Das Internet als Park – Teil 2

Ökonomisch gesehen kann man das Internet mit einem Park vergleichen – wie ich in Teil 1 dieses Artikels zu zeigen versucht habe. Einen Park allerdings mit vielen unabhängigen Gärtnern. Aber was folgt daraus für die Finanzierung der Kreativen im Netz?

Laptop zwischen Blumenbeeten in einem Park

Virtueller Park und realer Park im Schlosspark Siegen
Foto: Arne Kuster

Man kann es sich natürlich wie Anatol Stefanowitsch einfach machen und sagen: Mir egal, von was die Gärtner leben. Man kann dann darauf hoffen, dass sich immer genügend leidenschaftliche Hobbygärtner finden, die sich um den großen Park Internet kümmern werden.

Nun, bei großen realen Parks ist noch niemand auf die Idee gekommen, sie allein den leidenschaftlichen Hobbygärtnern zu überlassen. Es ist klar, dass das nicht funktioniert, obwohl es theoretisch genügend leidenschaftliche Hobbygärtner gibt. Warum aber nun sollte im Netz funktionieren, was im realen Leben nicht geht?

Warum sollte im Netz funktionieren, was im realen Leben nicht geht? Diese Frage stellt sich allerdings auch bei einer anderen Idee. Gemeint ist die Idee, das Urheberrecht biete im Netz eine gute Grundlage, um sein Werk, sei es Text, Film oder Musik, zu vermarkten. Wer diese Idee propagiert (wie etwa jüngst die 100 Leute aus der Kunst- und Medienbranche im Handelsblatt), hat sich noch nie wirklich Gedanken, um das Internet wie um Parkanlagen gemacht.

Die Analogie zur strikten Durchsetzung der Urheberrechte im Netz wäre nämlich ein Park, in dem jeder der vielen Gärtner seinen Bereich durch Bretterzäune von den Bereichen der anderen abtrennt; ein Park also, unterteilt durch viele Hundert Bretterzäune. Wer hätte Spaß in einem solchen Park? Wer würde einen solchen Park besuchen?

Sicherlich könnte man durch Verbindungen (Links) auch in einem solchen Park von einem umzäunten Bereich in den anderen gelangen, man könnte sich alles aus der Nähe anschauen. Aber wenn schon nicht die Bretterzäune selbst, so würde doch in vielen Umzäunungen die Reklameplakate daran den Park verschandeln. Bei anderen Umzäunungen wiederum würden die Warteschlangen vor den Kassenhäuschen abschrecken.

Würde ein realer Freizeitpark so vermarktet, nur sehr wenige Anbieter könnten damit Geld verdienen. Das wären die Anbieter, die sehr große, attraktive Flächen umzäunen konnten und bewirtschaften, oder die, die besondere Attraktionen aufgebaut haben.

Der Markt mag es richten. Auch die Inhaber großer Flächen werden sich Gedanken darum machen müssen, wie sie ihr Stück Park noch attraktiver gestalten können. Und da liegt es nahe, die störenden Bretterzäune in der Parklandschaft überflüssig zu machen. Die Anbieter großer Flächen werden versuchen müssen, sich auszudehnen, Nachbarparzellen zu übernehmen, Hobbygärtner zu integrieren.

Das Optimum aus Sicht des Nutzers ist erst erreicht, wenn der gesamte Park in einer Hand ist, wenn man nur noch einen Zaun außen herum hat, an dem ein pauschaler Eintritt kassiert wird. Das Optimum ist der Park als Klubgut. Beim realen Park wie beim virtuellen Park Internet.

Eine auf Urheberrechten, Leistungsschutzrechten usw. aufbauende Internetwirtschaft wird tendenziell auf ein Monopol, mag es nun Google, Facebook oder sonstwie heißen, hinauslaufen. Ein privates Monopol kann aber niemand wollen. Es bleibt, die von den Nutzern gewünschten Vorteile des einheitlichen Anbieters (also das unbeschwerte Umherstreifen im Netz) auch durch eine Vielzahl von professionellen Anbietern gemeinsam sicherzustellen.

Viel wird gelästert über die angebliche Gratismentalität im Netz. So hat darüber zuletzt Sven Regener vom Leder gezogen. Nun, ich glaube, hinter der angeblichen Gratismentalität im Netz steckt weniger ein Widerstand gegen die Kassenhäuschen, sondern viel mehr ein Widerstand gegen die Bretterzäune, die, wenn sie sich denn ausbreiten, das Internet verschandeln.

Die Lösung lautet: Für die Inhalte im Netz muss eine Pauschale erhoben werden und dann unter die Inhalteanbieter verteilt werden. Modelle sind die Kulturflatrate oder die Kulturwertmark. Denn das Internet ist ökonomisch gesehen ein Klubgut.

