Alle Artikel mit dem Schlagwort: Deutschland

Entwicklungen im deutschen Warenhandel 2000-2011 – Teil 1: Der Bedeutungsverlust Europas

Die Bertelsmann-Stiftung hat ein neues, frei zugängliches, interaktives Online-Tool entwickelt, das sie GEDVIZ nennt. Man kann damit sehr schön nachvollziehen, wie sich Austauschbeziehungen zwischen den Ländern verändern. Ich habe es mal benutzt, um einige interessante Entwicklungen im deutschen Warenhandel in den Jahren 2000-2011 aufzuzeigen. Die Bedeutung Europas Insgesamt kann man die Warenhandelsströme zwischen 46 Staaten mit GEDVIZ analysieren und visualisieren. Einbezogen sind alle OECD-Staaten, alle EU-Staaten sowie die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Bisher sind Daten für die Jahre 2000-2011 in GEDVIZ verfügbar. Das ermöglicht schon einmal einen Vergleich der Entwicklungen vor und nach der Zäsur, die die Finanzkrise 2008 bedeutete. Meine erste Frage, die GEDVIZ beantworten sollte, war: Wie hat sich die Bedeutung Europas als Herkunftsregion deutscher Einfuhren und Zielregion deutscher Ausfuhren zwischen 2000 und 2011 entwickelt? Die Antwort liefert Präsentation 1 mit sechs Folien. Zwischen den Folien kann man übrigens unten links hin- und herschalten. Beim Überfahren einzelner Elemente mit der Maus werden zusätzliche Infos angezeigt. Im Jahr 2000 hatte der deutsche Warenexport in die 45 anderen Länder des Datensatzes einen Wert …

Ökonomenblogparade ÖBP: Ursachen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

Wie entsteht internationale Wettbewerbsfähigkeit? Oder um mit Michael Porter zu fragen: „Warum haben einige Länder im internationalen Wettbewerb Erfolg, und warum scheitern andere?“ Mich interessieren diese Fragen speziell am Beispiel Deutschland und darum möchte ich eine Blogparade zum Thema starten. Meine Frage an alle Wirtschafts- und Finanzblogger lautet also: Was ist die Ursache der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands? Ist es Hartz-IV, der Euro oder das deutsche Bildungssystem? Liegt es am deutschen Fleiß, an einer klugen Politik, guter Infrastruktur oder ist es historischen Umständen geschuldet? Bitte schreibt zu diesem Thema einen Beitrag in eurem Blog und verlinkt den hier in den Kommentaren zu diesem Artikel. Alle Beiträge, die bis zum 31.7 veröffentlicht werden, werde ich dann Anfang August hier im Blog im Finale der Blogparade besprechen. Auch wer der Meinung ist, Deutschland sei gar nicht so wettbewerbsfähig, kann natürlich an der Blogparade teilnehmen; der schreibt dann bitte über die Ursachen der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Ein bisschen Theorie Internationale Wettbewerbsfähigkeit ist ein immer wieder heftig diskutiertes Thema. Angesichts der Tatsache, dass heutzutage unsere Volkswirtschaften stark vom internationalen Handel …

Wer kann sich das Öl noch leisten?

Während die Ölpreise von 1998-2010 stiegen, hat sich die Nachfrage nach Öl verlagert. Europa spielt beim Ölverbrauch eine immer geringere Rolle. Wer kann sich noch daran erinnern? 1998. Damals gab es noch die gute, alte DM und Öl war so billig wie noch nie seit der ersten Ölkrise – und wie nie wieder seitdem und wohl für alle Zeiten. Das Fass Erdöl (entspricht etwa 160l) wurde mit 12,72$ gehandelt. Auch wenn man das in Preisen von 2010 umrechnet, sind das nur 17,01$. Der Liter Diesel kostete 1 Mark und 18 Pfennig. Die einzigen, die damals die Glückseligkeit störten, waren die Grünen, wollten die doch einen Preis von 5 DM pro Liter Benzin. Sie erlebten einen Shitstorm, obwohl es Twitter noch gar nicht gab. Seitdem ist der Ölpreis nur gestiegen, sieht man von den Krisenjahren 2001 und 2009 ab. 2010 lag er bei 79,50$ für das Fass. Gleichzeitig ist der weltweite Ölverbrauch gestiegen. Wurden 1998 74,101 Millionen Fass Öl am Tag verbraucht, waren es 2010 87,382 Millionen. Das sind 18% mehr. Kommen wir nun zur Verschiebung …

Deutschland, das Wirtschaftswunderland?

