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Google und die Zeitungsverlage (Teil 2): Kampf ums Monopol

Die Indizien dafür, dass Google sein Suchmaschinenmonopol missbraucht, sind eklatant. Trotzdem kommt die EU-Wettbewerbsbehörde nicht in die Pötte. Statt wirkungsvoller Monopolregulierung werden in Deutschland sogar Maßnahmen wie das Leistungschutzrecht diskutiert, die Googles Monopol tendenziell festigen werden.

Google hat ein Monopol bei der Suche im Netz. Bei etwa 96% Marktanteil ist das keine Frage. Und Google missbraucht dieses Monopol. Wenn ich sehe, dass schon mal ein belangloser Kommentar von mir auf der ersten Suchseite erscheint, dessen einzige offensichtliche Qualität ist, beim Google-Videodienst Youtube getätigt worden zu sein, wenn man das sieht, dann ist das auch keine Frage.

Philipp Klöckner hat einen langen Text darüber ins Netz gestellt, warum und wie Google sein Monopol missbraucht. Ich will mal versuchen, ihn ohne irrlichtende Anglizismen zusammenzufassen.

Die Frage warum, ist schnell beantwortet: Google will weiter wachsen und da es bei der Internetsuche schon das Monopol hat, geht das nur über andere Internetdienste. Hierzu zählt etwa Youtube. Ein besonderes Augenmerk scheint Google aber auf weitere Vermittlungsseiten im Internet geworfen zu haben:

  • Preisvergleichsseiten,
  • Buchungsplattformen für Hotels, Flüge usw.,
  • Vergleichsportale für Kredite, Versicherungen usw.

Auf den meisten dieser Felder gibt es inzwischen auch Google-Angebote.

Die Frage, wie Google sein Monopol missbraucht, beantwortet Philipp Klöckner anhand einiger Beispiele. Da ist das Panda-Update des Google-Suchalgorithmus, das bewusst Preisvergleichsseiten und Gutscheinanbieter herabstuft, angeblich, weil diese gar keine originalen Inhalte anbieten. Aber warum betreibt dann Google selbst solche Seiten?

Da ist das Phänomen, das neue Google-Dienste beständig höher gelistet werden als ihre Konkurrenten, nach denen aber öfter gesucht wird. Klöckner gibt weitere Beispiele und es ist zu vermuten, dass all diese nur die sichtbare Spitze des Eisberges sind.

Müssen die Wettbewerbsbehörden einschreiten?

Das bunte Google-Logo

Google-Logo

Der auf Wettbewerbspolitik spezialisierte Düsseldorfer Professor Justus Haucap ist da eher skeptisch. In seiner Schrift “Wie lange hält Googles Monopol?” weist er darauf hin, dass die Nutzer ohne gravierende Nachteile die Suchmaschine wechseln können, wenn sie mit den Google-Ergebnissen unzufrieden sind. Das begrenzt Googles Macht, die Suchergebnisse zu manipulieren.

Haucap plädiert dafür, genauer zu eruieren, bevor man einschreitet. Solche Forderungen sind allerdings billig. Wir haben es hier mit sehr dynamischen Märkten zu tun. Bis alles genau untersucht und gerichtsfest bewiesen ist, sind die diskriminierten Wettbewerber der Google-Dienste womöglich pleite.

Auf jeden Fall wird es Zeit, dass die Europäische Kommission mehr Leute, mehr Ressourcen, mehr Know-How in die Ermittlungen gegen Google steckt. Seit zwei Jahren laufen die Ermittlungen der EU-Wettbewerbshüter. Von Ergebnissen hört man nichts. Das ist mehr als erstaunlich angesichts der oben beschriebenen doch sehr offensichtlichen Google-Manipulationen.

Es ist ein Skandal.

Unfähigkeit? Unwille? Das müsste jetzt recherchiert werden! Und damit bin ich doch bei den Zeitungsverlagen, die (noch von Teil 1 des Artikels her) im Titel oben hängen. Niemand glaubt wirklich, dass Google auf absehbare Zeit selbst ins Nachrichtengeschäft einsteigt und zum direkten Verlagskonkurrenten wird. Insofern sind die Zeitungsverlage durch Googles Suchmonopol nicht bedroht. Wie in Teil 1 beschrieben, gibt es Konkurrenz nur auf einem kleinen Feld, nämlich bei den Überblicksseiten. Die Verlage können ihr Internetgeschäft darum weiter in wirtschaftlicher Symbiose mit Google News betreiben.

Und das wollen sie sehr offensichtlich auch. Das viel diskutierte Leistungsschutzrecht soll den Verlagen lediglich garantieren, dass sie etwas von Googles Monopolrente abbekommen. Die gerade bekannt gewordene Einigung der belgischen Verlage mit Google legt im Übrigen genau das auch ohne LSR fest.

Um Googles Monopolstellung einzuschränken, ist das Leistungsschutzrecht völlig ungeeignet. Im Gegenteil! Falls es wirklich Gesetz wird, zahlt Google die Leistungsschutzgebühren aus seiner Portokasse. Kleinere Nachrichtenaggregatoren wie Rivva werden dagegen ein echtes Problem bekommen.

Wenn Verlagsvertreter mit Hinweis auf Googles Monopol Werbung fürs Leistungsschutzrecht machen, argumentieren sie unredlich.