Wirtschaftswurm-Blog

Richtig oder falsch basiert darauf, wie lange wir damit konfrontiert sind (Teil 2)

Fleischversicherung oben

Der zweite Teil des Plädoyers für einen monatlich zu leistenden Pflichtbeitrag aller Bürger zugunsten einer artgerechten Tierhaltung – von Gastautor Emil Müller

Wie wichtig eine verbesserte Kontrolle in der Fleischproduktion und -versorgung ist, zeigen uns die jüngsten Ereignisse. Hier könnte die „Fleisch-Versicherung“, wie sie in Teil 1 dieses Artikels beschrieben wurde, sinnvoll greifen, weil man aus ihr wichtige Finanzierungsmittel schöpfen könnten. Neue EU-Richtlinien erlauben eine Vielzahl an Vereinfachungen in den Schlachtrichtlinien und bieten ebenso eine Menge an Lücken für die, die ohne Gewissen profitieren wollen – Stichwort Pferdefleischskandal im Jahre 2013. Wer ein Produkt wie Maggi-Ravioli erwarb, der merkte seinen Fehlgriff rasch. Zuerst erscheint der Vorfall nicht befremdlich, sofern Fleisch als Fleisch betrachtet wird. Allerdings stammten die entsprechenden Pferde aus Rumänien und wiesen Medikamentenspuren auf. Ob diese Tiere neben den Medikamenten möglicherweise auch Krankheiten an die Endverbraucher, die sie konsumiert haben, nachträglich weitergeben können?

Die Zustände in den Schlachtereien haben auch massive Auswirkungen auf den Endverbraucher selbst. Auf die erschreckenden Verhältnisse in einer Schlachterei bzw. den Weg dorthin wird an dieser Stelle jedoch nicht genau eingegangen. Der Grund unseres schlechten Verhaltens gegenüber dem, was wir als Tier bezeichnen, liegt wahrscheinlich in der mangelhaften Wertschätzung von Nutztieren.Käfighuhn träumt von einem MindestlohnGegenläufern wie dem „Kuhflüsterer“ Philipp Wenz hingegen, die für eine artgerechtere Haltung sowie Tötung der Tiere kämpfen, werden Steine in den Weg gelegt. Sei es wegen nicht vorhandener Hygiene auf Wiesen, wenn die Tiere dort vor Ort ihr Ende finden, oder wegen fehlender Veterinäranwesenheit und -kontrolle und vielem mehr. Gerade hier könnte die „Fleisch-Versicherung“ nutzen, indem sie den Abbau von Schlachthöfen in langsamen Schritten und den Aufbau von Einrichtungen für die Tötung der Nutztiere auf den Höfen vor Ort bewirkt. Fleisch von Tieren, die Stress vor ihrer Tötung hatten, ist zäh und aus Massenzucht stammendes wässrig, sodass gebratenes Fleisch in der Pfanne massiv schrumpft – der Verbraucher also nicht zuletzt den Kilopreis für Wasser und nicht für Steaks bezahlt; meistens erworben von denen, die sowieso nicht über einen hohen, finanziellen Spielraum verfügen.

Gehen wir in den Supermarkt, finden wir zahlreiche, preisgünstige Fleischprodukte verschiedener Marken. Jeder Konsument weiß: Niedrigpreis = möglich, weil die Anbieter ihre Tiere entsprechend „billig“ halten. Eine Dreierpackung Schnitzel 600 g für 2,99 bedeutet im kürzesten Kettenbeispiel: Der Besitzer des Tieres bekommt Geld dafür, der Schlachter möchte daran verdienen, der Lieferant zum Supermarkt wird bezahlt und auch das Lebensmittelgeschäft macht seinen Umsatz damit. Tierwohl bleibt also „aller-letzt-rangig“. Das Hauptargument wie z. B. der Bundeskanzlerin Merkel in diesem Punkt ist, „jeder soll sich sein Frühstücksei leisten können“ – schließlich würden Menschen unterschiedlich viel verdienen und Geringverdiener dürften deshalb nicht in ihrer Nahrungswahl benachteiligt werden. Bei der Energiewende gilt dies leider nicht.

