Vermischtes

Digitale Horden, Aktienboom, Hunger und Komplexität

S&P 500 Ausschnitt

Ich habe ja bisher häufiger in Kurzatikeln auf interessante Veröffentlichungen im Netz hingewiesen und verlinkt. Nun möchte ich allerdings ein anderes Format ausprobieren. Ich möchte mehrere intessante Artikel mit ganz unterschiedlichen Inhalten in einem einzigen Beitrag empfehlen. Dazu gibt es dann die neue Blog-Kategorie Vermischtes. Ich hoffe, dass durch die Bündelung die Aufmerksamkeit für die empfohlenen Artikel gesteigert wird.

Fangen wir also mit den Linkempfehlungen gleich an. Das beginnende Wochende eignet sich wahrscheinlich am besten für Vermischtes.

Der Sieg der digitalen Horden

Ein Mahnruf von Roland Tichy, der unbedingt bedenkenswert ist. Die Digitalisierung macht nämlich vor Industrieprodukten nicht mehr Halt. Dematerialisierung nennt Roland Tichy das. Eine App plus 3-D-Drucker ersetzen das Werkstück. Die deutsche Industrie, namentlich viele Mittelständler sind nicht darauf vorbereitet. Man sonnt sich noch im Glanz der Marktführerschaft in seiner kleinen Nische.

Fragwürdiger Aktienboom

Der amerikanische S&P-Index hat sich in den letzten sechs Jahren etwa verdreifacht. Mark Dittli bezweifelt allerdings, dass dieser Boom Substanz hat. Nicht unwesentlich sei er von Aktienrückkäufen getrieben. Die Rückkäufe ermöglichen es nämlich, eine höhere Eigenkapitalrendite auszuweisen.  Und an die Eigenkapitalrendite sind häufig die Bonusse des Vorstands gekoppelt.

PS: In den Kommentaren unten wird herausgearbeitet, dass es sehr schwer ist, mit Rückkäufen einen Boom anzufachen. Rückkäufe verringern nämlich tendenziell die Gewichtung der betroffenen Aktie im Index.

Weniger Hunger

795 Millionen Menschen waren 2014 unterernährt, schreibt Jan Grossrath. Trotz steigender Bevölkerungszahl sinkt damit die Zahl der Hungernden seit Jahrzehnten. Gutmenschelnden Kritikern reicht das aber nicht. So heißt es auf den Nachdenkseiten:

“Weniger” als 800 Millionen Menschen sind unterernährt – “nur” 795 Millionen. Könnte der Zynismus größer sein? Wenn die Reichsten 10% der Besitzenden jährlich “nur” 5% ihres Reichtums den Hungernden zur Verfügung stellen würden, hätten wir statistisch keine Hungernden mehr.

Allerdings sollte man die Nachricht bis zum Ende lesen. Häufig ist nämlich politische Instabilität, also Kriege und Bürgerkriege, die Ursache des Hungers. Geld ist da nicht die Lösung. Geld ist überhaupt viel seltener eine Lösung, als man denkt.

Komplexität

Nicolaus Fest entlarvt (nach den zweiten Sternchen) die Behauptung zunehmender Komplexität als eine hohle Phrase. Gerade Politiker verschleierten damit gerne ihre Verantwortung.

Bild (übernommen von Bloomberg): Aktienchart S&P 500

27 Kommentare

  1. Uwe sagt

    „Der fragwürdige Aktienboom“ – Aktienrückkäufen haben m.E. wenig bis geringen Anteil an der Kursentwicklung eines Index.
    Grund: nach einem Rückkauf wird der gleiche Gewinn der Firma zukünftig auf weniger Aktien verteilt. Dadurch steigt der Gewinn je Aktie und entsprechend sollte der Kurs der einzelnen Aktie steigen. Die Marktkapitalisierung der Firma wird dadurch aber nicht wesentlich beeinflusst, schliesslich bleibt der Gewinn der Firma ja identisch. Und eben diese Marktkapitalisierung wird zur Indexberechnung herangezogen, nicht etwa der Kurs der einzelnen Aktie.
    Richtig ist m.E., dass insbesondere bei verschuldungsgetragenen Rückkäufen eine höhere Empfindlichkeit gegen Zinsänderungen und Konjunkturzyklen entstehen kann, da das Eigenkapital reduziert wird.

