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Minikredite – Überbrückung für einen kurzfristigen Finanzbedarf

Von Achim Kirchmeier für Achim Kirchmeier Internet Services

Die Anbieter auf dem Finanzmarkt spezialisieren Ihre Produkte immer weiter, um möglichst genau jeglichen Bedarf abdecken zu können. In dieses Umfeld ist auch der Minikredit einzuordnen, von dem man in letzter Zeit öfter hört. Es handelt sich um ein Finanzprodukt, das sich vorwiegend an Arbeitnehmer mit stabilem Einkommen richtet.

Sagen wir, Sie wollen einen Urlaub buchen und haben gerade das perfekte Hotel an Ihrem Traumstrand gefunden. Am Monatsende bekommen Sie Ihre nächste Gehaltszahlung, aber ob bis dahin das günstige Angebot noch verfügbar ist? Oder eine ganz andere Situation: Sie hatten einen Unfall und ihr Auto ist beschädigt. Sie benötigen den Wagen täglich, um zur Arbeit zu kommen, aber ihr aktueller Kontostand erlaubt Ihnen die sofortige Reparatur nicht. Was tun? Fehlen andere Geldquellen kann in beiden Fällen die Antwort heißen: Schauen Sie sich doch mal die Anbieter für Minikredite an!

Was ist ein Minikredit? Was nicht?

Ein Minikredit dient dazu, einen kurzfristigen Finanzbedarf zu überbrücken. Er wird normalerweise für eine Laufzeit von rund 30 Tagen vergeben und die Kreditsumme liegt deutlich unter 1000 Euro, in der Regel bei maximal 600 Euro und er wird in der Regel am Stück zurückbezahlt. Das sind die Eckdaten eines typischen Minikredits.

Was über die genannten Summen und Laufzeiten hinausgeht nennt man normalerweise einen Kleinkredit oder auch einen Ratenkredit. Hier findet man Laufzeiten von mehreren Monaten oder sogar Jahren. Manchmal mischt sich hier auch der Begriff „Mikrokredit“ mit hinein. Dabei handelt es sich allerdings eher um Kleinkredite für Kleingewerbetreibende, siehe Wikipedia.

Anbieter für Minikredite abseits der eigenen Bank

Minikredite werden meist nicht von den typischen Banken angeboten. Das liegt daran, dass die mit Dispo-Krediten deutlich besser verdienen und diese deshalb im Bedarfsfall anbieten. Deshalb füllen spezialisierte Anbieter diese Lücke. Doch hier ist Vorsicht angebracht: Die Suche bei Google liefert viele Ergebnisse, aber es sind auch nicht wenige offensichtlich unseriöse Anbieter dabei und nicht wenige koppeln einen Minikredit an ein weiteres Angebot, wie z.B. eine Kreditkarte oder ein Girokonto.

Eine Liste spezialisierter und seriöser Anbieter findet sich auf dem Portal codus.de. Diese Anbieter bieten reine Minikredite mit transparenten Kreditkosten und ohne gekoppelte Zusatzangebote.

16 Kommentare

  1. Seriös? Vorteil gegenüber Dispo? Mit Verlaub, ist das ein ganz schlechter Witz?

    Beim ersten Check gleich voll reingetreten: die via codus.de angeprisene Seite cashper besucht. Der voreingestellt Minikredit von 199.- mit einer Laufzeit von 30 Tagen. Zurückzahlung 201,14.
    Zinsen 2,14 – PRO MONAT. Macht die Kleinigkeit von knapp 29% im Jahr!!! Effektivzins ist natürlich nicht angegeben beim Angebot – ist das überhaupt legal?

    Hoffentlich zahlt Herr Kirchmeier wenigestens gut für die redaktionelle Werbung.

  2. Korrektur – nicht ganz so furchtbar aber immer noch schlecht:
    Die 2,14 Zinsen beziehen sich auf Kredit 199.- und ich habe mit 100.- gerechnet. Bei 199.- sind es 13,7%. Das dürfte immer noch über dem üblichen Dispo liegen und sicherlich höher als der bankeigene Ratenkredit.
    Rechenweg: 2,14/199=1,075% pro Monat. 1,0175 ^12-1 = 13,6958%

  3. @uwe,
    dann mach mal deine Augen auf. Der effektive Jahreszins wird bei Cashper.de direkt auf der Startseite angegeben.
    Aber Hauptsache erst einmal jemanden an den Pranger stellen, nachkucken kann man später immer noch.

