Warum Sarrazin Recht hat, obwohl seine Thesen indiskutabel sind

Eine „intensive Debatte über Integrationspolitik in unserem Land“ soll, wenn es nach Andrea Nahles und anderen Politikern geht, nun stattfinden. Und es ist wirklich besser, wenn ohne Thilo Sarrazin debattiert wird. Damit meine ich nicht, dass ich Sarrazins Entlassung als Bundesbankvorstand gutheiße. Der Finanzfachmann hätte sich von vornherein besser auf Risiko-Controlling und Revision bei der deutschen Zentralbank konzentriert, denn seine Thesen zur Intelligenz von Einwanderern und deren Nachkommen führen in der Integrationsdebatte nicht weiter.

Eine bessere Grundlage für die Integrationsdebatte bildet meiner Meinung nach der Begriff des sozialen Kapitals, den z. B. Sebastian Braun für die Bundeszentrale für Politische Bildung in seiner ganzen Spannweite gut beschreibt. Leider kommt man aber auch bei einer solchen Betrachtung zu einer negativen Bewertung von Einwanderung.

Was bedeutet „soziales Kapital“? Soziales Kapital bildet – vereinfacht gesagt – vor allem ein Maß für das Vertrauen, die Hilfsbereitschaft und das gemeinschaftliche Engagement, die in einer Gesellschaft herrschen. Das soziale Kapital kann von Land zu Land und innerhalb von Ländern sehr unterschiedlich sein. Und es ist wirtschaftlich produktiv. Für Länder mit hohem sozialen Kapital ist wirtschaftliche Entwicklung einfacher.

Und hier sind wir dann bei der Integrationsdebatte. Der Zusammenhang wird übrigens gut in einem Artikel auf sueddeutsche.de behandelt. Robert Putnam, einer der Vordenker in der Debatte um soziales Kapital, veranschaulicht das Problem so: „Wir verhalten uns wie Schildkröten, angesichts von menschlicher Unterschiedlichkeit verstecken wir uns.“ Putnams Studien belegen: in einem Stadtteil mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten neigt der Mensch nicht dazu, die Multikulti-Vielfalt zu genießen, sondern sich als Fremder unter Fremden misstrauisch abzuschließen: Hilfsbereitschaft, Engagement und auch das Vertrauen in öffentliche Einrichtungen, das diese aber für ihr Funktionieren brauchen, sinken. Und dieser Rückgang des sozialen Kapitals hat schließlich auch wirtschaftliche Folgen.

Sarrazins Angst, Einwanderung schade uns mehr als sie nütze, ist also nicht unbegründet, wenn auch nicht, weil Deutschland durch sie verdumme. Auch sollte es möglich sein, eine aktive Integrationspolitik zu entwickeln, die den negativen Folgen der Einwanderung, dem Verfall des sozialen Kapitals, entgegen wirkt. Nur Leute ins Land holen und ihnen Arbeitsplätze zu geben, wird allerdings nicht reichen.

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