Bereits im Jahre 2013 sind viele Menschen mit geringen, finanziellen Mitteln nicht mehr in der Lage, sich den „Mindeststrom“ leisten zu können. Bei der Fleischwahl gleichfalls wie bei der Stromversorgung gilt: wer es sich leisten kann, verliert nur Geld, aber nicht Komfort. Das sind gleichzeitig die Gründe, die eine Zweiklassengesellschaft ermöglichen. Wer den Geldbeutel reichlich gefüllt weiß, der kann Fleisch erwerben, das von „glücklichen Tieren“ stammt. Nachweislich hat dieses Fleisch eine deutlich höhere Qualität, was u. a. den größten Anreiz ausübt, Freilandhaltung zu unterstützen. Doch leider gilt: der Graben zwischen Armen und Reichen wird immer größer und lässt sich noch weiter dehnen.

Folglich wird der Hauptansturm grundsätzlich an den sogenannten „Billigangeboten“ festhalten und die Massentierhaltung in unserer Gesellschaft bleibt ohne eingreifende Änderungen ein Erfolgsmodell, das hilft, die zweite Klasse unserer Gesellschaft auszupolstern. Die Schnur, um diese Schere langsam wieder zuzubinden, könnte jedoch die „Fleisch-Versicherung“ liefern, wenngleich sie vielleicht auch nur das erste Steinchen wäre, das sich plötzlich bewegt.Fleischexport und -importDie Krankenversicherung in Deutschland ermöglicht es uns, auch im Armutsfalle zum Arzt zu gehen. Obwohl unsere Vergütungen an die KV verschieden sind, werden jedem die gleichen Gesundheitsleistungen zuteil.

Warum nicht Ähnliches durch eine „Fleisch-Versicherung“ zugunsten unserer Nutztiere? Zweifelsfrei entwickeln die Skeptiker unter uns bezüglich der „Fleisch-Versicherung“ sofort einen Einwand wie den Folgenden: „Ich bezahle doch nicht das Fressen der anderen!“ Doch sollte letztlich dieser Aspekt im Fokus stehen:

Wir zahlen nicht primär für „das Fressen“ von jedermann, sondern investieren durch die Einführung einer „Fleisch-Versicherung“ mit konstanter Preisgarantie im ethischen Sinne für die Tiere, die wir essen, und schaffen gleichzeitig einen langanhaltend wirkungsvollen Effekt für die Zukunft, in der die Menschheit ihre Messlatte nicht auf 7,2 Milliarden Menschen vom Stand 2013 beschränken wird. Darum müssen wir folglich einen Weg finden, dauerhaft qualitativ hochwertige Nahrungsmittel verwenden zu können, die ebenso im ausreichenden Maße zur Verfügung stehen, damit wir nicht irgendwann um das Bisschen, was da ist, kämpfen müssen, das sich dann unter den Reichen aufteilt.