  2. Uwe sagt

    Komplexität:
    Herr Fest macht es sich sehr einfach. Machen wir doch einfach immer das, was „das Volk“ gerade befürwortet, so offenkundig seine Meinung. Gerne auch das, was es nach entsprechender populistischer Propaganda befürwortet. Alle Macht den Stammtischen, ist offenkundig seine Meinung. Das erinnert mich stark an längst vergangene Zeiten.

  3. @Uwe,
    so weit ich das jetzt nachvollziehen kann, irrst du dich beim S&P. Beispiel ein Index aus zwei Aktien:
    Aktie A – 600 Stck. zu 10 €, Marktkapitalisierung also 6000€, das sind 40%
    Aktie B – 600 Stck. zu 15 €, Marktkapitalisierung also 9000€, das sind 60%
    Index errechnet sich dann als 10*40%+15*60%=13

    Nun werden von Aktie B 200 Stck. zurückgekauft. Der Kurs steigt so, dass sich die Marktkapitalisierung nicht ändert:
    Aktie A – 600 Stck. zu 10 €, Marktkapitalisierung 6000 € bzw. 40%
    Aktie B – 400 Stck. zu 22,50 €, Marktkapitalisierung 9000 € bzw. 60%
    Index errechnet sich damit als 10*40%+22,50*60%=17,5

    Während der Kurs von Aktie B um 50% gestiegen ist, ist der Index um 35% gestiegen.

    Zu Herrn Fest: Mal abgesehen von den beiden Einzelproblemen, die Fest anspricht (Flüchtlinge und Grexit), ist er meiner Meinung nach dem zentralen Problem der EU auf der Spur: Probleme werden bearbeitet, indem immer komplexere Regeln und Institutionen geschaffen werden. Inzwischen ist der Apparat dadurch so komplex geworden, dass ihn keiner mehr beherrscht. Die Lösung liegt in einer Dezentralisierung und Vereinfachung.

  4. Uwe sagt

    @Arne

    “Der fragwürdige Aktienboom“ des S&P500
    Deine Rechnung stimmt, wenn nur Kurse addiert werden. Der Knackpunkt ist: beim S&P500 wird nicht mit dem Kurs der einzelnen Aktie sondern mit dem Kurs multipliziert mit dem Freefloat gerechnet, man könnte auch sagen Marktkapitalisierung. D.h. ein Rückkauf ist praktisch dasselbe wie ein reverser Split und im theoretischen Idealfall ohne jeglichen Einfluss auf den Kurs, allerdings verbunden mit einer Grundkapitalherabsetzung.
    Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Aktienindex Stichwort „Kapitalisierungsgewichteter Index“.

    „Komplexität“
    >Inzwischen ist der Apparat dadurch so komplex geworden, dass ihn keiner mehr beherrscht. Die Lösung liegt in einer Dezentralisierung und Vereinfachung

    Tja, der alte Zielkonflikt. Es soll ganz gerecht sein aber gleichzeitig einfach. Und dann hätten wir gerne noch einheitliche Regeln im gesamten Rechtsgebiet die aber den lokalen Besonderheiten gerecht werden. Das Problem ist, das rechte Mass zu finden. Wie immer.

  5. Uwe sagt

    @Arne
    >Ich habe doch multipliziert: 600*10, 600*15, 400*10, 400*22,50

    Aber dann den Index doch mit dem Kurs berechnet anstatt mit der (nicht) geänderten Marktkapitalisierung
    Die ist und bleibt im Beispiel 6000+9000 und damit bleibt auch der Index gleich.

    Das Ganze ist eigentlich noch komplizierter. Durch den Rückkauf wird in der Regel auch der Freefloat und damit die Indexgewichtung reduziert. D.h. der Kurs des Index könnte wg. Rückkauf sogar sinken.

