus den Kosten für den Aufbau neuer Kraftwerkskapazitäten, die die Atommeiler ersetzen sollen, bevorzugt Windkraftanlagen (auf See), Gaskraftwerke und Pumpspeicherwerke, die für einen Ausgleich der ungleichmäßigen Windstromerzeugung sorgen. Da allerdings die Atommeiler sowieso irgendwann ersetzt werden müssten, handelt es sich immer nur um vorgezogene Kosten. In den Jahren 2019-2036, wenn nach zur Zeit noch aktueller Gesetzeslage die AKWs abgeschaltet werden sollen, fallen dafür weniger an. …

Warum die Kritiker der EZB daneben liegen

Die EZB musste sich aufgrund ihrer Zinserhöhung von letzter Woche einige Kritik aus dem In- und Ausland gefallen lassen. Stellvertretend für die deutschen Wirtschaftsblogger nenne ich mal hier Kantoos und stellvertretend für amerikanische Wirtschaftsprofessoren Paul Krugman. Mich überzeugen diese Kritiken nicht und ich will darlegen warum. Aber eines vorweg: Mir wurde ja hier schon mal in den Kommentaren Inflationsparanoia vorgeworfen. Ich glaube allerdings, dass meine Sorge vor einer Geldentwertung kein Zeichen einer krankhaften Psyche ist, sondern Ausdruck eines sozial mitfühlenden Geistes. Eine Inflation von 5 % bedeutet nichts anderes, als dass etwa Hartz-IV-Empfänger, deren Sätze nur einmal im Jahr an die Inflation angepasst werden, nach 11 Monaten real 4,4 % weniger zum Leben haben. Wer Inflation toleriert, möchte, dass unsere Staatsschulden von den Ärmsten abbezahlt werden. Nun aber zu Kantoos. Sein wichtigstes Argument ist eine hübsche Trendlinie für das nominale Bruttoinlandsprodukt der Eurozone mit einem Anstieg von 4 % jährlich. Seit Beginn der letzten Wirtschaftskrise liegt das tatsächliche nominale BIP 8-10 % unterhalb dieses angeblichen Trends. Die EZB müsse nun dafür sorgen, den Trend wieder einzuholen. Nur dann werde …

Wer hat die gläserne Decke eingezogen?

Wenn zur Zeit über die Frauenquote diskutiert wird, ist viel von der gläsernen Decke die Rede. Gemeint ist eine unsichtbare Hürde, die verhindert, dass Frauen in die oberste Konzernspitze aufsteigen. Was sind allerdings die Ursachen dieser Hürde und wer hat sie aufgestellt? Für die meisten Frauen liegt die Erklärung auf der Hand: Männer behinderten und diskriminierten karrierewillige Frauen in den Unternehmen. Die Männer an der Spitze begünstigten Männer als Kollegen oder Nachfolger. Für die Frauen ist diese Erklärung sehr bequem: Sie können alle Schuld von sich weisen und sich in ihrer klassischen Opferrolle suhlen. Das macht aber skeptisch gegenüber dieser Erklärung genauso wie ihre Parallele zu gängigen Verschwörungstheorien. Und in der Tat, um die gläserne Decke zu erklären, gibt es genug andere Ursachen, man braucht die Theorie von der „latenten“ Frauendiskriminierung nicht. In einem Artikel für den Harvard Business Manager im März 2009 hat die Managementtrainerin Monika Henn bereits mehrere wissenschaftlich-statistisch belegte Gründe genannt, warum Frauen in den Spitzenpositionen eindeutig unterrepräsentiert sind. Das Problem – diese Gründe liegen meistens an den Frauen selbst: Während Männer …

Der Euro-Rettungsschirm hilft dem Euro nicht

Claudia Aebersold Szalay macht es in der NZZ klar: Es geht überhaupt nicht um den Euro beim milliardenschweren „Euro-Rettungsschirm“ (offiziell Europäischer Stabilisierungsmechanismus ESM). Über Wohl und Wehe des Euros entscheide allein die Politik der Europäischen Zentralbank EZB. In der Tat hat die gesamte Schuldenkrise nur vorübergehend am Außenwert des Euros gekratzt. Gegenüber dem Dollar ist er seit Juni letzten Jahres wieder im Aufwind und selbst gegenüber dem Schweizer Franken ist er seitdem einigermaßen stabil. Nicht so gut sieht es beim Binnenwert des Euros aus. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag nach ersten Schätzungen im März bei 2,6 %. Damit hat die EZB ihr Inflationsziel von maximal 2 % inzwischen deutlich verfehlt. Es gibt allerdings überhaupt keinen volkswirtschaftlichen Automatismus, nach dem die Schuldenprobleme eines Staates zu einer Geldentwertung führen. Die Schuldenprobleme werden nur dann zu Inflationsproblemen, wenn die Geldpolitik dies zulässt. Konkret, wenn die Zentralbank bereit ist, Geld „zu drucken“, damit ein Staat seine Schulden zurückzahlen kann. Und leider hat sich die EZB dazu hinreißen lassen. Der Sündenfall der EZB begann mit dem Ankauf von Staatsanleihen aus den …

