Alle Artikel mit dem Schlagwort: Eurozone

Können die schwachen Eurostaaten von einer Euroinflation profitieren?

Die Deutschen werden mürbe gemacht. Auf immer mehr Kanälen wird die Abkehr von einer gegen Inflation gerichteten Geldpolitik gefordert. Eine Euroinflation ist aber nicht geeignet, die Probleme der wirtschaftsschwachen Südländer zu lösen. Das Argument ist nicht neu, Paul Krugman vertritt es seit längerem, auch im Blog Kantoos ist es populär: Die Inflation in der Eurozone sollte steigen, um den wirtschaftsschwachen Euro-Südländern zu helfen. Es geht den Inflationsbefürwortern dabei nicht darum, die Staatsschulden wegzuinflationieren. Ihr Anliegen ist das noch wichtigere Problem der Mittelmeerländer: ihre mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit. Ein wirksamer Weg zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit ist, die Preise zu senken. Dazu müssen allerdings auch die Löhne sinken. Dieser Weg erfordert lange Verteilungskämpfe zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern mit Arbeitslosigkeit. Herrscht allerdings Inflation, reicht es zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, wenn die eigenen Preise gleich bleiben. Auch die Löhne können (nominal) gleich bleiben. Wettbewerbsfähigkeit stellt sich ein, indem die Preise der anderen steigen. Wählt die Eurozone mit Blick auf Griechenland und die anderen Südländer den Inflationsweg, hat das nur zwei große Probleme: Steigen die meisten Preise, sinkt die Kaufkraft (sinken …

War der Euro wirklich so stabil?

Bei der Verleihung des Aachener Karlspreises wurde (es war nicht anders zu erwarten) das Hohelied auf die Stabilität des Euros gesungen – nicht zuletzt vom Preisträger selbst, dem EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet. In seiner Dankesrede sagte er: „In den ersten zwölf Jahren nach der Euro-Einführung betrug die durchschnittliche jährliche Inflationsrate 1,97 %. Dieser Wert steht in vollem Einklang mit der Definition von Preisstabilität der Europäischen Zentralbank (EZB): eine Preissteigerungsrate von unter, aber nahe 2 % auf mittlere Sicht.“ Nun, nachts sind alle Katzen grau – und im Durchschnitt sind sie es auch. Ob die Europäer tatsächlich mit dem Euro zufrieden sein können, entscheidet sich nicht an Durchschnittswerten, sondern an der Preissteigerung vor Ort. Schauen wir uns darum die nationalen Zahlen seit Einführung des Euro-Bargeldes (2002) an. Lassen wir die kleinen Länder außer Acht und berücksichtigen nur die mit mehr als 4 Millionen Einwohnern. Das sind zwölf: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien sowie ab 2009 die Slowakei. Es geht also von 2002-2010 um 101 Daten über die durchschnittliche jährliche Preissteigerung . Wie …

Deutsche Lohnpolitik ist nicht auf Kurs

Anfang April verkündete die IG Bergbau Chemie Energie noch ein erkleckliches Lohnplus von 4,1 % für die Beschäftigten der Chemiebranche und das Handelsblatt warnte bereits vor einem Lohn-Wettlauf. Die Frankfurter Rundschau ließ jedoch bei zwei Quellen nachrechnen und danach bleiben magere 2,0 % Lohnplus. Der Grund: Die Einmalzahlung vom letzten Jahr fällt nun weg. Die neue Lohnerhöhung muss diesen Wegfall erst einmal ausgleichen. Damit müssen die Chemiebeschäftigten trotz Wirtschaftsaufschwung einen Reallohnverlust hinnehmen. Denn die Verbraucherpreise dürften nach bisherigen Schätzungen in diesem Jahr um 2,4 % steigen. Und verwundern würde es nicht, wenn es am Ende noch mehr würden. Offensichtlich sind auch starke Gewerkschaften in boomenden Branchen momentan nicht fähig, angemessene Lohnzuwächse auszuhandeln. Ein wichtiger Grund ist die Konkurrenz durch Leiharbeit und Leiharbeiter. Auch scheinen die Gewerkschaftsspitzen die ganzen Probleme um den Euro und die sich daraus ergebenden Inflationssorgen auszublenden. Vielleicht auch ein Fall ideologischer Befangenheit? Und nun bin ich an dem Punkt, an dem ein Artikel über Lohnpolitik zu einem Artikel über die Eurozone und Griechenland wird. Das lässt sich in der heutigen Zeit wohl kaum …