  6. Und wenn das Unternehmen eine Kapitalerhöhung macht, steigt nicht nur die Gewichtung, sondern auch der Index? Das ist zumindest eine Konsequenz deiner Berechnung, aber das ist doch Unsinn.

  7. Ich sehe im verlinkten Text nichts, was zu einem Fallen des Indexes führen könnte. Der Index steigt, wenn die Kurse steigen, und fällt, wenn die Kurse fallen. Alles andere wäre ja auch widersinnig. Und wenn durch Rückkauf die Gewichtung einer Aktie im Index fällt, was vor allem bei einem kleine Anteil des Streubesitzes vorkommen kann, heißt das doch nicht, dass der Index selbst fällt.

  8. Was wohl richtig ist: Da Aktienrückkäufe mehrheitlich wohl zu einer geringeren Gewichtung der Aktien im Index führen, kann man mit ihnen nur schwer einen Aktienboom auslösen. Dittlis These steht dann wohl auf einem schwachen Fundament. Allerdings, je mehr Gesellschaften Aktienrückkäufe machen, desto eher werden Einbußen in der Gewichtung wieder ausgeglichen. Wenn fast alle Unternehmen im Index Aktien zurückkaufen, könnte doch allein dadurch ein Aktienboom entstehen.

  9. Uwe sagt

    @Arne
    >Der Index steigt, wenn die Kurse steigen, und fällt, wenn die Kurse fallen.

    Das stimmt bei gleichbleibender Aktienanzahl im Freefloat. Sonst kann das stimmen, muss aber nicht. Lies nochmal: http://de.wikipedia.org/wiki/Aktienindex Stichwort “Kapitalisierungsgewichteter Index”.

    M.E. steigt der S&P500, wenn die Freelfoat-Marktkapitalisierung steigt. Bei gleichbleibender Freefloat-Aktienzahl geschieht das, wenn der Kurs der einzelnen Aktie steigt. Bei geänderter Aktienzahl hängt es davon ab, ob [Freefloat * Kurs] steigt oder sinkt.

    >Wenn fast alle Unternehmen im Index Aktien zurückkaufen, könnte doch allein dadurch ein Aktienboom entstehen.

    Unwahrscheinlich. Die Argumente dazu hatten wir schon alle:
    Der Gewinn der Firmen ist eine Sekunde vor / nach Rückkauf gleich und verteilt sich lediglich auf weniger Aktien. Die Bewertung der Firma = Gesamtmarktkapitalisierung sollte demnach gleich bleiben (Also Anzahl aller Aktien * Kurs). Soweit die Anzahl der Aktien im Freefloat gleich bleibt, gibt es keinen Einfluss auf den Index. Das könnte z.B. dadurch geschehen, dass ein Rückkauf aus dem Besitz von Grossaktionären (festen Händen) geschieht, womöglich von Aktien ohne Marktzulassung.

  10. Uwe sagt

    @Arne

    thewisemansfear hat dazu passend referenziert, siehe Seite 83 Abb. 2 samt Erläuterung.

  11. @uwe, stützt du dich auf den Wikipedia-Satz „Die Berechnung erfolgt durch Multiplikation der Anzahl der jeweiligen Aktie im Freefloat mit dem aktuellen Kurs“? Damit ist aber doch nur die Berechnung der Gewichtung gemeint, nicht die Berechnung des Indexes.

  12. uwe sagt

    @Arne

    Nochmal gegoogelt
    Der S&P500 wird nach der Wertindexformel berechnet. D.h. es wird die Änderung der Marktkapitalisierung des Freefloats im Vergleich zur vorherigen Periode gemessen. Das Ergebnis geht dann entsprechend dem Anteil der Marktkapitalisierung der Firma an der Gesamtmarktkapitalisierung ein (wobei immer nur der Freefloat zählt).

    Ich nehme übrigens stark an, dass das eine Kapitalerhöhung durchaus Einfluss auf den Index haben kann. Nämlich dann, wenn Freefloat*Kurs größer ist als vor der Erhöhung. Macht auch Sinn, die Firma ist schliesslich wertvoller geworden.