Kosten des schnellen Atomausstiegs: Wie SPON seine Zahlen korrigiert

In meinem ersten Artikel zu den Kosten eines schnellen Atomausstiegs habe ich Spiegel Online vorgeworfen, Kosten, die für einen schnellen Atomausstieg bis 2020 anfallen, und Kosten, die für den ohnehin notwendigen und geplanten Klimaschutz anfallen miteinander zu vermengen. Kurz darauf korrigierte SPON seine Zahlen. In der neuen Version des Artikels werden die Kosten des schnellen Atomausstiegs mit nur noch 167 Milliarden € statt mit 233 Milliarden € angegeben. SPON begründet die Korrektur damit, dass die zuerst genannte Zahl auch Investitionen für den Wärmebereich beinhaltete, dieser aber für die Frage Atomausstieg irrelevant sei. Nebenbei sind in der neuen Version des Artikels noch andere Zahlen korrigiert: Statt 13 Milliarden Kosten, die den Verbrauchern im vergangenen Jahr durch Solarenergie angeblich anfielen, sind es nun nur noch 9 Milliarden. Wirtschaftswurm-Leser wissen, dass auch die neue Zahl nicht die Kosten wiedergibt, da auf der anderen Seite die erneuerbaren Energien für nicht berücksichtigte Einsparungen in Höhe von 3,6 bis 4 Milliarden € gesorgt haben. Der prognostizierte Anstieg des Stromhandelsgroßpreis durch die Verteuerung von CO2-Zertifikaten dieses Jahr beträgt nun nicht mehr 2,7 …

Schlimm ist das neue Normal

Ich erlaube mir mal, einen SPON-Titel abzukupfern. Denn unter dem Titel „Schlimm ist das neue Normal“ beschreibt Stefan Kuzmany die Gewöhnung von Menschen und Medien an den Katastrophenzustand in Fukushima: „Vor einigen Tagen hätte es empfindliche Menschen hierzulande wohl noch den Schlaf gekostet, zu wissen, dass die Strahlenwerte im Meer vor Fukushima 3355fach über dem Normalwert liegen. Heute nehmen wir solche Meldungen achselzuckend zur Kenntnis.“ Warum ist das so? – Zum einen, weil wir uns innerlich bereits auf den schlimmsten Fall eingestellt haben , den unser Vorstellungsvermögen fassen kann. Mehr geht nicht, zumindest nicht in unserem Kopf, in der Realität natürlich schon. Oder wer kann sich eine 23 m hohe Tsunamiwelle vorstellen? – Zum anderen reagieren wir nur noch mit einem Achselzucken, weil wir eh schon lange den Überblick verloren haben. Und genauso sieht es auch im Falle der Euro-Schuldenkrise aus. Selbst mir war es in letzter Zeit zu müßig, die Milliarden und Abermilliarden zusammenzuzählen, die uns diese Krise kosten könnte. Wir steuern ohnehin auf eine Katastrophe zu. Glücklicherweise wurde ifo-Chef Hans-Werner Sinn (vielleicht, weil er …

Ein Blick ins Interne

Das erste Quartal 2011 ist zu Ende und das ist eine gute Gelegenheit, einmal die Zugriffsstatistik dieses Blogs genauer anzuschauen. Google Analytics gibt mir für die drei Monate Januar bis März 5488 Besuche an und 8488 Seitenaufrufe. Dafür, dass dieses Blog erst gut sieben Monate alt ist, kann ich mit den Zahlen zufrieden sein. Gegenüber dem vorangegangenen Quartal ergibt sich immerhin mehr als eine Verdoppelung der Seitenaufrufe und auch innerhalb des Quartals war die Entwicklung positiv: von 1733 Seitenaufrufe im Januar über 2648 im Februar zu 4107 im März. Möge es so weitergehen. Die beliebtesten Seiten in den letzten drei Monaten waren: Merkel gegen alle Experten: 1040 Seitenaufrufe Kosten des schnellen Atomausstiegs: Wie die von SPON genannten Horrorzahlen zusammenschrumpfen: 452 Seitenaufrufe Wirtschaftswachstum mal langfristig (ein Klassiker vom letzten November): 450 Seitenaufrufe Angewandte Rechenkünste und der Euro-Rettungsschirm: 433 Seitenaufrufe Mit gewissem Abstand folgen: Hartz IV: Es bleibt bei 5 Euro mehr, Euro-Mythos: Ein Blick in die Geldbörse genügt sowie Kein Schreckensszenario: Deutschland ohne Euro. Für mich interessant ist natürlich, woher die Besucher kamen: Immerhin 15,7 % …