Wirtschaftswurm-Blog

Einspeisevergütung unter Beschuss (Teil I)

übernommen aus Wirtschaftswende vom 2. 9.2009

Über die Einspeisevergütung für Solarstrom wird gegenwärtig wieder heftig gestritten (z.B. auf den Nachdenkseiten oder bei Egghat). Auch ich habe bereits etwas dazu geschrieben. Anlass der Diskussion ist eine neue Studie des Essener RWI-Instituts, nach der die Einspeisevergütung für Solarstrom die Stromverbraucher insgesamt 77 Milliarden Euro kosten wird. Aufsummiert sind hier die Vergütungen, die die Erzeuger von Solarstrom im Zeitraum 2000-2033 bekommen. Auch die Vergütungen für Strom aus Anlagen, die noch nicht existieren, aber Prognosen zufolge bis 2013 gebaut werden, sind schon inbegriffen.

Bezeichnend ist, dass erst einmal eine Zahl in die Welt gesetzt wird, ohne die Studie gleichzeitig vollständig zu veröffentlichen. So lässt sich bisher nicht wirklich nachprüfen, wie die Zahl von 77 Milliarden zustande kommt. Allerdings gibt es eine alte RWI-Studie, die schon vor 2 Jahren Vergütungen von 73,5 Milliarden für alle bis 2010 gebauten Fotovoltaikanlagen prognostizierte. Schauen wir uns diese Studie näher an.

Die erste Korrektur: Nach Abzug einer geschätzten zukünftigen Inflation von 2 % blieben von den 73,5 Milliarden 60,6 Milliarden. Die nächste Korrektur: Auch konventioneller Strom ist nicht umsonst zu haben. Gegenwärtig kostet konventioneller Strom 5 Cent pro KWh in der Erzeugung, während für Solarstorm zwischen 32 und 43 Cent (je nach Art und Größe der Anlage) gezahlt wird. Und die Einspeisevergütung soll jedes Jahr um 7-10 % sinken, die Kosten für konventionellen Strom werden dagegen bei allen Schwankungen steigen (auch stärker als die allgemeine Inflationsrate). Das RWI hat schon in seiner alten Studie diese Rechnung nicht zuende geführt. Die dritte Korrektur: Für politische Entscheidungen ist es natürlich unsinnig, die Einspeisevergütung, die für bestehende Anlagen bereits in den Jahren 2000-2009 gezahlt wurde oder verbindlich für die Zukunft zugesichert wurde, noch einmal zu berücksichten. Nachträglich kann man durch zukünftig noch stärkere Reduzierungen der Einspeisevergütung, wie sie das RWI verlangt, hieran eh nichts mehr ändern.

Berücksichtigt man all dies, so bleibt von den 77 Milliarden nur ein Bruchteil, der tatsächlich als politisch entscheidungsrelevante Kosten anfallen wird. Und dann stellt sich noch die Frage, wer diesen Bruchteil trägt. Tatsächlich die Stromverbraucher, also Industrie und Haushalte? Hierzu allerdings mehr morgen.

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