    S 573
    https://books.google.de/books?id=-6nPq5QxK4gC&pg=PA573&lpg=PA573&dq=wertindex+formel&source=bl&ots=_wqsLg3r3Q&sig=QTR2VpJiIH9ZORrA6uuup61sw_w&hl=de&sa=X&ei=DbZqVdniHLOP7Aa-koHAAw&sqi=2&ved=0CEgQ6AEwCA#v=onepage&q=wertindex%20formel&f=false

  13. uwe sagt

    PS
    >es sehr schwer ist, mit Rückkäufen einen Boom anzufachen. Rückkäufe verringern nämlich tendenziell die Gewichtung der betroffenen Aktie im Index.

    Die Gewichtung im Index ist ein Teilaspekt. Der wesentliche Punkt ist, wie sich die Marktkapitalisierung (nicht der Kurs) der Firma vor/nach Rückkauf verhält. Als Konsequenz ist Dittlis der Aktienboom eher nicht rückkaufgetrieben.

  14. Nach der Quelle hättest du recht. Ich glaub allerdings der Quelle nicht. Bei allen anderen Indexformeln steht q für das Gewicht, nur bei der Wertindexformel steht q für die Anzahl der Aktien? Das sieht erst einmal nach einem Fehler aus.

    Gut, aber nehmen wir an q steht für das Gewicht. Das Gewicht im Index kann durch einen Aktienrückkauf sinken. Das wirkt sich dann bei einem Wertindex wie dem S&P 500 sofort aus, anders als z.B. beim DAX. Im Extremfall könnte dann der Einfluss auf den Index tatsächlich negativ sein, da muss ich dir jetzt recht geben. Ich konstruiere mal ein Beispiel:

    Aktie A – 600 Stck. Freefloat zu 10 €, Marktkapitalisierung also 6000€, das sind 40% Indexgewicht, kein Paketbesitz
    Aktie B – 600 Stck. Freefloat zu 15 €, Marktkapitalisierung also 9000€, das sind 60% Indexgewicht, außerdem gibt es noch 5400 Stck. im Paketbesitz, Gesamtfirmenwert also 90.000€

    Index errechnet sich dann als 10*40%+15*60%=13

    Nun werden von Aktie B 200 Stck. aus dem Freefloat zurückgekauft. Der Kurs steigt so, dass sich der gesamte Firmenwert nicht ändert:
    Aktie A – 600 Stck. zu 10 €, Marktkapitalisierung 6000 € bzw. 49,15%
    Aktie B – 400 Stck. zu 15,52 €, Marktkapitalisierung 6207 € bzw. 50,85%, Gesamtfirmenwert bei nun 5800 Aktien insgesamt weiterhin 90.000€

    Index errechnet sich damit als 10*49,15%+15,52*50,85%=12,81

    Wenn also nur ein geringer Anteil der Aktien im Streubesitz ist und davon wiederum ein recht großer Anteil zurückgekauft wird, dann kann ein Wertindex tatsächlich trotz gestiegener Kurse sinken. Meiner Meinung nach allerdings nur ein theoretischer Extremfall.

    Immerhin zeigt das: Es ist beim S&P 500 sehr unwahrscheinlich, dass Aktienrückkäufe den Index groß beeinflussen. Dittlis These wird damit ein weiteres Stück unwahrscheinlicher.

  15. uwe sagt

    @Arne
    >… kann ein Wertindex tatsächlich trotz gestiegener Kurse sinken. Meiner Meinung nach allerdings nur ein […] Extremfall.

    Genau. Ich wollte vor allem darauf raus, dass ein langjähriger Indexanstieg nicht mit Rückkäufen begründet werden kann. Rückkäufe und Indexanstiege mögen beim S&P500 korrelieren, sie sind aber nicht direkt kausal miteinander verknüpft. Eher sind beide ein Indiz dafür, dass mehr Geld Anlagemöglichkeiten sucht als Investitionsmöglichkeiten vorhanden sind.

  16. Lilo sagt

    Mit dem 3-D-Drucker werden viele metallverarbeitende Unternehmen ihre Basis verlieren. Weil ich das derzeit mit großem Können und Aufwand hergestellte Werkstück leicht selber ausdrucken kann.

