Wirtschaftswurm-Blog

Und ist wenigstens die neue Regelung zu Maklergebühren besser als die Mietpreisbremse?

Sozusagen als Nachtrag zu meinem gestrigen Beitrag über die Mietpreisbremse heute eine Analyse der Auswirkungen der ebenfalls geplanten Regelung, dass Maklergebühren zukünftig immer vom Auftraggeber, also dem Vermieter, zu zahlen sind:

Für Mieter, die nur für einen befristeten Zeitraum eine Wohnung suchen, wird sich die neue Maklerregelung nachteilig auswirken.

14 Kommentare

  1. PotzBlitzDonner sagt

    Die Frage ist ja eher wie kreativ der Markt auf die neue Situation reagiert. Ob die Makler nun auch günstigere Angebote machen weil der Vermieter jetzt erstmal preisbewusster wird. Ob es neue kreative Anbieter zum Beispiel im Internet gibt, die den Vermieter bestimmte Arbeiten abnehmen, die der Makler sonst erledigt hat und es dem Mieter mehr erlauben die Vermittlung durch deren Unterstützung oder in Kombination mit reinen „Wohnungspräsentatoren“ (wäre doch ein cooler Studentenjob) zusammen arbeiten, die preiswerter eine Wohnungsbesichtigung durchführen als es der Makler macht, der ja auch oftmals, viel unnötige Zeit damit verschwendet (Volkswirtschaftlich gesehen) überhaupt an eine zu vermittelnde Wohnung zu kommen.

    Ich verstehe nur nicht warum der Gesetzgeber sich so für die Mieter engagiert aber die Immobilienkäufer im regen stehen lässt. Hier ist das Nutzen/Kostenverhältnis weit aus fragwürdiger. Ausnahme sind vielleicht solche strukturschwachen Gebiete wie die Eifel. Ob das vielleicht nicht ein Fall fürs Verfassungsgericht ist. Von Gleichbehandlung kann hier ja keine Rede sein….

  2. „Ob die Makler nun auch günstigere Angebote machen weil der Vermieter jetzt erstmal preisbewusster wird.“ – Ja, das wäre ein positiver Effekt, der mMn sogar recht wahrscheinlich ist.

  3. Die Regelung zu den Maklergebühren finde ich wirklich bescheiden. Soll der Vermieter auf den Kosten sitzen bleiben, wenn ein Mieter einzieht und kurze Zeit später aus irgendwelchen Gründen (zieht zu Freund / Freundin, neuer oder besser Job in einer anderen Stadt, Schwangerschaft, Krankheit oder Tod) wieder auszieht? Ich würde als Vermieter keinen Mietvertrag mehr abschließen, der nicht eine Mindestmietzeit von ein oder zwei Jahren festschreibt.

    Es ist doch insgesamt Schmu zu glauben, dass der Käufer oder Mieter entlastet wird, wenn man dem Verkäufer bzw. Vermieter einer Sache Kosten auferlegt. Wenn ich als Vermieter keinen oder einen zu geringen Gewinn mit der Vermietung mache, ja dann vermiete ich auch nicht.

  4. PotzBlitzDonner sagt

    @mister-ede

    Der Vermieter ist letztendlich der Unternehmer der durch seine Investition Gewinne machen will und damit auch Risiken tragen muss. Aber bei einer durchschnittlichen Mietdauer von 10 Jahren und mehr in Deutschland halte ich das Risiko das der Mieter schon nach wenigen Monaten wieder auszieht, der Grund könnte allerdings auch durchaus mal beim Vermieter liegen, als eher theoretischer Natur. Außerdem kann, so weit ich weiß, ein risikoscheuer Vermieter einen gegenseitigen Kündigungsverzicht von bis zu 4 Jahren in seinem Mietvertrag aufnehmen.

    Wo das Problem beim Verkauf sein soll ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar…

  5. @PotzBlitzDonner

    Zum Verkauf:
    Mit dem Verkauf wollte ich das Ganze nur komplettieren. Ein Beispiel wäre die Umstellung von einer Grunderwerbssteuer auf eine Grundverkaufssteuer. Auch das hätte wohl keine Entlastung für den Käufer zur Folge.

    Zum Kündigungsverzicht:
    So etwas meinte ich mit „Mindestmietzeit“. Einfach eine vorher fest vereinbarte Mietzeit, damit der Vermieter sein Risiko, welches jetzt durch die Regelung zur Übernahme der Maklergebühren entsteht, dass der Mieter eben sehr schnell wieder auszieht und der Vermieter auf den Kosten des Maklers sitzen bleibt, minimiert. Und das finde ich eben gar nicht so gut für den Mieter – zumindest nicht immer.
    Zahlt man als Mieter den Makler, sind im Zweifel halt die 2 oder 3 Monatsmieten weg, aber wenn man einen Zwei-Jahres Vertrag hat und nach 12 Monaten woanders hin muss oder will, wird’s sehr unpraktisch. Und das mit den Maklergebühren gilt ja nicht nur in Top-Lagen, sondern auch dort wo vielleicht nicht so schnell ein Nachmieter gefunden werden kann.