  4. Augen aufgemacht und nochmal gesucht. Stimmt, da steht es auf der Startseite in blassgrau und relativ kleinem Font. Die Angabe habe ich glatt übersehen. Sorry.

    Ich bezog mich auf die Folgeseite mit den Bestellung des Kredites und Angaben in gut leserlich, da fehlt der effektive Zinssatz. Ob das ok ist, mögen Juristen beurteilen.

    Bleibt immer noch die Höhe der Zinsen und das ist vermutlich das, was für den Kunden zählt, der so gar keine Reserven hat. Ratenkredite gibt es lt. Vergleichsportal von Focus ab unter 4% p.a. Und auch Dispokredite gibt es lt. Vergleichsportal von Bialo ab 7,5%. Lt. Welt von Mitte September liegt der durchschnittliche Dispozinssatz derzeit bei 8,9%.
    http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article146831886/Deutschen-Bankkunden-winken-690-Millionen-Euro.html

  5. Da sieht man, dass der effektive Jahreszins auch nicht alles ist. Wenn ich einen Ratenkredit für 4% bekomme, aber dafür 12 Monaten lang abbezahlen muss, ist es teurer als ein Minikredit für 13,9% für nur einen Monat. Ich sollte dann allerdings der Versuchung widerstehen, den alten Minikredit mit einem neuen Minikredit zurückzuzahlen.

  6. >effektive Jahreszins auch nicht alles

    Da hast Du Recht.
    Bei solch relativ kleinen Beträgen hätte ich auch eher an einen Dispo gedacht als an einen Ratenkredit. Entgegen dem Text ist der Dispo billiger als der Minikredit. Psychologisch ist der Dispo gegenüber dem Minikredit dagegen nachteilig. Man kann so schön einfach schlampen beim Dispoausgleich und den einfach weiterlaufen lassen. Muss jeder selbst wissen.

  7. Hallo,

    interessante Diskussion hier – insbesondere die Diskussion um den sogenannten effektiven Jahreszins. Fakt ist, das bei cashper der eff. Jahreszins ausgewiesen ist und das Angebot somit den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Über die Diskussion, ob ein Dispokredit oder ein Minikredit besser ist, sei nur einmal Folgendes angeregt: Was its mit jenen Kunden, die überhaupt keinen Dispokredit haben? Aber dennoch – aus welchen Gründen auch immer – kurzfristig einen Kreditbedarf haben? Für dieses Klientel sind Minikredit Anbieter am markt und es wird definitiv auch genutzt. Zudem sei angemerkt, das run 8 % der Bundesbürger ihren Dispo Kredit dauerhaft nutzen und so in ständiger Überschuldungsgefahr stecken. Ein Minikredit MUSS spätestens nach 60 Tagen – je nach Anbieter – zurückgezahlt werden! Ohne Wenn und Aber….

    Gruss
    Markus

  8. @markus

    Möglicherweise hast Du die Diskussion doch nicht so sorgfältig gelesen. Sonst hättest Du auch mein Schuldbekenntnis wahrgenommen: yep, den blassgrauen Effektivzins in kleiner Schriftart habe ich glatt übersehen. Falls es Dir hilft: Mea culpa, mea maxima culpa. Zur Entschuldigung habe ich angeführt: auf der Bestellseite für den Kredit fehlt die Pflichtangabe. Und m.E. gehört die genau dorthin. Ob das ok ist, …

    Zu Deiner Bedarfsgruppenanlyse, da hilf mir bitte. Wer hat einen festen Job (siehe Artikel, Voraussetzung) und keinen Zugang zu Dispo?

    Und zur Rückzahlungsverpflichtung ohne Wenn und Aber hatte Arne schon sehr richtig festgestellt, dass der Minikredit einen kleinen psychologischen Vorteil bietet gegenüber dem Dispo, aber eben auch nur einen sehr kleinen. Denn – auch das hat Arne richtig festgestellt 🙂 – kann ein Minikredit selbstverständlich durch einen neuen Minikredit getilgt werden.

    Ob dieser Minivorteil die nicht ganz unerheblichen Mehrkosten wert ist? Muss jeder selbst wissen, siehe oben. M.E. ist das ein weiteres Abzockerprodukt, das die Welt nicht braucht.

  9. „M.E. ist das ein weiteres Abzockerprodukt, das die Welt nicht braucht.“ – Lass das doch den Markt entscheiden, @uwe. Ich find’s gut, wenn die Banken auch von dieser Seite Wettbewerb bekommen.

  10. @arne
    Sicher wird das der Markt entscheiden. Mir tun nur die armen Schlucker leid, die auf solche Geschäftspraktiken hereinfallen.