    Wir haben herzlich gelacht! Als ob ein 3-D-Drucker die Materialkunde ersetzen würde. Er druckt nämlich alles nur mit dieser Klebeplastik, während metallverarbeitende Unternehmen für ihre Produkte verschiedene Metalle und Legierungen benötigen. Komisch, dass Herr Tichy hier so wenig praktische Vorstellungskraft besitzt. Oder fahren wir in Zukunft in Autos aus Plastik?

  17. Pingback: Kleine Presseschau vom 1. Juni 2015 | Die Börsenblogger

  18. Häschen sagt

    @Lilo Das dachten sich jene die Bildende Künste studierten und heute vom Photoshop abgelöst wurden. Wenn sie Bild malen dann haben sie ein Photo im weiteren Sinne vor Auge und reproduzieren dieses Bild mit Pinselstrichen. Ein Ökonom läuft schon ein wenig Gefahr ‚Bildende Künste‘ eher aus der Perspektive Fertigungstechnik betrachten, diese Sicht ist in einer digitalisierten Welt kein guter Ratgeber.

    Hersteller als Künstler der den Rohling schafft:
    Die Verbreitung des Künstlertums schreitet voran – Politik als Vorreiter. Früher war das eine mehr oder weniger angesehene Zunft und heute sind eher die Glückspieler am Boot das den Mississippi hinunterfahren und mit aufgedonnerten leichten Mädchen über Board gehen sobald ist Tricks am Pokertisch auffliegen … das Vorbild.

    Erinnern sie sich noch an jene die ihre Wohnung und Einrichtung mit Public Domain Progrämmchen planten … Es hat sich schon gezeigt – sobald Grafik verfügbar war , dass der Wunsch nach Individualität da ist. VW Busse mit Blümchenbemaltung usw… (Bare-Bone). Das hat schon ein wenig eine Auswirkung, da bspw. Stahlerzeuger so gut es gut hinwollen zum Endkunden.

    Die Kompetenz direkt zum Kunden bringen … das ist ein breites Bestreben. Das haben die Hersteller schon lange kapiert … Der Architekt, Baumeister und der nachgelagerte Betrieb der möglw. den Zuschnitt macht der kennt was da ist und nicht was ginge … wie ein Metallurge.

    – If I had asked people what they wanted, they would have said faster horses. Altbekannt.

    Korrekt ist, dass auf einer Technologie nicht alle anderen Produkte sofort abgelöst werden sondern mal in erster Linie neue entstehen. Das Wort ‚alles‘ ist sehr beliebt in der IT und genauso das Wort ‚wird‘ … Microsoft zu Beginn letzte Dekade – alles läuft auf .net. Dann bricht die Elefantenherde aus und trampelt alles nieder …

    Ob ein Paradigmenwechsel ansteht, so würde ich mal den Artikel interpretieren (auch wenn das Beispiel grottenschlecht ist so ist es doch Ausdruck der Sicht auf alles andere als trivial gegebene Commodity), weist sich erst wenn die Veränderung da ist. Einen Wandel kam man so nicht erzwingen. Der Wandel ist die Veränderung von ‚oben‘ herab befohlen … den spielt auf der Welt nicht.

    Es gelingt ja auch schon Häuser mit 3D-Druck anverwandten Verfahren zu errichten… Unsere Fertigungswelt ist aus dem Auge des Betrachters ist noch immer eine 2dimensionale – 3D als Kombination von Aufriss, Seitenriss, Grundriss … In Mitteleuropa ist das die Philosophie. Für den einen ist das Ergebnis einer Entwicklung das Ende der Fahnenstange für einen anderen eine nette Startposition sich mit Schwingen in die Lüfte zu erheben.