  6. @PotzBlitzDonner „Außerdem kann, so weit ich weiß, ein risikoscheuer Vermieter einen gegenseitigen Kündigungsverzicht von bis zu 4 Jahren in seinem Mietvertrag aufnehmen.“ – Genau das ist doch das Problem. Was machen denn Mieter, die die Wohnung nur für ein Jahr oder für zwei Jahre brauchen? Bisher müssen sie in den sauren Apfel beißen und die Maklergebühren zahlen, zukünftig kriegen sie aber womöglich gar keine Wohnung mehr.

  7. PotzBlitzDonner (Stefan Rapp) sagt

    @Arne Küster
    mit dem Vermieter vereinbaren das der Mieter aus der Kündigungsverzichtklausel raus kommt wenn er selber sich um einen Nachmieter kümmert. Das dürfte auch kein Problem sein, weil tendenziell nur dort eine Kündigungsverzichtklausel in den Mietvertrag eingebaut wird wo eine größere Nachfrage nach Wohnraum besteht. Dort kann sich der Vermieter das leisten. In eher strukturschwachen Gegenden wird der Vermieter darauf verzichten weil er froh ist überhaupt einen Mieter zu finden.

  8. „mit dem Vermieter vereinbaren das der Mieter aus der Kündigungsverzichtklausel raus kommt wenn er selber sich um einen Nachmieter kümmert.“ – Ah, okay, das kann man natürlich machen. Aber was ist der Effekt? Der Mieter zahlt die Maklergebühren nicht beim Einzug, sondern beim Auszug.

  9. PotzBlitzDonner (Stefan Rapp) sagt

    Richtig, aber eben nur in den seltenen Fällen in denen nur Kurz gemietet wird, eine Kündigungsverzichtklausel besteht und in denen der Mieter sich den Luxus eines Maklers dann leisten will. Dann ist das auch OK. Der Mieter hat dann auch die Möglichkeit im Vorfeld sich Gedanken darüber zu machen ob sich die kurze Mietdauer lohnt oder ob es bessere Alternativen gibt.

  10. @PotzBlitzDonner
    „Richtig, aber eben nur in den seltenen Fällen in denen nur Kurz gemietet wird, eine Kündigungsverzichtklausel besteht und in denen der Mieter sich den Luxus eines Maklers dann leisten will.“

    Um es kurz zu machen, den nächsten Schlaganfall mit Umzug ins Pflegeheim einfach besser planen.

  11. PotzBlitzDonner (Stefan Rapp) sagt

    @mister-ede

    § 569
    Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund

    (1) Ein wichtiger Grund im Sinne des § 543 Abs. 1 liegt für den Mieter auch vor, wenn der gemietete Wohnraum so beschaffen ist, dass seine Benutzung mit einer erheblichen Gefährdung der Gesundheit verbunden ist. Dies gilt auch, wenn der Mieter die Gefahr bringende Beschaffenheit bei Vertragsschluss gekannt oder darauf verzichtet hat, die ihm wegen dieser Beschaffenheit zustehenden Rechte geltend zu machen.

    Mir ist schon klar was du meinst, mit der neuen Regelung wird es sicherlich weiterhin Einzelschicksale geben die davon benachteiligt sind. Es geht aber nun mal darum wieviel vorher benachteiligt waren und wieviele es jetzt sind. Dies sind eben meiner Ansicht nach wesentlich weniger. Aber wenn du eine bessere Lösung hast gerne.

  12. @PotzBlitzDonner:
    Diese „Einzelschicksale“ wird es nicht weiterhin, sondern erst durch diese Regelung geben – das ist ein großer Unterschied. Im übrigen kann auch jetzt schon vom Vermieter der Makler übernommen werden, wenn sich Mieter und Vermieter einigen, zum Beispiel über die Festlegung einer höheren Kaltmiete.

    Ich befürworte Markteingriffe, wie z.B. die Bindung an einen Mietspiegel (ist für mich nichts anderes als das Wucherverbot bei Zinsen), die verhindern, dass ein Machtgefälle ausgenutzt werden kann. Bei der Regelung zu den Maklergebühren glaube ich aber nicht, dass das Ziel des Ausgleiches tatsächlich erreicht wird, sondern sich im Gegenteil die Probleme dann einfach an anderer Stelle (Mindestmietzeit) niederschlagen.

  13. PotzBlitzDonner (Stefan Rapp) sagt

    Mir ist da noch was eingefallen, der Vermieter könnte auch mit dem Makler eine Art „Mietgarantie“ vereinbaren und zwar in dem Sinne, das der Makler sich eben verpflichtet ohne Mehrkosten, falls der Mieter zum Beispiel innerhalb der ersten 2 Jahre kündigt, der Makler für einen Ersatzmieter zu sorgen hat. So würde das Risiko der Makler tragen wäre aber für diesen auch ein interessantes Marketinginstrument um sich von anderen Maklern abzusetzen um sich in einem schwieriger gewordenen Marktumfeld besser zu behaupten.

  14. @PBD, ich glaube eher nicht, dass sich eine solche „Mietgarantie“ durchsetzen wird. Das Problem der Leute, die nur kurzzeitig eine Wohnung suchen, löst sie auch nicht.

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