Gesammelte volkswirtschaftliche Inkompetenz

Heiner Flassbeck ist zwar ein Beispiel dafür, dass auch volkswirtschaftlicher Sachverstand nicht vor Irrtümern schützt. Doch auch wenn wirtschaftlicher Sachverstand keine hinreichende Bedingung für gute Wirtschaftspolitik ist, er ist eine notwendige Bedingung, Von daher teile ich Flassbecks Kritik an der Besetzung der wichtigsten Posten im Wirtschafts- und Finanzministerium:

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7 Gedanken zu „Gesammelte volkswirtschaftliche Inkompetenz

  1. popper

    Der “Seitenhieb”, wirtschaftlicher Sachverstand schütze nicht vor Irrtümern, wäre doch nur dann gerechtfertigt, wenn man hier auch ein Beispiel kennen würde. Flassbeck sind vielleicht abweichende Auffassungen zu den neoklassischen Vertretern der Ökonomik nachzuweisen, aber Irrtümer sind das nicht. Im Gegenteil Flassbecks Ausführungen sind konsistent und in der Recherche beispielhaft stringent und logisch begründet.

  2. popper

    Man muss schon genau hinhören, um die feinen Unterschiede oder auch die Übereinstimmungen heraus zu ventilieren. Wenn Werner Tumpe, dessen Statements ich sehr aufschlussreich und erhellend fand, am Schluss darauf hinweist, dass Flassbecks Lohntheorie nur dann funktionieren könnte, wenn man den politischen Konsens, der speziell in Deutschland praktizierten Tarifautonomie, aufgeben würde, dann übergeht er ganz nebenbei, genau das, was in den letzten zehn Jahren, allerdings unter umgedrehten Vorzeichen, mit politischem Druck praktiziert wurde. Das heißt, der Produktivitätsfortschritt plus Inflationszielrate wurde seither permanent unterschritten. Wäre das nicht geschehen, wären die Löhne heute in Deutschland um über 20% höher. Mit den entsprechenden Folgen für den Export. Insofern hat Flassbeck völlig recht, wenn er darauf insistiert, dass dieser Weg nicht weiter beschritten werden kann und Deutschland massiv seine Löhne erhöhen muss, um die Handelsungleichgewichte zu verringern.

  3. Konrad

    Also ich bin zwar kein ausgebildeter Ökonom und versuche es aus der logischen Sicht heraus zu verstehen, aber wenn es zu wenig Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen gibt, dann kann es doch nur daran liegen, dass das Nachfragepotential zu gering ist und Nachfrage kann nun mal hauptsächlich über (Arbeits-)einkommen generiert werden. Wenn man diesen Mangel durch Aussenhandelsüberschüsse ins Ausland kompensiert, kann man dieses Defizit zwar temporär ausgleichen, aber nicht auf die Dauer, da diese Schieflage aus Gründen, die Flassbeck bei jeden Vortrag zum Besten gibt, das gesamte Schiff zum kentern bringt. Davon hat niemand was, außer die Exportwirtschaft und das auch nur temporär.
    Allgemein ist “man” der Meinung, Krisenländer könnten durch Sparen und durch Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit aus einer Krise herauswachsen. Wer soll denn dann die entstehende fehlende Binnennachfrage dort ausgleichen? Deutschland? USA? China? Mars?
    Wirtschaft ist eigentlich ganz einfach, wo keine Nachfrage, da kein Geschäft, wo kein Geschäft, keine Arbeitsplätze und Wertschöpfung, ein einfache kausale Logik. Die Neoklassiker umgehen konsequent die Frage, wie soll bei sinkenden Löhnen das Konsumklima und damit die Wirtschaft angeregt werden. Man muss die Rösser an den Trog bringen, damit sie saufen können. Ich bin jetzt kein Wachtumsfanatiker, man kann ja auch Lebensqualität und Nachhaltigkeit als “Produkt” an den Mann bringen. Für mich ist das Argument, irgendwas wäre zu teuer oder nicht finanzierbar völlig befremdlich, es ist nichts zu teuer, man kann es sich nur nicht leisten, das ist ein riesen Unterschied. Denn wenn man sich etwas leisten könnte, dann würde doch ganz schnell jemand zu finden, der was anbietet. Die interessantere Frage ist für mich eher, wo kommt das Geld, also das Blut im Wirtschaftskreislauf, eigentlich her (Huhn oder Ei)? Die Antwort macht mir richtig Angst, es wird aus dem Nichts geschöpft und zins behaftet verliehen, wie kann man etwas verleihen, was eigentlich nichts wert ist und so tun, als hätte man dann Ansprüche auf reale Werte (Sicherheit). Diese Frage treibt mich die ganze Zeit um. Die Antwort ist wohl wieder simpel, weil man es nicht anspricht so lange sich Andere verschulden, um die eigenen Güter abzusetzen. Man begreift es jetzt so langsam, da vielen dämmert, die bösen Schuldner zahlen das nie zurück und man bleibt auf seinen Forderungen sitzen. Ok, man kann sich ja dann selbst beim Schuldner verschulden, dann würden sich die Schulden wieder ausgleichen. Mir fehlt der Glaube, dass Deutschland so was machen würde, lieber schenken sie alles her. Eigentlich sind die D. in der Gesamtsicht eigentlich einfach nur dumm, in der Einzelansicht heraus meinen sie aber, sie stehen auf dem Siegertreppchen, ein Treppenwitz.