9 Kommentare

  1. Pingback: Richtig oder falsch basiert darauf, wie lange wir damit konfrontiert sind (Teil 1) | Wirtschaftswurm

  2. SklaveNr193254235 sagt

    Ich halte einen Pflichtbeitrag genauso wie die Umweltplaketten oder sonstige Steuern, Abgaben , „Beiträge“ (siehe GEZ) für sinnlos. Zuerst ein Beispiel: wenn ich mit einer Umweltplakette herumgurke, den Behörden, Staat oder auch Ämtern bzw Unternehmen mein schwer erarbeitetes Sklaven Honorar in den Rachen werfe, wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, das dieses Geld an falscher Stelle verpulvert wird ?
    Haben wir mit all den Steuern und Zusatzabgaben wirklich im Endeffekt ein besseres, gesünderes Gesellschaftssystem ?
    Ist mit unsere Propagandaabgabe sry Demokratieabgabe die Qualität des Rundfunks besser geworden?
    Macht eine Smogwolke an einer von Menschen gesetzte Grenze halt, nur weil ein Umweltschild aussagt: „Umweltzone“?
    Wollen Sie allen ernstes freiwillig noch mehr Geld den falschen Leuten geben, in der Hoffnung, das diese dann plötzlich einen Sinneswandel erhalten und es für den eig. gewollten Zweck verwenden?
    Ich muss Ihnen leider sagen, das das in den wenigsten Fällen passieren wird, aber was ich garantiere, ist, das der Bürger letztlich nicht unendlich viel Geld hat, um es wieder zu „verschenken“.
    Manchmal frage ich mich echt, wann die Leute verstehen, das man mit Steuern und Abgaben niemals eine Garantie hat.
    Jeder für sich kann entscheiden was und wo er kauft, noch produzieren wir im Überfluss.
    Wer sich dann von der Wirtschaft täuschen lässt und ungesunde Nahrung konsumiert, ist leider selbst Schuld, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Die beste Methode ist immer noch der Bauernhof, überspitzt formuliert. Ich versuche mir anzugewöhnen, so oft wie möglich zu planen und statt zum Discounter den Markt aufzusuchen.
    Hier kann man anlegen und versuchen, etwas zu bewirken, wesentlich sinnvoller. Genauso wie Aufklärungskampagnen sowie die Motivation, mitzuwirken und somit die Vernetzung zu fördern von Privatleuten und Landwirten bzw Selbstanbauenden.
    Die wenigsten können bzw wollen nicht nachvollziehen, was mit Ihren Steuergeldern geschieht. Ist auch ehrlich gesagt nahezu unmöglich.
    Zeigen Sie mir, wie sie die Kontrolle über Ihrer „Umweltabgabe“ aufrechterhalten, denn kaufen kann man viele Leute, notfalls mit Druck und / oder Täuschung.

  3. uwe sagt

    Ein paar Fragen, z.T. noch aus Teil eins offen:

    1) Gegen welchen Schaden versichert die hier propagierte Zwangsversicherung den Bürger? Sprich bei Eintritt welchen Schadensereignisses bekommt der versicherte Bürger eine Zahlung? Bei korrekter Sprachgebrauch wären wohl eher die Bezeichnungen Subvention und Zwangsabgabe angebracht.

    2) Worin besteht der Nutzen der vorgeschlagenen Subvention von Bio-Bauern und ähnlichen Tierhaltern für die zahlende Melkkuh aka Bürger?

    3) Warum sollte ich Fleisch von glücklichen Tieren statt solchem aus Massentierhaltung erwerben wollen? Worin besteht denn die behauptet „nachweislich deutlich höhere Qualität“. Und will ich (bzw. wollen die weiteren Zwangsbeglückten) diese Qualität überhaupt? Den Preisunterschied zw. einem 50EUR Wein und einem 10EUR Wein schmecke ich nur in seltenen Fällen, ergo kaufe ich keinen 50EUR Wein mehr. Warum sollte das bei Fleisch anders sein?

    4) Sehr schön schreibt Herr Müller unter Bezug auf 7,2 Mrd Menschen (gekürztes Zitat): „Darum müssen wir einen Weg finden, dauerhaft hochwertige Nahrungsmittel in ausreichendem Maße zur Verfügung (zu stellen).“
    Da möchte ich doch zu gerne wissen, wie er sich die Fleischversorgung von 7,2 Mrd ohne Massentierhaltung vorstellt. Wobei, selbst mit Massentierhaltung dürfte eine Fleischversorgung auf dem Niveau heutigen Konsums westlicher Länder für die gesamte Menschheit kaum möglich sein. Den Insekten gehört vermutlich die Zukunft in der Proteinversorgung der Menschheit, mal sehen. Vor diesem Hintergrund ist dieser Artikel die reine Luxusdiskussion.

    5) Schlenker „Mindeststrom“: Warum sollten wir eine Einklassengesellschaft wollen, in der jeder das gleiche und damit auch nur das gleiche bekommt? Wer den Geldbeutel reichlich gefüllt hat, der kann sich nicht nur „glückliches Fleisch“ kaufen sondern auch den schöneren Urlaub machen etc. Ja, und?. Und der eine kauft lieber glückliches Fleisch und der andere einen schönen Urlaub. Soll er doch, wenn er will. Wofür möchte der Autor hier plädieren? Glückliche Kühe oder doch eher Einheitssozialismus?