Kein Bürgerkrieg in Griechenland, aber das Land wird trotzdem ausbluten

Hans-Werner Sinn ist nicht nur Ökonom, er kann auch Sachen auf den Punkt bringen: Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte er: „Wenn Griechenland aus dem Euro austräte, könnte es abwerten und wettbewerbsfähig werden.“ Und weiter: „Wenn Griechenland dagegen eine sogenannte interne Abwertung in dem nötigen Umfang von 20 bis 30 Prozent im Euroraum durch Kürzung von Löhnen und Preisen versuchte hinzukriegen, geriete es an den Rand des Bürgerkriegs.“ Sinn gibt damit nicht atemberaubend Neues zu Protokoll, das ist auch nicht seine Absicht. Er gibt nur grundlegende Lehrbuchökonomie wieder. Danach gibt es zwei Lösungen, wenn eine Volkswirtschaft nicht international wettbewerbsfähig ist: Man macht ihre Produkte billiger, entweder indem man die eigene Währung abwertet (was im Falle Griechenlands eine eigene Währung voraussetzt) oder indem man die Löhne und Kosten kürzt. Einen dritten Weg zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit gibt es nicht. Indem Griechenland eine Währungsabwertung bislang ausschließt, setzt es auf Lohnkürzungen. Während die allerdings bei Staatsbediensteten noch verhältnismäßig einfach durchzusetzen sind, wird es bei den Beschäftigten im privaten Sektor schwierig. In der Praxis kann man Lohnkürzungen und …

Merkel gegen alle Experten

In einer Demokratie hat die Politik formal das Recht, gegen eine Mehrheit der Experten zu entscheiden, selbst wenn diese überwältigend ausfällt. Es fragt sich allerdings, ob eine solche Entscheidung verantwortbar ist. Konkret muss sich das Bundeskanzlerin Merkel fragen. Sie will einen dauerhaften Rettungsschirm für finanzschwache Euroländer und im Gegenzug möchte sie einen „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“, der die Euroländer zu Haushaltsdisziplin nach deutschem Vorbild anhält. Das Problem: 91 % der deutschen Volkswirtschaftsprofessoren sind gegen diese Pläne, nämlich 189 von 207 im Online-Plenum der Ökonomen. Die Professoren bezweifeln die Wirksamkeit des geplanten Paktes für Wettbewerbsfähigkeit. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Euro-Stabilitätspakt geben ihnen dabei Recht. Zum einen haben sich immer politische Wege gefunden, den Stabilitätspakt zu umgehen. Ein verschärfter Stabilitätspakt wird die Politik in dieser Hinsicht nur einfallsreicher machen. Zum anderen hat auch die Einhaltung des Stabilitätspaktes nicht unbedingt vor einer Schuldenkrise bewahrt. Das zeigt Irland, das bis zum Zusammenbruch seiner Banken eine vorbildliche Haushaltspolitik durchführte. Statt auf eine EU-Regelung setzen die Professoren auf dezentrale, demokratische Entscheidungen in den einzelnen Ländern. Sie setzen darauf, dass die Politiker …

Wirtschaftstheorie statt Europa-Ideologie

Der Euro war von Anfang an ein rein politisches Projekt, um nicht zu sagen, ein rein ideologisches. Für Helmut Kohl, der 1992 für Deutschland den Maastricht-Vertrag zur Einführung des Euro unterzeichnete, spielten wirtschaftliche Aspekte bei wichtigen Entscheidungen immer nur eine untergeordnete Rolle. Das zeigte sich bereits im Vereinigungsprozess, das zeigte sich abermals bei der europäischen Währung. Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Vorteile des Euros. Die Umtauschkosten fallen weg, ebenso das Risiko von Auf- und Abwertungen, das vor allem Importeure und Exporteure zu tragen haben. Die wirklichen Umtauschkosten sind jedoch im Zeitalter digitaler Überweisungen minimal. Und mit Auf- und Abwertungen hat man zu leben gelernt. Dass die wirtschaftlichen Vorteile des Euros nicht allzu groß sein können, zeigt sich auch daran, dass seit Einführung des Euros der Handel Deutschlands mit den anderen Euroländern nicht markant gestiegen ist. Der Anteil der Eurozone an den Ein- und Ausfuhren ist sogar seit 1999 etwas gesunken. Mag der Euro wenig genutzt haben, im ersten Jahrzehnt seines Bestehens hat er uns scheinbar auch wenig gekostet. Doch die Rechnungen waren bereits geschrieben, sie …

Angstmacher Jens Witte

Was wäre, wenn? Darüber lässt sich natürlich immer trefflich streiten. Aber was Jens Witte auf SPON über den „D-Mark-Alptraum“ schreibt, ist teilweise haarsträubend unplausibel. Darüber muss man streiten. Aber eines vorweg: Wie im Artikel „Euro am Ende?“ geschrieben, glaube ich nicht an den großen Euro-Zusammenbruch und die Wiedereinführung der D-Mark, sondern an einen kleinen Euro-Zusammenbruch, das Ausscheiden von Spanien, Portugal und Griechenland aus der Eurozone. Die Wirtschaft dieser Länder läuft nicht im Eurotakt, darum müssen sie raus. Mein Szenario unterstellt allerdings eine gewisse Einsichts- und Lernfähigkeit der Politiker. Ich hoffe einfach, dass die europäischen Politiker früh genug erkennen, dass man sich von den drei Mittelmeerländern verabschieden muss. Sollten die Politiker aber tatsächlich noch dümmer sein als angenommen und sollten sie zulange an einem 16-Länder-Euro festhalten, dann könnte es vielleicht wirklich irgendwann für den Euro insgesamt zu spät sein. Dann wird er uns um die Ohren fliegen. Aber selbst das wäre nicht die große Katastrophe, die Jens Witte im Artikel „D-Mark-Alptraum“ an die Wand malt. Gehen wir mal seine Thesen durch: „Eine neue Währung kostet viel …