Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Das Konkurrenzprinzip

übernommen aus Wirtschaftswende vom 26.8.2009 Geraint Anderson schreibt in seinem Buch Cityboy: “Wenn man mich fragt, welches gemeinsame Merkmal uns Aktienhändler prägt, nehmen die Leute gerne an, dass ich so offensichtliche Dinge sage, wie eine psychopathische Selbstsucht, die selbst einen Hannibal Lecter erschrecken könnte, oder eine Rücksichtslosigkeit in Bezug auf die Ausbeutung der Welt, vor der selbst ein Dschingis Khan Halt machen würde. Beides ist selbstverständlich richtig, aber der gemeinsame Charakterzug, der fast alle Broker eint, ist ein Konkurrenzdenken, das selbst das des Profi-Radfahrers Lance Armstrong (’Der Schmerz geht vorbei, aber Aufhören ist endgültig’) schockieren würde.” Das Konkurrenzdenken ist nicht nur Motor der Börse, es ist Motor unseres gesamten Wirtschaftssystems. Nun kann Wettbewerb Spaß machen. Wir messen uns gerne, im Sport, im Spiel. Ohne Zweifel ist Konkurrenz auch ein großer Motivator. Andererseits führt Konkurrenz oft zu Verschwendung. Nehmen wir zwei Unternehmen, beide mit kostspieligen Laboratorien, die in dieselbe Richtung forschen. Aber nur ein Unternehmen, dasjenige, das am schnellsten ein Ergebnis hat, bekommt das  Patent. Die Forschungsleistung des anderen war am Ende mehr oder weniger nutzlos. …

Die Raubkopie

übernommen aus Wirtschaftswende vom 8.7.2009 Ich stehe am Kopierer. Buchseite umblättern – auf den grünen Startknopf drücken – Buchseite umblättern … Bei solcher monotonen Tätigkeit kann man schon in Trance geraten. Man achtet nicht mehr auf seine Umwelt. So habe ich auch nicht den drahtigen Schwarzhaarigen bemerkt. Leise schleicht er sich an mir vorbei, greift ins Ausgabefach. Ich will die fertigen Kopien noch festhalten, doch er stößt mich zurück. Er nimmt sie sich und ist weg, verschwunden. Klarer Fall, denke ich: ein Kopienräuber. So etwas erkennt man selbst in Trance – auch, wenn ich nun nicht mehr in Trance bin, sondern wütend. Einen Kopienräuber erkennt man sofort daran, dass er Kopien raubt. Zugegeben, es ist nicht sicher, ob es Kopienräuber auch außerhalb von durch Kopiertrance hervorgerufene Halluzinationen gibt, aber eines ist sicher: Das, was der Kopienräuber raubt, ist logischerweise eine Raubkopie. Für viele allerdings offensichtlich nicht. Das Wort Raubkopie fällt inzwischen immer, wenn es um nach dem Urheberrecht illegale (vornehmlich elektronische) Kopien von Texten, Filmen, Musik und Software geht. Dabei ist Raub (§ 249 Strafgesetzbuch) …

Rational nicht zu begründen

übernommen aus Wirtschaftswende vom 2.7.2009 “Rational ist der jüngste Anstieg des Rohölpreises nur schwer zu begründen.” So schreibt Handelsblatt.com. Wann war aber je eine der zahllosen Preisschwankungen beim Öl rational zu begründen? War der Anstieg auf bis zu 147,27$ je Fass der Sorte WTI im Juli 2008 rational zu begründen? War der tiefe Absturz bis auf 32,40$ nur gut fünf Monate später rational zu begründen? Ja, es gibt langfristige Trends und die deuten darauf hin, dass das Öl immer knapper wird. Es gibt zusätzlich konjunkturelle Schwankungen von Angebot und Nachfrage. Aber für den Ölpreis heute und aktuell spielen nicht die Fakten an und für sich eine Rolle, sondern wie Fakten, Gerüchte und Meinungen zusammengerührt werden, um daraus Storys zu erzählen. “Nigerianische Rebellen gefährden die Welterdölversorgung” ist eine solche Story. Spannend zu erzählen. Im Grunde genommen glaubt sie niemand. Das Problem: Niemand hat im Moment eine bessere Story. Nichtstun ist jedoch keine Alternative für einen Spekulanten. Er wird schließlich nicht dafür bezahlt, in seinem Büro Däumchen zu drehen. Also hechelt er heute dieser, morgen jener Story …

Eine schöne Geschichte aus dem Siegerland

übernommen aus Wirtschaftswende vom 25.6.2009 Die Finanz-, Wirtschafts- und speziell im heutigen Fall die Ausbildungsplatzkrise schreibt doch immer wieder rührende Geschichten. Naja, zumindest veranlasst sie immer wieder Journalisten, rührende Geschichten zu schreiben. Z. B. heute in DerWesten (Siegener Rundschau). Da lesen wir von Kim Schwung und wie sie mit großen Visionen (und ein Ausbildungsplatz ist heutzutage doch eine große Vision, zumindest für einen Hauptschüler), mit unendlichem Einsatz sowie mit Durchhaltevermögen schließlich und zu guter Letzt ihr lang ersehntes Ziel erreicht. Sie erhält eine Ausbildungsstelle zum IT-Systemelektroniker bei der Deutschen Telekom. Das hat alles von einer guten Boulevardstory – Leidenschaft, widrige Umstände, heroischer Kampf und – ganz wichtig – ein Happy End. Außerdem, ja, die Welt ist noch gerecht, handelt die Geschichte nicht in fernen oder gar mythischen Ländern. Sie geschah gleich hier, nebenan. Sie handelt von Leuten wie du und ich und von Mädchen, die meine Tochter sein könnten. “Hör mal, Jessica (oder Marion oder Lisa), lies mal hier in der Zeitung “, so erschallte es heute morgen dutzendfach an Siegerländer Frühstückstischen, “diese Kim, die …