    6) Und zum Abschluss rein technisch: Was soll die schöne Grafik mit Importfleisch und Exportfleisch belegen? Nur als Aufwach-Farbkleks in der farblosen Textwüste? Im Text selbst finde ich keinerlei Bezug darauf.

  4. Emil sagt

    Ein gehobenerer Text setzt voraus, dass sich der Leser darin versteht, nicht alles einfach 1:1 auf dem Teller serviert zu bekommen und nur noch schlucken zu müssen. Es heißt nicht umsonst: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“ und lesen bedeutet nicht, Buchstaben nur aneinanderzureihen, damit ein Wort zusammen kommt, sondern auch Kontextverständnis zu beweisen. Dass hier nicht von mir auf Wirtschaftswurm so etwas wie ein Teletubbiebuch folgt, ist wohl klar. Selbstverständlich muss der Text Kürze haben, sonst wäre er kein Blog-Beitrag (die ursprüngl. Originalfassung ist 13 Seiten lang).

    Wer natürlich von der Startlinie losrennt und nicht wie die anderen sieht, was man ihm auf der Strecke alles an Oasen, Bäumen, Wasserflaschen u. ä. bereitgestellt hat, dem wird die Strecke wohl wirklich als trostlose, unendliche Wüste vorkommen und er wird folglich das Ziel, also das Textende nicht erfolgreich erreichen können. So jemand fragt anscheinend durch eigene Auflistungen die anderen nach dem Weg , damit diese ihm die Strecke beschreiben, weil er alleine nicht vorankommt, also alles Wort für Wort vorgekaut zu bekommen verlangt und dabei irrwitziger Weise noch fest behauptet, dass er nicht nach dem Wege zu fragen braucht, weil er gegen Bevormundung (also auch folglich Wegweisung) sei.

    „[…] die am Massenbetriebskonzept festhalten […] um Massentierhaltung möglichst unattraktiv zu machen. […]
    Allein hier sollte schon ein Licht aufgehen, dass die Fleisch-Versicherung nicht dazu da ist, die Massentierhaltung mit einem Fingerschnipp zu verbieten, sondern sie langsam zu verdrängen. Wie oder wozu sollte man schließlich etwas UNATTRAKTIV machen, das angeblich plötzlich nicht mehr da ist???

    „[…]der für jeden Bürger in Deutschland verpflichtend […]
    Wenn ich die Welt damit gemeint hätte, warum taucht dann wohl „Bürger in Deutschland“ auf? Vielleicht, weil die Bürger in Deutschland mit ihrer Geldabgabe das Fleisch der ganzen Welt finanzieren sollen? Wirklich, dass das nicht (gemeint) sein kann, lässt sich in der Tat einfach erschließen.

    Wenn der Name das einzige Hindernis ist, das noch verhindert, dass die Fleisch-Versicherung nicht eingeführt würde, wäre das wohl etwas, was ich rasch ändern könnte, indem ich dem Kind eben einen etwas anderen Name gäbe. Darum ist das wohl nicht Gegenstand der Diskussion. Über das World Wide Web Definitionen aus dem Internet herauskitzeln kann jeder – das macht keine Argumentationskraft aus, zeigt aber, dass die Argumente anscheinend langsam ausgehen. Gönnen wir uns einen kleinen Seitenschlenker. Die Sprache ist lebendig, sonst hätte sie sich nicht entwickeln können. Wären die Leute früher bei dem Wort „geil“ noch vor Scham oder Ärger in Ohnmacht gefallen, so bedeutet dieser Begriff heute bei Jüngeren lediglich noch so viel wie „toll“. Zumal, rechtlich gesehen ist die „Versicherung“ i. d. R. sowieso nicht gesetzlich definiert. Warum also um Staub streiten, wenn es deutlich größere Brocken gibt, mit denen man sich beschäftigen kann?