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10 Gedanken zu „Das Internet als Park – Teil 2

  1. causb

    Denn das Internet ist ökonomisch gesehen ein Klubgut.

    Humbug

    Das die Rivalität nicht gegeben ist eint uns.
    Jedoch ist auch die Exclusivität nicht gegeben, folglich das Internet kein Klubgut.
    Warum? Technische Beschränkungen existieren nicht in einem Maße das sie Exclusivität herstellen könnten (zumindest in Europa).
    Da das Internet nicht von einem Monopol betrieben wird, vielmehr es verschiedene (Zugangs)anbieter gibt, die im Wettbewerb zueinander stehen, existiert in dieser Hinsicht auch keine Möglichkeit Exklusivität herzustellen.
    Rechtlich existiert meines Wissens auch (noch und hoffentlich auf Dauer) keine Möglichkeit nennenswerte Exclusivität herzustellen (à la du darfst rein, der da nicht).

    Da im Internet für die Reproduktion von Informationen MC = P = 0 gilt, somit Nichtrivalität vorherscht, und, da kein Ausschluss möglich ist, Nichtexclusivität gegeben ist, kann kein Klubgut vorliegen.

    Da Nichtrivalität und Nichtexclusivität gegeben sind, ist es auch schwer möglich die Reproduktion von Information zu Monetisieren (durch P>MC), es bedarf anderer Anreize.
    Das Urheberrecht existiert zwar, aber es ist, wenn man den Klagen darüber Glauben schenkt, unwirksam.

    So; genug Zeit mit Informations(re)produktion verbracht, alles für lau, hoffentlich nicht umsonst.

  2. Wirtschaftswurm

    Ich kann dir nicht folgen. Es gibt ja einige Seiten mit Bezahlschranken. Wer nicht registriert ist, sich nicht angemeldet hat, bekommt auch keine Inhalte. Richtig ist, dass solche Bezahlschranken umgangen werden können. Diese Bezahlschranken sind auch darum ineffizient, vor allem aber, weil sie das (vom Nutzer gewollte) Umherstreifen im Internet einschränken.
    Eine pauschale Abgabe auf jeden Breitbandanschluss kann dagegen nicht umgangen werden (zumindest braucht es einige kriminelle Energie dazu) und schränkt (wenn man einmal bezahlt hat) zudem nicht das Surfen im Netz ein. Eine pauschale Abgabe ist in meinen Augen eine effiziente Bezahlschranke. Pro Kulturflatrate!

  3. causb

    Nun mußt du aber auch zugestehen, dass einzelne Paywalls weniger einschränkend sind als eine (noch höhere) Paywall für das gesamte (oder wahrscheinlich doch nur nationale) Internet (und das ohne Gewähr, dass einzelne Paywalls verschwinden werden).
    Wenn es dir also in erster Linie um die Zugänglichkeit geht, müßtest du eigentlich gegen eine ‘Kulturflatrate’ sein. Immerhin ist damit zu rechen, dass der Preis des Internetzugangs inklusive ‘Kulturflatrate’ höher ist als ohne, somit die Nachfrage geriner sein wird. Einige (angesichts der heutigen Unumgänglichkeit des Internets) wenige also gänzlich aufgrund der ‘Kulturflatrate’ vom Internet ausgeschlossen werden würden.
    Ich denke als Volkswirt wirst du mir da folgen können.

  4. Teufel

    Ich kann da causb nur zustimmen. Dann gibt es noch ein Problem. Es gibt extrem spezialisierte Inhalte, zB in meiner Zunft Juris, Beck-Online und NWB. Die sind zwar keinem Massenpublikum gegenüber interessant, aber eine spezialisierte kleine Nutzerschicht zahlt dafür hohe Preise, weil das eben sehr qualitäts- und personalintensiv ist. Die würden sich niemals mit einem auf Klicks basierten System zufrieden geben können.

  5. Wirtschaftswurm

    @causb,
    “Nun mußt du aber auch zugestehen, dass einzelne Paywalls weniger einschränkend sind als eine (noch höhere) Paywall für das gesamte (oder wahrscheinlich doch nur nationale) Internet” – Nein, mit dem Vergleich zum Park habe ich versucht zu zeigen, dass es genau andersherum ist. Eine einzige Paywall wäre viel weniger restriktiv. Ich stelle mal zur Debatte, dass ein ähnlicher Betrag wie die GEZ-Gebühr, also 17,98 € im Monat, pro Haushalt mit Breitbandanschluss erhoben wird. Praktisch niemand würde sich deswegen aus dem Internet verabschieden. Für Bedürftige sollte es natürlich Sozialklauseln geben.
    @Teufel,
    ich will doch kein funktionierendes Geschäftsmodell verbieten. Wer Werbung auf seine Seiten schalten will, soll das tun, wer eine Bezahlschranke zusätzlich speziell für seine Seiten errichten will, soll das tun. Der Anreiz für solche Bezahlschranken wird allerdings stark sinken, denn durch sie verliert man natürlich Klicks und damit Anteile an der Ausschüttung aus der Kulturflaterate. Ein Anbieter wird also genau abwägen, ob die Vorteile einer Bezahlschranke diesen Nachteil aufwiegen. Er wird schon etwas wertvolles und einmaliges bieten müssen, damit eine Paywall akzeptiert wird.

