Wirtschaftswurm-Blog

Plenum der Ökonomen steht vor dem Aus

Das schreibt das Handelsblatt:

Es wäre eigentlich sehr schade, denn das Hauptziel des Ökonomenplenums ist nach wie vor wichtig: eine Mehrheitsmeinung unter den Ökonomen festzustellen und nach außen zu kommunizieren. Das Ziel kann aber auch nur erreicht werden, wenn sehr viele Wirtschaftsprofessoren weiterhin mitmachen.

2 Kommentare

  1. Andreas sagt

    Eine Plattform, auf der Ökonomen offen über wirtschaftspolitische Fragen diskutieren, ist (theoretisch) sicher eine schöne Sache. Es gibt viel zu wenig harte, in der Öffentlichkeit geführte Diskussionen unter deutschen Ökonomen. Anders als bspw. in den USA scheuen deutsche Ökonomen solche Auseinandersetzungen.

    Nur: Das „Feststellen einer Mehrheitsmeinung“ halte ich für eine im Wissenschaftsdiskurs abwegige Idee. Mal (unrealistischerweise) angenommen, die ökonomische Wissenschaft würde nur positive Aussagen produzieren. Deren Schlüssigkeit sollte dann wohl bestenfalls empirisch überprüft werden und nicht per Abstimmung. Eine solche Abstimmung hätte wohl eher den Zweck, solchen positiven Aussagen mehr Gewicht zu verschaffen, die sich empirisch nicht untermaueren lassen. Denn wäre letzteres der Fall, dann gäbe es einen wissenschaftlichen Konsens und eine „Feststellung“ wäre ziemlich überflüssig.

    Mit anderen Worten: Eine Feststellung der Mehrheitsmeinung würde überhaupt nur dann notwendig werden, wenn es auf Grundlage der existierenden Modelle und empirischen Fakten keinen wissenschaftlichen Konsens gibt. Die Mehrheitsmeinung wäre dann aber letztlich nichts anderes als eine Meinung und damit nicht positiv, sondern normativ. Warum aber sollte die Gesellschaft der normativen Mehheitsmeinung von Ökonomen, die alles andere als ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung sind, ein spezielles Gewicht geben? Das wäre von Grund auf undemokratisch. Das Lucke der größte Fan eines Ökonomenplenums ist sagt daher vor allem etwas über sein defizitäres Demokratieverständnis aus, von seinem Wissenschaftsverständnis ganz zu schweigen.

  2. Ob für Lucke selbst das Ökonomenplenum noch wichtig ist, weiß ich nicht. Eine Stellungnahme von ihm scheint es bisher nicht zu geben.

    Du hast aber schon recht, dass eine Mehrheitsmeinung nur dann Sinn macht, wo es keinen wissenschaftlichen Konsens gibt. Das ist aber in der Ökonomie praktisch immer der Fall. Für Nicht-Fachleute, und hier sind inbesondere Journalisten und Politiker gemeint, ist es darum schwierig, wissenschaftiche Meinungen richtig einzuordnen. Unter Umständen sitzt man dann absoluten Außenseitern im Fach auf. Da kann es schon hilfreich sein zu wissen, was Mehrheitsmeinung ist.

Kommentare sind geschlossen.