    Wenden wir uns dem Weinbeispiel zu. Wein ist ein Genussmittel und für die Thematik hier nicht zuletzt deshalb gänzlich ungeeignet. Hätte uns Wein all die Zeit am Leben gehalten, wären unsere Vorfahren, die den Wein noch nicht entdeckt hatten, wohl rasch verstorben und der Mensch somit ausgestorben. Ich verweise nochmals auf den Textinhalt. Weingenuss soll nicht mit niedrigen Preisen gefördert werden. Denn ob derselbe Wein nun 10 oder 50 € kostet, sein Geschmack bleibt für den Konsumenten gleich, weil er ja deshalb nicht anders hergestellt würde. Auch geht es nicht darum, der Traube ein artgerechteres Leben zu ermöglichen, bevor sie ausgequetscht wird und wer sich den 50 € Wein nicht leisten kann, obwohl er ihn gerne haben möchte, der ist höchstens traurig. Zumal Wein nicht zu den Grundnahrungsmitteln gehört, Fleisch aber schon – was wieder beweist, das Beispiel mit Wein sollte als Themenverfehlung gewertet werden.

    Worin liegt das Argument, das scheinbar den Charakter begerbergt, dass Massentierhaltung deshalb (in Deutschland) erhalten bleiben soll, weil sonst die Menschheit so oder so nicht weiterhin genug Fleisch hätte? Warum schließlich betreibt man dann Entwicklungshilfe u. ä. in Afrika oder ähnlichen Ländern und sagt nicht einfach: „Gebe es weniger Menschen, würde sich das Problem von selbst lösen – ganz so wie man es in der Tierwelt vorfindet: zu viele Tier einer Art = zu wenig zu fressen = viele Tiere sterben = es werden weiniger Tiere = es gibt wieder genug zu fressen pro Tier.“ Warum geht man wohl doch anders vor? Genau! Es geht hier um Lebewesen und nicht um Gegenstände! Wenn ich es richtig verstehe, sind manche folglich anscheinend der Meinung, man solle einfach alles so lassen wie es ist, weil es am Ende (wahrscheinlich) auf anderem Wege doch nicht hilft, was die logische Folge solch einer Meinung hätte: die Menschen dort sterben ja jetzt sowieso auch und es werden auch in Zukunft welche sterben. Ein großes Lob natürlich an diejenigen, die schon genau jetzt sagen können, was für die Zukunft zu tun ist, weil sie bereits 100 % wissen, was sich dann abspielen wird und deshalb eindeutig beurteilen können, welche Vorschläge mit Sicherheit Unsinn sind und welche nicht. Das ist wohl der Beweis, dass es doch Wahrsager geben muss. Schade, dass ich nicht dazu gehöre und es nur mit Vorschlägen versuchen kann, die dann hoffentlich positive Wirkung haben (können).

    Drehen wir den Spieß zum Spaß einmal um. Wer kann mir beweisen, dass Massentierhaltungsfleisch besser schmeckt und auch noch gesund ist und dass die Menschen – hätten sie frei die Auswahl – lieber Massentierhaltungsfleisch zu sich nehmen als Fleisch aus Freilandhaltung?

    Ein Urlaub erhält mich nicht am Leben. Nahrungsmittel schon. Ich kann problemlos mein ganzes Leben ohne Urlaub verbringen und werde davon nicht krank. Nehme ich aber aufgrund von Geldmangel schlechte Nahrungsmittel zu mir, werde ich das in meiner Lebenszeit wohl deutlich spüren. Darum kann man Fleisch (Grundnahrungsmittel, nicht zuletzt auch ein Grundbedürfnis) nicht mit Urlaub (Freizeitvergnügen) vergleichen.

