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Austritt aus der Eurozone – ja und?

Solche Artikel gab es ja schon häufiger seit Beginn der Eurokrise. Gigantische Verluste werden Deutschland in Aussicht gestellt, sollte es die Eurozone verlassen. Nach einer kritischen Analyse bleibt aber hauptsächlich die Seriösität der Autoren auf der Strecke.

Ich habe bereits gegen den SPON-Autor Sven Bölls unter dem Titel “Kein Schreckensszenario: Deutschland ohne Euro” und gegen eine UBS-Studie unter dem Titel “Wie viel kostet der Euroaustritt wirklich?” geschrieben. Nun also Die Welt mit einem Artikel von Jörg Eigendorf und Tobias Kaiser. Man merkt schnell, dass beide kein abwägendes Pro und Kontra betreiben. Ihr Artikel dient der Abschreckung von Euroskeptikern.

Zum Beispiel bringen die Autoren einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands, Irlands oder Portugals mit einem Euroaustritt Deutschlands in Verbindung. Das ist Unfug. Es ist eher so: Ein Euroaustritt Deutschlands würde es diesen Staaten erleichtern, ihre Zahlungsverpflichtung zu erfüllen. Ihre Schulden lauten ja in Euro und würden damit an Last verlieren, wenn – so das Szenario – nach einem Austritt Deutschlands der Euro gegenüber der neuen D-Mark abwertet.

Eigendorfs und Kaisers Angstszenario steht und fällt ansonsten mit der behaupteten starken Aufwertung der neuen D-Mark gegenüber dem (Rest-)Euro. So etwa, wenn sie eine starke Belastung der deutschen Exportwirtschaft vorhersagen. Warum jedoch eine extreme Aufwertung der D-Mark aus aktueller Sicht unwahrscheinlich ist, habe ich bereits im Beitrag “Zusammenbruch der Eurozone – ja und?” dargelegt und möchte ich darum nicht wiederholen. Tatsächlich ist nur eine mäßige Aufwertung zu erwarten.

Aber lassen wir uns trotz des Vorbehalts weiter auf Eigendorfs und Kaisers Szenario ein. Dann ist erst einmal festzuhalten, dass eine Aufwertung der eigenen Währung die Kaufkraft der Bevölkerung stärkt. Importe werden billiger. Dieser Hinweis fehlt im Welt-Artikel ganz.

Richtig ist nun, dass die 2.000 Milliarden € Forderungen, die Staat, Banken und Unternehmen ans Ausland haben, wertberichtigt werden müssen (in dem Maße, in dem der Euro und die anderen ausländischen Währungen gegenüber der neuen D-Mark an Wert verlieren). Das ist ein echter Verlust durch die D-Mark-Einführung. Gleiches gilt natürlich für das Geldvermögen privater Haushalte im Ausland.

Die Auslandsforderungen der Lebensversicherungen sind übrigens schon in den oben genannten 2.000 Milliarden enthalten. Eigendorf und Kaiser machen sie trotzdem zu einem gesonderten Punkt. Im Übrigen gilt für die Auslandsforderungen oftmals, was ich weiter oben zu den Forderungen an die Staaten Griechenland, Irland und Portugal gesagt habe: Eine Abwertung macht sie sicherer, ein Ausfall wird unwahrscheinlicher.

Anders sieht es mit den Targetforderungen der Bundesbank aus. Dass sie bei einem Zusammenbruch des Euros ein Problem darstellen, habe ich im letzten Artikel beschrieben. Das gilt umso mehr bei dem von Eigendorf und Kaiser unterstellten einseitigen Austritt Deutschlands aus der Währungsunion, denn, Zitat Hans-Werner Sinn: “Wenn Deutschland austritt, verletzt es den Vertrag über die Währungsunion und kann keinerlei Forderungen an das Euro-System mehr geltend machen.”

Nun, es gibt Kompensationsmöglichkeiten. Ein Großteil der Targetforderungen ist ja durch Kapitalflucht aus der Eurozone nach Deutschland entstanden. Es ist demnach naheliegend, dass die Kapitalflüchtigen zumindest einen Teil der Verluste aus diesen Targetforderungen tragen. Hierzu werden ihre Geldeinlagen bei deutschen Banken nicht in harte D-Mark umgestellt, sondern bleiben weiche Euros. Das beträfe alle, die ihren ersten Wohnsitz nicht in Deutschland haben. Die Gewinne der Banken aus der Nicht-Umstellung könnten letzlich bei der Bundesbank verbucht werden und so den Ausfall ihrer Target-2-Reserven kompensieren.

Eine Ungleichbehandlung von Inländern und Ausländern bei der Einführung einer neuen D-Mark ist nicht ungerecht. Denn so erst werden etwa Griechen, die ihr Erspartes nach Deutschland abgezogen haben, mit Griechen, die es im Land gelassen haben, gleichbehandelt.

Eigendorf und Kaiser beschwören natürlich auch eine neue Bankenkrise herauf. Als ob die alte schon vorbei wäre. Ich erspare mir eine Kritik und verweise (mal wieder) auf meinen Beitrag zu den “good banks“.

Ob die großen Unsicherheiten durch einen Euro-Austritt zu einer neuen Rezession führen? Nun, die Wahrscheinlichkeit ist sicher nicht höher, als dass die Unsicherheiten bei einem Verbleib im Euro zu einer neuen Rezession führen.

Und ein letzter Punkt noch: Eigendorf und Kaiser erwähnen neben den Verlusten bei Auslandsforderungen auch die Abschreibungen für Auslandsinvestitionen wie Fabriken, Immobilien usw. bei einer Aufwertung der neuen D-Mark. Nun, das sind reine Buchverluste, die Anlagen selbst bleiben ja und bleiben produktiv. Durch entsprechende Buchungsvorschriften für die Aufstellung einer D-Mark-Eröffnungsbilanz eines Unternehmens wird man verhindern können, dass Firmen durch solche Buchverluste in eine Schieflage geraten.

Fazit: Ein einseitiger Austritt Deutschlands aus der Eurozone ist sicherlich nicht der Königsweg. Die Frage ist allerdings, was eine realistische Alternative ist. Die Kosten einer Schulden- und Transferunion werden für Deutschland höher sein.