In meinem Artikel „Wirtschaftswachstum mal langfristig“ musste ich Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Unter den 25 größten Volkswirtschaften wies es das drittniedrigste langfristige Wirtschaftswachstum auf. Umso erstaunter war ich natürlich, dass „The Economist“ bei einer langfristigen Wachstumsbetrachtung zu einer genau gegenteiligen Einschätzung gekommen ist. Die Briten sprechen vom deutschen „Vorsprung“. Wie das? Die Briten betrachteten den Zeitraum 2000-2010 (statt 1999-2009) und bezogen so das für Deutschland günstige letzte Jahr mit ein. Das dürfte allerdings die Daten nur geringfügig ändern. Außerdem vergleichen sie nur die G7-Staaten; das ist ein relativ schwaches Wettbewerbsumfeld. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass „The Economist“ das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf analysiert, während ich die Gesamtsumme herangezogen habe. Tatsächlich ging die Bevölkerung in Deutschland leicht zurück, während sie in den anderen G7-Staaten stieg. Das wirkt sich natürlich günstig auf das deutsche BIP pro Kopf aus. Die Frage ist nun, was einen interessiert. Das BIP eines Staates ist ein recht guter Indikator für wirtschaftliche Macht und Einfluss. Hier muss ich nichts zurücknehmen: Deutschlands wirtschaftliche Potenz hat sich nicht gut entwickelt. Das BIP pro Kopf …

Erzwingt die Schuldenbremse eine Negativspirale nach unten? (I)

In seinem Plädoyer gegen die deutsche Schuldenbremse („Schuldenbremse“ als Politikverzicht) rückt Klemens Himperle ein paar Sachen zurecht, die gerne in Talkshows falsch dargestellt werden. Es reicht allerdings nicht, die Schuldenbremse abzulehnen, denn ein „Weiter so wie bisher“ geht genauso wenig. Der über Jahrzehnte unaufhörliche und anscheinend durch nichts zu beeinflussende Anstieg der Bundesschulden ist zu beängstigend. Doch der Reihe nach. Bekanntlich schreibt die deutsche Schuldenbremse vor, dass der Bund die Nettokreditaufnahme ab 2016 auf 0,35 % des BIPs begrenzt, die Länder dürfen ab 2020 ihren Schuldenstand überhaupt nicht mehr erhöhen. Bei schweren Rezessionen und Naturkatastrophen sind Ausnahmen möglich. Richtig an Himperles Darstellung ist nun, dass Staatsschulden die Generationengerechtigkeit nicht verletzen. Die nachfolgende Generation erbt nicht nur die Schulden, sondern auch die Forderungen. Dies gilt zumindest, solange sich der Staat bei Inländern verschuldet. Richtig ist aber auch, dass die Zinszahlungen für die Schulden hauptsächlich den Reichen zugute kommen. Staatsschulden bewirken also eine Umverteilung von unten nach oben. Jeder der das nicht will, sollte skeptisch sein, wenn sich der Staat verschuldet. Davon ist bei Himperle leider zu wenig …

Wirtschaftswachstum mal langfristig

Als Wirtschaftswurm lebe ich ja in einer Welt der Zahlen: die Arbeitslosenzahlen vom Oktober, die Außenhandelszahlen des dritten Quartals, Daten über die Industrieproduktion oder die Staatsschulden, dazu jeden Tag neue Wechselkurse. Und schließlich die Zahl der Zahlen, das Bruttoinlandsprodukt (kurz BIP) oder frei nach Tolkien im „Herr der Ringe“: Die Zahl sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Die Wirtschaftsmedien quillen über vor Zahlen. Veröffentlicht werden Monats- und Quartalszahlen, manchmal auch Jahresdaten. Doch bei langfristigen Daten herrscht Fehlanzeige. Auch im Internet ist es schwer, langfristige Zahlen selbst über das Bruttoinlandsprodukt zu finden. Wer langfristig denken will, muss sie darum selbst ausrechnen. Und das habe ich gemacht. Achtung! Dieser Artikel ist veraltet. Es gibt einen aktualisierten und erweiterten Artikel: Wirtschaftswachstum und Lebensstandard langfristig gesehen (2004-14) Ich habe für die 25 Staaten mit der größten Wirtschaft (dem größten BIP in US-$ 2009) das Bruttoinlandsprodukt des vergangenen Jahres, also 2009, mit dem von 1999 verglichen.  Grundlage waren die Daten des IWF. Ausgerechnet habe ich die 10-Jahres-Wachstumsrate 1999-2009 und herausgekommen ist …