  4. Alex Hummel

    Habe gerade festgestellt, dass Sabine Lautenschläger gar keine Ökonomin ist, was sie aber gar nicht davon abhält Nidrigzinsen anzuprangern.

    Fällt es auch unter das Motto: Juristen verstehen grundsätzlich von allem was ?

  5. Häschen

    Mit jemanden der komplexe Sachverhalte verständlich kann erklären, kann man anderer Meinung sein, aber auf jeden Fall zeugt das von Kompetenz. Gilt für den Wirtschaftswurm genauso. Für die Jugend und den Optimismus kann er nix. Kompetenz besteht auch darin eine dem Zielpublikum zumutbare Präsentation zu erarbeiten und die Zuhörerschaft nicht auf die falsche Fährte zu locken, wenn auch ungewollt.

    ‘ – in und mit der Materie Makroökonomie für viele Jahre praktisch und theoretisch gearbeitet haben.’

    Das ist der Kernpunkt. Ein Berater muss im Vorfeld eine klare Vorstellung haben wohin die Reise geht im Groben und nicht notwendige Diskussion schlicht unterbinden. Insbesondere wenn Politik (egal ob Unternehmen oder Öffentlichkeit) in Spiel kommt ist das vorbeugend. Ein Steigeisen hilft einem am Gletscher aber beim lockern Schnee der unter einem wegbricht bevor man in die Spalte fällt nicht wirklich. Mann muss wissen, dass es Gletscherspalten gibt bevor man auf die Idee kommt Rücksicht zu nehmen und ihnen auszuweichen. Bei 2 gebrochenen Beinen helfen die Steigeisen nicht beim versuchten Wiederaufstieg, da können die besten Steigeisen montiert sein.

    Wird mich aber nicht davon abhalten das Gros der Ökonomen mit Vorsicht zu genießen und mal die ein oder andere kritische Bemerkung über OECD Kennzahlen und anverwandtes von mir zu geben. Besonders wenn Statistiken andererorts widerlegt sind. OECD Arbeitslosenrate geschätzt ist der Trend, dann wird die Arbeitslosigkeit rausgebügelt. Ist in größeren Unternehmen auch nicht anders. Ein Vorstand der was von einer Sache etwas versteht der schaut auf einen OPR und sagt, ‘Die Zahl kann so nicht sein’ und sei es ein erfahrener Controller. Warum wissen die das? Da sie im Umfeld jeder dieser Kennzahlen in der Vergangenheit mitwirkten, das Dahinterstehende mitgestalteten und sehr gut die möglichen Spielräume /Bandbreiten für Relationen untereinander kennen.

    Es reicht nicht bei Sitzungen dabei gewesen zu sein.

  6. Pingback: Deutschlands Euro-Austritt – eine Drohung oder ein Versprechen ? | Saldenmechanik

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