    Zuletzt zu den Antibiotika-Resistenzen. Wenn in Deutschland die Kontrollen besser werden, weil besser finanziert, also kein Antibiotika für die Landwirte, die die Fleisch-Versicherung „unterstützt“ zum Zufüttern mehr erlaubt ist (es ist auch jetzt nicht erlaubt, nicht, dass mir diese Formulierung nun jemand ankreidet, aber die Kontrollen sind zu schlecht, weshalb in der Praxis immer noch Antibiotika ab und dann verwendet wird), trägt dies erheblich gegen Antibiotikaresistenzen bei. Der Unterschied ist nämlich: schlucke ich freiwillig wegen jedem Nieser Antibiotika, habe ich mir das frei ausgesucht und bin selbst schuld, wenn das Antibiotika nicht mehr hilft; nehme ich aber Antibiotika über die Nahrung auf, kann ich das nicht wissen und habe nicht frei entscheiden können, bin also ein Opfer davon. Aber die Nichtigkeit des Entgegenwirkens einer Resistenzbildung damit zu begründen, dass resistente Keime von außen eingeschleppt werden könnten, erscheint mir witzig. Warum also haben Krankenhäuser in Deutschland Hygienevorschriften, sodass dort keine Keime u. ä. zu finden sein sollen? Denn es könnte ja jemand aus dem Ausland kommen, in dessen Land das nicht gilt und weshalb dort noch andere Erreger zu finden sind, hier ins Krankenhaus eingeliefert werden und Keime mitbringen, die sich dort dann verteilen – was hat es dann gebracht, die einheimischen Keime von den Wänden und Instrumenten schon vertrieben zu haben, wenn die „fremden“ noch eine Weile dort herumspuken? Dass von außen in die Krankenhäuser „Krankheiten“ eingeschleppt werden können, ist wohl kein Geheimnis. Warum also nicht einfach die Krankenhäuser „im Dreck“ lassen, anstatt weiter gegen Keime vorzugehen? So wird der Pessimist wohl zustimmend sagen: Es wird ja sowieso ab und dann jemand ins Krankenhaus kommen, der Krankheiten verteilt – der eine stirbt halt deshalb daran, der andere nicht. Aber die Hygienevorschriften bleiben zum Glück dennoch bestehen, weil die Optimisten auch noch da sind. Also ist es auch sinnvoll gegen Antibiotikamissbrauch bei Nutztieren vorzugehen. Oder gibt es seriöse Quellenangaben dazu, dass die Antibiotikabekämpfung zu keinem messbaren Erfolgen führen würde, wenn man verstärkter dagegen vorginge?

  5. uwe sagt

    Hallo Herr Müller,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme. Ja, ich pflege zu fragen, wenn ich etwas nicht nachvollziehen kann. Das mag für Sie neu und vielleicht auch unbequem sein. Aber so ist das in der Wissenschaft üblich.
    Warum Sie sich darüber 2 lange Absätze mokieren, das frage ich mich allerdings auch. Fallen Ihnen inhaltlich denn gar keine Antworten ein und machen Sie deshalb zur Ablenkung wieder (und nicht nur) einen Schlenker? Der viele Text hat Ihnen jedenfalls zur Beantwortung der recht einfachen Fragen nicht ausgereicht, schade eigentlich angesichts des durchaus problematischen Themas. Von sechs beantworten Sie eine Frage ansatzweise (Frage 2) und diese Antwort ist aus meiner Sicht auch noch falsch, nun ja.

    Der Vollständigkeit halber halte ich einfach mal die Fragen nach und mache mir die Mühe, Ihren langen Text nach dazu passenden Punkten zu durchsuchen.

    Frage 1) Welchen Schaden diese Versicherung dem Bürger erstatten soll schreiben Sie nicht. Immerhin scheinen Sie zu erkennen dass der Begriff falsch ist. „Lebendige Sprache“ wie Sie es nennen ist m.E. eine faule Ausrede. Bei Diskussionen ist es sinnvoll Begriffe so zu nutzen, wie sie die Gesellschaft kennt. Schlampiger Sprachgebrauch hingehen ist nicht dazu geeignet die Verständlichkeit des Textes zu fördern, wohl aber den Leser zu manipulieren.

