Wirtschaftswurm-Blog

Die Wirtschaft kann sich abkoppeln von der Katastrophe

Während in Japan heute die Börsenkurse abstürzten (der Topix-Index verlor 7,5 %), hielten sich an den anderen Märkten die Verluste in Grenzen. Damit teilen die Börsen die Einschätzung der meisten Volkswirte: Das schwere Erdbeben und der Tsunami in Japan werden außerhalb des Landes keine spürbaren wirtschaftlichen Folgen haben. Auch für Japan selbst wird nur ein kurzfristiger Einbruch erwartet, der in ein paar Monaten schon wieder ausgeglichen werden kann.

Das mag erstaunlich sein, wenn man die grauenvollen Bilder der Zerstörung vor Augen hat. Neben der Infrastruktur sind auch viele Produktionsstätten betroffen. Weil darum viele Zulieferteile nicht zu beschaffen sind, bekommen auch Betriebe Probleme, die gar nicht im Katastrophengebiet liegen. So ruht die Produktion momentan bei allen japanischen Autoproduzenten.

Doch schon in ein paar Tagen wird es weitergehen, wenn auch wahrscheinlich zunächst stockend. Man wird freie Kapazitäten an anderen Standorten mobilisieren. Man wird für ausgefallene Lieferanten Ersatz finden. Die Konkurrenz steht schon bereit.

Wenn dann alles wieder rund läuft, kann man die Ausfälle schnell nachholen. Das zeigt die Erfahrung mit dem Kobe-Erdbeben von 1995. Es stimmt, das betroffene Gebiet ist heute größer als damals und die Heftigkeit der Naturgewalten stärker; dafür wurde damals eine wirtschaftliche Kernregion des Inselreiches getroffen. Der dieses Mal betroffene Nordosten ist dagegen wirtschaftlich nicht so bedeutend.

Natürlich gibt es Unwägbarkeiten: Welche Auswirkungen wird die Reaktorkatastrophe von Fukushima noch haben? Und da Volkswirtschaft mindestens zur Hälfte Psychologie ist: Wie wird sich die Stimmung in Japan entwickeln?

Der Blick-Log hält aufgrund solcher Unwägbarkeiten alle Prognosen für verfrüht. Und Werner Jurga von den Ruhrbaronen gibt sich pessimistisch. Doch die deutschen Blogger machen einen Fehler: Sie stellen sich vor, dass eine solche Naturkatastrophe wie derzeit in Japan auf wirklich alle gesellschaftlichen Bereiche durchschlagen muss. Sie verkennen, dass sich die moderne Wirtschaft weitgehend abkoppeln kann von den anderen Lebensbereichen. Die moderne Wirtschaft ist viel flexibler als der Mensch.

Es kann der Wirtschaft gut gehen, während der Mensch im Elend zu versinken droht.

1 Kommentare

  1. Sicherlich gelingt es solch einer mächtigen Wirtschaft wie Japan größere Verluste zu vermeiden und negative Folgen in engen Grenzen zu halten. Das Energiesektor wird doch leiden und später kann es offensichtlich zur Ölpreis Steigerung beitragen, bis Japan das Atomkraftwerk wieder in Betrieb setzt oder eine Alternative zur Kernergie findet.

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