  6. causb

    @Wirtschaftswurm
    Du macht einen Vorschlag (Kulturflatrate) für ein Problem (viele Hundert Bretterzäune) das so nicht existiert ([nur] einige Seiten mit Bezahlschranken) und das du auch garnicht ändern willst (kein funktionierendes Geschäftsmodell verbieten).

    Klickbasierte Vergütung würde jene Anbieter die sich heute schon über Werbung finanzieren können weiter begünstigen. (Oder sollen die dann ausgeschlossen werden?)
    Eine Flatrate ändert wohl nicht viel am Status quo.

  7. Wirtschaftswurm

    Wenn man genauer hinschaut, gibt es schon sehr viele Bezahlschranken. Die meisten Regionalzeitungen stellen nur einen Teil ihrer Artikel ins Netz. Auch für SPON wurde erst jüngst vereinbart, dass nur noch 3 Heftartikel frei ins Netz gestellt werden. Wer mehr haben will, soll den Spiegel (auf Papier oder als App) kaufen. Ist das keine Bezahlschranke? Es ist eine und dazu noch eine, die die Nutzer ganz aus dem Internet vertreiben will.
    Ich bin mir da noch unsicher, ob jemand von der Ausschüttung aus der Kulturflaterate ausgeschlossen werden soll. Denkbar wäre, Seiten mit eigener Bezahlschranke auszuschließen oder Limits für Werbung festzusetzen. So gibt es ja auch bei den durch Gebühren bezahlten öffentlich-rechtlichen Sendern Beschränkungen für die Werbung. Aber wie gesagt, ob solche Regeln sinnvoll sind, weiß ich noch nicht. Verbieten will ich aber in der Tat nichts, das schlimmste, was einem Anbieter passieren können soll, ist, kein Geld aus der Kulturflaterate zu bekommen.

  8. Michael Thuma

    Eine Kulturflatrate ist ein Medienabgabe. Es steht jedem frei das Internet zu Nutzen und ein Businessmodell zu entwickeln. Das ist sehr gut sogar.

    Der Zulauf zu einem freien Angebot ist eine ganz andere Dimension als der Zulauf zu einem Angebot auch nur um einen Cent. Die Welt ist nicht linear. Passt aber das Angebot, ist es selektiv (die Songs die ich hören will) und der Zugang einfach genug – Wettbewerb der Systeme – zahlt der Kunde. Es stärkt den Urheber, genauso wie eine Bootleg die von den Bands selben wurden herausgegeben.

    Es lebe die Anarchie im Markt. Anarchie im Markt stärkt die Talentevielfalt und genauso wie die Eliminierung eines Industriearbeitsplatzes über Automatisierung den Talentepool und das darin enthaltene Talentangebot stärkt. Talent ist nicht Qualifikation.

    Der Arbeitsbegriff in der Industrie ist die Anwendung von Qualifikation über die Zeit und aus meiner Sicht ist es die Anwendung von Talent über die Zeit.

    Wer von Kultur spricht oder im Fall von Musik von ‘Kunst’ der soll sich Gedanken machen über eine talentfördernde Organisation in einem Markt. Aber bitte nicht über Abgaben (gesteuert wird nichts) menschenverachtende Organisationsformen stärken.

    Allein die Abtrennung von Urheber und Verwertungsrecht macht allein dann Sinn, wenn der Verwerter in breiter Konkurrenz steht. Den Musiker interessiert es dass viele Menschen seine Lieder hören, wer über Geld argumentiert spricht weniger für den Urheber. Wenn man es nicht schafft, Hobbymusiker ist auch ein Weg. Love what you do, ist nicht Do what you love. Das Erste ist ein Element der Zufriedenheit und das Zweite ist über Glück/Freude.

    All das darüber hinausgehende bedeutet eher ein Umdenken der Menschen weg vom Material und Konsum … das ist in stark produktionsorientierten Gesellschaft eine Herausforderung. Wertorientierte Talentökonomien sind spannend – Duldung ist zuwenig – durchaus ein positiver Zugang. Sie beschreiben es ja auch teils in ihren Artikeln. Das schwingt etwas im Untergrund mit, sonst schrieben sie keine Blog.

  9. Wirtschaftswurm

    Dann sollten aber alle, die Spaß an ihrer Arbeit haben, keinen Lohn bekommen. Der Spaß muss reichen.

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