    Wir machen uns alles selbst die am Ende eher dazu führt wie einst in einem Cartoon gesichtet. Ein paar Steinzeitmenschen schieben einen Karren mit 4 eckigen Rädern. Läuft der Erfinder nebenher und bietet das Rad an. Kam die Antwort, ‚Gerne aber sie sehen wir haben soviel zu tun, denn der Karren läuft nur schwer…‘. Irgendwann kommt der Punkt an dem sich die Leut fragen, ‚Wie deppert waren wir wirklich‘. Retro …

    Was ein paar Spinnerte in der Bay Area vorschwebt ist noch lange die Welt von morgen, man muss ja dazwischen viel Geld machen. Auch wenn die Evolution schneller könnte voranschreiten … so tut sie dies doch gemächlich. Wenn es dann mal soweit ist …

    watch?v=G7GERh0sQzY
    (Kids React To …)

  19. Häschen sagt

    Es gibt so eine Geschichte aus der Zeit der Habsburger in Österreich. Als dem Kaiser der Werkstoff Stahl wurde vorgestellt hat er sich beim Schloss Gärten resp.Gewächshäuser bauen lassen… aber ansonsten hat der Werkstoff respektive die Stahlglaskonstruktion keine weitere Würdigung erfahren …

    http://www.burghauptmannschaft.at/php/detail.php?ukatnr=12185&artnr=7103

    Die Stahlglasbauten in der heutigen Hofburg haben mit dem soweit mir bekannt nichts zu tun.

    Die E.U. erinnert irgendwie an diese Begebenheit. Die E.U. steht für Wandel aber nicht für Evolution oder eben das Staatensystem. Es ist klarerweise attraktiv nichts zu ändern, aber sich nachher zu wundern warum für alte Ideen keiner immer mehr Geld will ausgeben.

    Daten sind tote Information und nicht Information der Zins aus Daten der Vergangenheit, auch wenn man Information als das Kapital eines Datums kann ansehen. Es ist schon die Neuigkeit für die Menschen Geld ausgeben bspw. aus dem ‚Vermögen‘ und nicht was schon da ist und immer da war. Letzeres wird eher aus dem laufenden Einkommen bezahlt bis das heute ‚Neue‘ morgen schon immer da war.

  20. Einige Gedanken meinerseits an Arne und Uwe zum Thema Aktienmarktboom und Rückkäufe.
    1. Vorweg: Ich stelle bewusst keine direkte Kausalität zwischen Aktienrückkäufen und Indexgewinnen auf. Die Finanzmärkte sind ein komplexes, adaptives System, wir können uns nicht anmassen, von Kausalitäten zu sprechen.
    2. Einverstanden mit Uwe: Der S&P 500 ist free float market cap gewichtet. Kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück und vernichtet diese, sinkt sein Gewicht im Index. Allerdings: Gewichtsanpassungen werden meines Wissens quartalsweise vorgenommen, es besteht also eine gewisse zeitliche Trägheit.
    3. Aber: Auf Stufe Einzelunternehmen verdichtet sich der Gewinn, das Wachstum des Gewinns je Aktie (earnings per share, EPS) wird grösser. Ein grösseres EPS-Wachstum wird am Markt i.d.R. mit einer höheren Bewertung „belohnt“. Es ist also durchaus plausibel, dass die Marktkapitalisierung (Anzahl ausstehende Aktien mal Kurs) des betreffenden Unternehmens zwar zunächst schrumpft, weil die Anzahl Aktien kleiner wird – dieser Effekt aber mehr als kompensiert wird durch eine Höherbewertung, wodurch die Marktkapitalisierung danach höher ist als vor dem Aktienrückkauf. Von dieser Höherbewertung der einzelnen Unternehmen (und nicht vergessen: Aktienrückkäufe sind derzeit sehr häufig) profitiert aggregiert wiederum der gesamte Index.

  21. @Lilo,
    „Oder fahren wir in Zukunft in Autos aus Plastik?“ – Ausschließen würde ich erst einmal nichts. Aber ja, der 3-D-Drucker ist wohl erst einmal viel gefährlicher für die Billigproduzenten in Fernost als für deutsche Mittelständler.

    @Mark,
    „Gewichtsanpassungen werden meines Wissens quartalsweise vorgenommen“ – Hmm, das glaubte ich jetzt eigentlich gelernt zu haben, dass beim S&P im Gegensatz zum DAX tatsächlich laufend das Gewicht angepasst wird.