    Damit sich das Ganze auch richtig lohnt, reichen cashper die Zinsen nicht:

    Dafür gibt es zum einen noch tolle Zusatzleistungen., z.B. für schnelle Entscheidung, bevorzugte Bearbeitung, sog. Blitzüberweisung. Kosten: 19-39 EUR für JEDEN der Schritte und das bei Kreditbeträgen bis max. 600.-

    Und zum anderen noch so eine kleine Schweinerei: ist die Zahlung überfällig, so verschickt cashper eine Mahnung mit Frist 7 Tage und danach weitere 2 mit ebensolcher Frist. Und das kostet nicht zu knapp:
    „1. Mahnung €9, mit der 2. Mahnung €19,00 und mit der 3. Mahnung €29,00 berechnen. Ab dem Fälligkeitsdatum sind Sie im Verzug und Sie schulden die gesetzlich vorgeschriebenen Verzugszinsen über den noch zu zahlenden Betrag bis zu dem Tag“

    Sieht für mich so aus:
    2,14 Zinsen. 1 Tag überfällig: 9.- Mahngebühr. etc. Tolle Rendite für ein paar Sekunden Computerrechenzeit.

    Sitz der Firma ist übrigens Malta. Ich habe zuerst Mafia gelesen. 🙂

  11. @Uwe: Doch – ich hab die Diskussion hier sehr wohl sehr genau durchgelesen und meinen Kommentar dementsprechend ausgerichtet. Mir liegt es jedoch absolut hier irgendjemand persönlich für seine Meinung oder ggfs. Fehlinterpretationen anzugehen. Aber vielleicht nochmals zur Aufklärung: cashper ist eine Marke der NOVUM Bank mit Sitz auf der Insel Malta, verfügt aber für das Finanzwesen die nötige Banklizenz, was auf der Webseite auch genannt wird. Insofern ist das Kreditangebot unter dem rechtlichen Aspekt alles andere als eine Abzocke. Wen es von Jemanden als solches empfunden wird – nun gut! das wird akteptiert – allerdings als individuelle Auffasung und nicht als allgemeingültiges Urteil durch einen Einzelnen. Zudem sei einfach mal darauf hingewiesen, dass Cashper beim BankingCheck Award 2015 auf Anhieb den ersten Platz belegt hat, was dem fakt geschuldet ist, dass Kunden von Cashper das Kreditangebot als durchweg positiv bewertet haben. Das Gleiche gilt auch für andere Bewertungsportale, wo das cashper Produkt mit einem hohen Prozentsatz positiv bewertet wird.

    Zum Thema Zielgruppenanalyse und somit einfach erklärt: Fester Job, festes Einkommen, aber SCHUFA Einträge aus den letzten 3 Jahren bis max. Risikoklasse K /L d.h. 40 % Ausfallrisiko. Die Bank vergibt ein Girokonto, jedoch zu 95 % keinen Dispo bzw. Kredit!…vielleicht mit einem Bürgen…vielleicht! Und genau diese Zielgruppen, welche in Deutschland nicht gerade klein ist, ist die Zielgruppe. Minikredit Anbieter vergeben in der Regeln bis Risikoklasse und M und mit Bürgen auch darüber. Noch Fragen?

    Noch was: Ein Minikredit kann NICHT mit einem Minikredit ausgeglichen werden! Zumindest nicht beim selben Anbieter – einfach mal die „Regeln“ der Anbieter durchlesen. Zudem haben nicht allen Anbieter dieselben bedingungen bei den „FREI“ wählbaren Zusatzoptionen. Niemand wird gezwungen, diese zu nutzen. Und was Inkassokosten angeht: Schonmal die Verzugsgebühren einer Bank geprüft, wenn eine Kreditrate nicht pünktlich bezahlt wird?

    Es fühle sich bitte niemand angegriffen, denn das ist nicht die Intention. Persönliche Meinung wird immer akzeptiert und respektiert und sollte bitte auch vice versa funktionieren 🙂

    Gruss
    Markus

  12. @Markus

    Freudscher Verschreiber?
    Zitat „Mir liegt es jedoch absolut hier irgendjemand persönlich für seine Meinung oder ggfs. Fehlinterpretationen anzugehen.“ :-))

    Zum Punkt Minikredit durch Minikredit ablösen hilf mir bitte. Du kennst Dich ja anscheinend bei cashper excellent aus. Bzgl. Tilgung eines Minikredits durch einen weiteren Minikredit finde ich lediglich, dass Kredite nicht AUTOMATISCH verlängert werden. Klingt für mich nach „Auf Antrag wird durchaus verlängert“ Steht da irgendwo auf der Cashper Seite was Gegenteiliges?

