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Muss Bankenrettung immer teuer sein? – Lösung Fremdkapitalumwandlung

Bankenrettung muss dem Steuerzahler nichts kosten. Bevor die Bankeinlagen in Gefahr sind, kann man auf das andere Fremdkapital der Bank zurückgreifen.

Im ersten Teil dieser Artikelserie zur Bankenrettung („Ein Beispiel – zwei Wege“) bin ich auf die Gründung einer Auffangbank („bad bank“) und auf die staatliche Rekapitalisierung einer Bank eingegangen. Dies sind zwei erprobte Wege, um das Vertrauen in eine Bank zurückzugewinnen, beide allerdings im Normalfall gleich teuer für den Steuerzahler. Im Falle einer Rekapitalisierung erhält er dafür wenigstens einen großen Anteil an der Bank, den der Staat später wieder versilbern kann.

Es gibt jedoch auch andere Lösungen. Diejenigen, die bereits gespannt auf das angekündigte „good bank“-Modell warten, muss ich aber auf nächste Woche vertrösten. Denn wenn wir uns die (vereinfachte) Bilanz unserer fiktiven Bank in Schieflage noch einmal ansehen, drängt sich zunächst eine andere Lösung auf. Es gibt dort nämlich den Posten „anderes Fremdkapital“.

Aktiva (Mittelverwendung) in Milliarden € Passiva (Mittelherkunft) in Milliarden €
sichere Anlagen 150 Einlagen 120
faule Anlagen 50 anderes Fremdkapital 70
Eigenkapital 10
Summe 200 Summe 200

Um das niedrige Eigenkapital so zu erhöhen, dass die Bank wieder Vertrauen erhält, kann man statt des Steuerzahlers auch das „andere Fremdkapital“ heranziehen. Dahinter verbergen sich hauptsächlich Anleihen, die die Bank herausgegeben hat. Ein Teil dieses Kapitals kann man zwangsweise in Eigenkapital umwandeln. Eine solche Lösung vertritt z. B. in Deutschland der Bremer BWL-Professor Jochen Zimmermann.

Damit das Eigenkapital 5 % der sicheren und 35 % der faulen Anlagen abdeckt (so das gesetzte Ziel), müssen im Beispiel 15 Milliarden € der 70 Milliarden Fremdkapital in Eigenkapital umgewandelt werden. Die Halter der Anleihen bekommen also einen Teil des Geldes nicht zurück, sondern erhalten dafür Bankaktien.

Wie im ersten Teil des Artikels soll weiterhin angenommen werden, dass bei der Verwertung der faulen Anlagen in der Folgezeit 70 % abgeschrieben werden müssen und nur 15 Milliarden € erlöst und neu angelegt werden können. Um den Verlust von 35 Milliarden decken zu können, muss das Eigenkapital von nun 25 Milliarden noch einmal um 10 Milliarden aufgestockt werden. Weitere 8,3 Milliarden sind notwendig, um weiterhin die 5 % Eigenkapitalanforderung erfüllen zu können. Insgesamt werden in der zweiten Runde 18,3 Milliarden € Fremdkapital umgewandelt.

Aktiva in Milliarden € Passiva in Milliarden €
sichere Anlagen 150 Einlagen 120
neue Anlagen 15 anderes Fremdkapital 37,7
Eigenkapital 8,3
Summe 165 Summe 165

Den Staat kostet die Variante „Fremdkapitalumwandlung“ 0. Die Lasten tragen die Halter von Bankanleihen. Das mag ihnen gegenüber nicht fein sein. Beim Kauf der Anleihen durften sie davon ausgehen, dass sie erst herangezogen werden, nachdem das Eigenkapital vollständig aufgebraucht wurde. Nun geschieht dies schon vorher, wenn das Eigenkapital einen bestimmten Schwellenwert unterschreitet. Die Alternative Steuererhöhungen ist aber ebenfalls nicht fein. Hier wie dort wird in Eigentumsrechte eingegriffen. Angesichts der Verluste, die eine Bankenkrise für die ganze Volkswirtschaft bedeutet, ist das aber zu rechtfertigen.

Ein Nachteil der Fremdkapitalumwandlung ist, dass die Bilanzsumme der Bank sinkt und ihre Möglichkeit, neue Kredite zu vergeben, ebenfalls. Man kann das allerdings mit Dirk Elsner (Blicklog) auch als Vorteil sehen.

Elsner glaubt, dass „mit der Bankenkrise eine längst überfällige Bereinigung der verkrusteten Bankenstrukturen nachgeholt wird.“ Diese Position geht letztlich davon aus, dass es gar nicht genug seriöse Anlagemöglichkeiten für die Banken gibt. Ihre Bilanzen sind aufgebläht durch faule Anlagen und lassen sich nur mit ihnen halten.