  22. Uwe sagt

    @Mark
    Die Sache mit dem verminderten Freefloat hatte ich nur wegen des Verblüffungseffektes angemerkt, dass der Index auch sinken könnte … Das hat offenkundig so fasziniert, dass sich die Diskussion massiv darum dreht. Das ist aber nur ein kleiner Spezialeffekt. Am besten, wir lassen das weg.

    Der Hauptpunkt ist: Der Gewinn der Firma bleibt identisch (abgesehen von ggf. anfallenden Finanzierungskosten bei kreditbasierenden Rückkäufen). D.h. der Gewinn pro Aktie steigt durch den Rückkauf, da anschliessend weniger Aktien vorhanden sind. Bei gleichbleibendem KGV steigt also der Kurs der verbleibenden Aktien entsprechend dem gestiegenen Gewinn pro Aktie. Die Marktbewertung der Firma bleibt bis hier zumindest theoretisch gleich.
    Warum es dann – so verstehe ich Dich – zu einem höheren (prozentualen) Gewinnwachstum der Firma oder auch pro Aktie kommen sollte und deshalb zu einer KGV Expansion, das verstehe ich nicht bzw. kann ich nicht erkennen. Warum sollte die Firma plötzlich schneller wachsen, bloss weil sie einen Rückkauf gemacht hat. Das wäre ein toller Mechanismus.

    Summa summarum komme ich wieder da raus: es ist kein Einfluss auf den Index zu erwarten.

    Zeitliche Verzögerung: Quartalsweise Anpassung habe ich auch gelesen. Ich weiss nur nicht, auf welche Faktoren sich diese Anpassung bezieht. Nur auf die Änderung der im Index erfassten Firmen oder auch auf Berücksichtigung von Splits, Rückkäufen etc.

  23. Christian Kirchner sagt

    Der „Elephant in the room“ dieser spannenden Debatte ist doch der Nettoeffekt. Sowohl auf Ebene der Aktienrückkäufe (Firmen, die Rückkaufen, geben oft auch wieder neue Aktien aus, zB an Mitarbeiter) als auch des ganzen Index, denn es ist für den Indexdivisor die Frage, ob ich als „Halter“ des Index verwässert werde durch Neuaufnahmen, Aktienemissionen usw. – oder ob die Grundgesamtheit eher schrumpft, weil in der Idealwelt der Bullen natürlich nie neue Aktien ausgegeben werden, es keine Börsengänge mehr gibt und laufend Aktien zurück gekauft und vernichtet werden.

    Das ist, nebenbei bemerkt, einer der wichtigsten Gründe auch für die oft vergessene Tatsache, dass eben Wirtschaftswachstum und Aktienmarktrenditen doch nicht so eng zusammen hängen, wie es einem die Marketingabteilungen klar machen, denn die Verwässerung in Schwellenländern beträgt etwa 7-8% p.a., denn Aktionäre werden ja laufend um Geld für Börsengänge angepumpt, mit dem das ganze Wachstum erst mal finanziert werden muss.

    Richtig ist, dass 1) die Verwässerung sich in den USA zuletzt verlangsamt hat und 2) Unternehmen mit Aktienrückkäufen besser abgeschnitten haben als der Gesamtmarkt. Ich wäre mit den Kausalitäten da aber sehr vorsichtig (und auch mit der Motivation der Firmen, hier sticht Steuerfrage mMn Vergütungsincentivierung); langfristig ist es unerheblich, auf welchem Wege die Rückzahlen stattfinden, hauptsache, es fließt überhaupt Kapital an die Aktionäre zurück, sei es über Aktienrückäufe oder Dividenden, während hingegen die Thesaurierung der Gewinne für was-auch-immer eben nicht zu künftig hören Gewinnen je Aktie führt (wie man ja intutiv vermuten könnte, weil einem als erstes Berkshire Hathaway, Google, Apple und Co. einfallen. Diese Unternehmen sind aber eher die Ausnahme denn die Regel)

    Hier auch viel spannendes Material dazu https://am.jpmorgan.com/gi/getdoc/1418384270195 bzw. in den zitierten Studien von Robert Arnott auch.

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