    Danke für die Info zur Zielgruppe: Also Leute in einer Notlage ohne Dispo aber mit Einkommen. Im Artikel klang das noch so, als ob sie die Wahl zwischen Dispo und Minikredit hätten.

    Ok, verstanden. Das erklärt, warum die Leute nicht den deutlich billigeren Dispo in Anspruch nehmen, sofern sie sich überhaupt über die Kosten und die exorbitanten Folgekosten des Minikredits bei Tilgungsverzug bzw. der optionalen Zusatzleistungen klar werden.
    Eine solche Zielgruppe riecht ganz stark nach BGB §138. Und den wolltest Du mit dem Hinweis auf die Banklizenz kontern, richtig? Bei dem Argumentationsversuch fehlt mir der kausale Zusammenhang zwischen Banklizenz und Nicht-Abzocke.

  13. @Markus

    PS:
    Interessant fände ich mit welcher Logik Cashper die ansteigenden Kosten der Mahnungen von bereits stattlichen 9.- auf sage und schreibe 29.- für eine simple email oder bestenfalls Postbrief rechtfertigt. In Rechnung gestellt werden dürften lediglich die tatsächlich anfallenden Kosten. Und die liegen nach einer kurzen Internetsuche regelmäßig eher bei 2,50 als bei 5,00 oder gar 9,00 und steigen ganz sicher nicht durch die Wiederholung an.

  14. Stefan Rapp sagt

    @Uwe „Mir tun nur die armen Schlucker leid, die auf solche Geschäftspraktiken hereinfallen.“ Ja die tun mir auch leid, frag mich aber auch was mit deren Eigenverantwortung ist. Vielleicht müsste es in unserer Gesellschaft eine Art Option geben mit der man sich selber als nicht mehr Geschäftsfähig bezeichnen kann und sich praktisch dann freiwillig unter wirtschaftlicher Fremdverwaltung stellt noch bevor es zur Privatinsolvenz kommt, damit sich diese „armen Schlucker“ dann schon rechtzeitiger in rettende Hände begeben können, eine art Preprivatinsolvenz das wäre dann auch für die „armen Gläubiger“ unter den Gläubigern ein Segen.
    Aber was ist mit denen für die dieses Angebot ein Glücksfall ist und denen das wirklich weiter hilft mit denen freu ich mich mit und finde es gut das es solche Anbieter gibt. Wenn diese Anbieter zu viel Rendite verdienen sollen dann lässt sich das nicht an der Rendite des einzelnen Angebots ermessen sondern eben am Gesamtgewinn dieser Geschäftsidee. (falls der Gesamtgewinn durch zu übertriebene Gehälter und Bonies oder schlechten wirtschaftens sich entsprechend reduziert muss dass natürlich bei der Betrachtung auch Berücksichtigung finden) Sollte dieser für manche Zeitgenossen zu hoch sein dann müsste dies eigentlich der Markt durch günstigere Anbieter im Wettbewerb richten. Ist der Wettbewerb dann im Gleichgewicht falls nicht schon geschehen, lässt sich das Angebot eben nicht mehr günstiger Anbieten. Falls dann doch noch Menschen gibt die der Meinung sind das wäre noch zu hoch reicht es ja völlig, wenn nur einer oder mehrere zusammen dies konstruktiv beweisen in dem sie selber so ein Unternehmen gründen und es besser machen. „peer to peer Kredit“ wäre ja auch so ein Stichwort bei denen die Anbieter ihre Kreditvergabe mehr als gemeinnütziges Engagement verstehen.

  15. @Sefan Rapp
    Ich bin ganz und gar Deiner Meinung. Bitte verstehe meine Kommentare nicht in Richtung „schutzbedürftig“ sondern eher als Ergänzung des redaktionellen Teils.
    Sicherlich hast Du keine Einwände dagegen aufzuzeigen, wenn im redaktionellen Text falsche Erwartungen geweckt werden (z.B. Minikredit sei billiger als Dispo -> nein, Minikredit ist in den meisten Fällen teurer) oder wenn die angebotenen Konditionen in vergleichbaren Fällen als rechtswidrig eingestuft wurden (z.B. Höhe und Struktur der Mahngebühren). Zum Wettbewerb gehört auch die Beachtung der gesetzlichen Randbedingungen.

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