Kategorie-Archiv: Wirtschaftssystem/ politisches System

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Die EU-Kommission und Google: wie Hase und Igel

Angesichts eines natürlichen Monopols sind langwierige Nachweise, wann und wie Google seine Monopolstellung missbraucht hat, überflüssig. Die EU sollte ihr Wettbewerbsverfahren entsprechend ändern und damit schlagkräftiger machen.

Die enormen Auswirkungen der weltweiten digitalen Vernetzung auf Gesellschaft und Wirtschaft werden erst allmählich verstanden und wissenschaftlich durchdrungen. So hat man lange Zeit übersehen oder nicht für wichtig erachtet, dass das Internet Geheimdiensten und großen Konzernen ermöglicht, gigantische Datensammlungen anzulegen. Erst durch Edward Snowden ist dies im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit verankert worden.

Heute wird immer klarer, dass Big Data große Auswirkungen darauf haben kann, wie Marktwirtschaft und Wettbewerb funktionieren. Manche Vorteile, die eine dezentrale Marktwirtschaft hat, zählen nicht mehr in der Welt von Big Data. In „Friedrich August von Hayek und Big Data“ habe ich zum Beispiel bezweifelt, dass Hayeks These heute noch gilt, dass eine dezentrale Marktwirtschaft am besten das breit unter den Leuten gestreute Wissen wirtschaftlich nutzen kann.

Als nun Googles Suchmaschine 1998 ans Netz ging, war niemandem klar, dass Google schnell Marktführer werden würde und dass es bald darauf in vielen Ländern ein Quasimonopol für die Internetsuche erlangen würde. Und als Google ein Monopol für die Internetsuche geworden war, war niemandem klar, dass diese Stellung dauerhaft sein würde. Näherliegender war zunächst die Annahme, dass Google allein aufgrund seiner überlegenen Technologie ein Monopol erlangt habe, das aber schon bald verschwinden würde, wenn Wettbewerber technologisch aufschließen.

Wir haben uns lange Zeit geirrt. Google hat nun schon 13 Jahre lang Marktanteile über 70% in Deutschland. Seit bereits 2007 liegt sein Marktanteil über 89% und wächst immer noch leicht (zuletzt 93,2%). Die These, Googles Monopol sei allein einem vorübergehenden Technologievorsprung geschuldet, lässt sich immer schwerer halten.

Alternative Erklärungen sind gefragt. Und tatsächlich ist Googles Monopol wohl eher seiner gigantischen Datensammlung geschuldet als seinem Vorsprung bei Suchalgorithmen. Google wertet die Daten aus Milliarden Suchanfragen aus, um immer bessere und auf die persönliche Situation abgestimmte Antworten auf unsere Suchanfragen zu geben. Kleine Wettbewerber haben es da schwer, da sie nicht über eine nur annähernd so große Datensammlung wie Google verfügen.

Für Google ergibt sich ein natürliches Monopol. Es ist in derselben vorteilhaften Lage wie z.B. ein Bergwerk, dass eine Ressource fördert, für die es nur eine einzige Lagerstätte auf der Welt gibt.

Googles Ressource findet man nur auf den Google-Servern.

Nun gibt es drei Möglichkeiten:

  1. die Google-Leute sind dumm,
  2. die Google-Leute sind selbstlose Heilige oder
  3. die Google-Leute nutzen ihr natürliches Monopol zum eigenen Vorteil und zum Schaden der Allgemeinheit aus.

Ich glaube die Wahrscheinlichkeit für Punkt 3 ist noch einmal erheblich größer als Googles Marktanteil.

Jetzt hat die EU-Kommission nach einem 4 ½-Jahre dauernden Verfahren herausgefunden, dass Google einige Preisvergleichsdienste, die mit eigenen Seiten konkurrieren, bei der Online-Suche benachteiligt. Das Verfahren hat lange gedauert und ein bescheidenes Ergebnis gebracht, weil es sehr schwierig ist zu beweisen, dass eine Internetseite bei der Online-Suche diskriminiert wird. Denn wenn eine Seite weiter unten in der Ergebnisliste erscheint, muss das ja nicht an Diskriminierung liegen, sondern kann auch einfach daran liegen, dass die Seite nicht informativ ist.

Doch in den 4 ½ Jahren des EU-Verfahrens hat sich die Technologie weiterentwickelt, hat sich das Internet weiterentwickelt und auch Google. Vielversprechende Google-Konkurrenten sind dagegen auf der Strecke geblieben und lassen sich nun nicht wiederbeleben. Für sie war das EU-Verfahren nutzlos.

Der Fehler liegt schon im Ansatz. Solange es notwendig bleibt, den Missbrauch einer marktbeherrschen Stellung konkret nachweisen zu müssen, werden die Wettbewerbsbehörden auch in Zukunft auf schnelllebigen Märkten hoffnungslos hinterherhinken. Angesichts eines natürlichen Monopols ist aber ein solcher Nachweis höchst überflüssig, siehe oben. Das ist, als ob man bei Wettbewerbskommissarin Margrete Vestager erst durch eine DNA-Analyse feststellen müsste, ob sie überhaupt ein Mensch ist.

Hätte man die 4 ½ Jahre lieber in eine Diskussion gesteckt, wie man Googles natürliches Monopol begegnen kann, wären wir heute weiter. Doch leider gibt es immer noch Leute wie den Düsseldorfer Professor Justus Haucap, die am liebsten noch ein paar weitere Jahre untersuchen wollen, bevor sie über Maßnahmen nachdenken.

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Die Frage, ob man mithilfe von Big Data eine funktionierende Planwirtschaft aufbauen kann, war die Frage meines letzten Artikels. Aktuell bezieht sich die Frage nicht nur auf mögliche staatliche Planer, sondern auch auf das, was Google, Facebook und andere Internetmonopolisten leisten könnten. Durchaus vorstellbar, dass die Rechner, mit denen bald die Planwirtschaft gesteuert wird, nicht dem Staat gehören, sondern Google.

Hans-Jörg Naumer hat meiner Meinung nach noch einmal ganz gut analysiert, worauf die Macht der Internetmonopolisten beruht:

Bei den vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen bleibt er für mein Gefühl allerdings zu konventionell, um wirksam zu sein.

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