    Bei Frage 2) scheinen Sie nach wie vor von einer deutlichen Verminderung der Gefährdung durch Resistenzbildung auszugehen und damit von einem messbaren Nutzen für den Bürger, und dies allein durch eine lokale Minderung aber keinem Verbot der Massentierhaltung in D. Vor der Massentierhaltung und Resistenzenbildung in der restliche Welt schliessen Sie die Augen. Sie argumentieren als ob Sie / wir allein auf einer Insel wären. Nun, wer an einen messbaren Effekt solcher minimalen Massnahmen glaubt, der möge es tun, ich tue das nicht!
    Vor den hässlichen Keimen in der Ente aus Thailand oder der Ganz aus Polen schützt uns Ihr Vorschlag nicht, ebenso wenig wie vor dem Keim im Schweineschnitzel oder Brathähnchen aus den in D verbliebenen Massentierzuchten.
    Bei Ihrer „Versicherung“ sehe ich unter diesen Umständen lediglich viel rausgeworfenes Geld für wenig Effekt. Eine bessere Überwachung der existierenden Regeln in D wäre sicherlich erheblich billiger und würde ähnliche Effekte liefern.
    Was Sie mit Ihrer für mich nahezu unverständlichen Textpassage hinsichtlich Krankenhaus auch immer ausdrücken wollen: Keime und damit resistente Keime treten nicht nur im Krankenhaus auf. Die Hygienemassnahmen dort dienen dem Schutz der geschwächten Patienten vor Infektionen mit vorhandenen Keimen egal ob resistent oder nicht. Und die im Krankenhaus auftretenden Resistenzen dürften zum grossen Teil auch dort und nicht nur in der Massentierhaltung selektiert worden sein.

    Bei Frage 3), Benennung der behaupteten höheren Fleisch-Qualität, drücken Sie sich sowohl um eine klare Benennung der Vorteile als auch um Referenzen hierfür. Da Sie derjenige sind, der diese behauptet, ist es auch an Ihnen, Ihre Behauptung zu belegen, und nicht an mir, eine unbelegte Behauptung zu widerlegen.

    Frage 4) empfinden Sie offenkundig als unzutreffend. Nun ja, Sie möchten aus welchen Gründen auch immer jeden Bundesbürger mit Freilandfleisch beglücken, den Rest der Menschheit aber aussen vor lassen. Das können Sie gerne, nur ignorieren Sie damit die Resistenzbildungen weltweit und den dadurch minimierten Nutzen für den zahlenden Bürger, s.o.. Vogel Strauss Politik nennt man so etwas.

    Frage 5). Genauso fehlt jegliche Rechtfertigung, warum der deutsche Bürger mit Luxusfleisch zwangsbeglückt werden sollte, anstatt ihm ggf. die Entscheidung selbst zu überlassen, wofür er seine Ressourcen einsetzen möchte. Den Weinvergleich haben Sie oder wollen Sie völlig falsch verstehen. Es geht nicht um die Versorgung mit Grundnahrungsmittel, sondern ob der Bürger den behaupteten Mehrwert überhaupt will. Im übrigen ist Fleisch und insbesondere Freilandfleisch als Nahrungsmittel keineswegs unabdingbar sondern ein ersetzbares Luxusgut, womit jegliche Grundnahrungsmittelargumentation ins Leere läuft.

    Frage 6) rein technisch. Warum Sie die Bildchen einfügten, das weiss wohl keiner von uns.

    Offenkundig können wir uns nicht verstehen. Da macht eine weitere Diskussion zwischen uns wenig Sinn. Einen Tipp habe ich: Falls es Ihnen – der Eindruck kommt zwischen den Zeilen nicht nur bei mir auf – weniger um das Wohl der Menschen geht – mit dem Sie argumentieren – und statt dessen mehr um das der Tiere geht, dann sollten Sie auch diesbezüglich argumentieren statt angeblichen Nutzen für den Bürger vorzuschieben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe

  6. Keeper sagt

    Ich versteht die ganze Diskussion nicht. Der Autor hat seine Meinung Kund getan und zugegeben auf dem ersten Blick vielleicht einen Lösungsvorschlag gemacht, der nicht bei alle gleichermaßen auf Zustimmung stößt, aber bei genauen Hinschauen erkennt man, dass mancher Leser offensichtlich die Intension des Autors nicht verstanden hat.

    Es geht nicht darum besserwisserisch etwas neu zu erfinden, sondern vielmehr die Leser aufzuwecken und ihnen einfach mal die Augen zu offenen und ein Bewusstsein zu entwickeln.

    Meiner Meinung nach scheint dies auch gelungen zu sein, denn sonst würde hier doch wohl kaum so rege diskutiert werden.

  7. @uwe,
    das Bild zu den Import- und Exportmengen bietet meiner Meinung nach interessante zusätzliche Informationen. Darum habe ich es drin gelassen. Und ja, auch um dem Leser einen Blickfang zu geben und ein Ziel weiterzulesen. Ist das schlimm?
    Ansonsten bitte ich dich wie auch @emil, ein bisschen die überflüssigen persönlichen Spitzen aus der ansonsten sehr interessanten Diskussion herauszunehmen.

  8. uwe sagt

    @Arme

    Die Import/Exportquoten finde ich auch durchaus interessant. Richtig verwendbar wären die Daten, wenn jetzt noch den Fleischverbrauch in D bekannt wäre und evt. sogar die Weltfleischerzeugung, um Relationen abzuleiten.

    Inhaltlich sprechen die Daten dieser Bilder m.E. gegen die vorgeschlagene Zwangsabgabe/Subvention.

    Zum einen würde der Bürger die Qualität des in großen Mengen exportierten Fleisches massiv subventionieren. Ggf. höhrere erzielte Preise gingen dabei in die Tasche des Exporteurs. Das ist doch genau der Punkt der aktuell gerne hervorgehoben wird: Kosten/Risiken vergesellschaften, Gewinne privatisieren.

    Zum anderen drücken die hohen Importe den Anteil des in D verkaufte Freilandfleisches weiter und damit den Nutzen für den Bürger.

    Bzgl. Spitzen gegen Emil verspreche ich Zurückhaltung. Als Entschuldigung mag gelten, dass ich eher ein Fan klarer Aussagen sowie kausaler Argumentation bin und mit der Ausdrucksweise des Autors erhebliche Verständnis- und Kausalitäts-Probleme habe – sprich: was will er, was sagt er da und hat die eine Aussage mit der anderen überhaupt etwas zu tun bzw. begründet die eine die andere wirklich ?

    Mit meinen Fragen wollte ich auch nicht besserwisserisch sein, sondern zum einen auf die Irreführung / Manipulation des Lesers hinweisen (Bemäntelung einer „Subvention“ als „Versicherung“) und zum anderen versuchen Emils Argumente und Ziele überhaupt zu identifizieren / zu versehen. Trotz der vielen Zeilen ist mir nämlich nicht klar geworden, ob Emil nun eher das Menschenwohl oder das Tierwohl oder beides am Herzen liegt. Für mich klingt eher Tierwohl durch, die Argumentation geht aber eher Richtung Menschenwohl.

  9. Eule sagt

    Ich sehe es ähnlich wie ein paar andere … nur ein Gedankenspiel, nicht umsetzbar, aber wenigstens hat sich da jemand Gedanken gemacht.

    Ich hab verstanden, wie der Zukunftsblick am Ende gemeint ist. Es wird mehr Menschen auf der Welt geben und dazu braucht man u. a. mehr Essen und da es nicht unendlich Essen gibt, werden die Preise hochgehen. Also muss sich jedes Land etwas überlegen, wenn es die Ärmeren nicht verhungern lasen will – so wie das in armen Ländern jetzt schon der Fall ist. Deutschland könnte deshalb für sich den Weg der FV für niedrige Fleischpreise wählen und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Fleisch Qualität hat. Von der besseren Behandlung profitieren auch die Nutztiere dann.
    Aber das den anderen Ländern aufzwingen, finde ich auch nicht gut. Die sollen selbst entscheiden, ob sie so eine FV wollten. Wie will man der ganzen Welt sagen, dass alle gegen resistente Keime vorgehen müssen, weil man sonst gar nicht dagegen vorgehen braucht? Dafür ist die Welt n’bisschen groß. Man muss immer bei sich selbst schauen, was man machen kann.

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