Kategorie-Archiv: Medien/ Internet

WAZDruckhausEssen048

Der Ökonomenblick auf die Zeitungsdebatte von SPON

Die Leute von Spiegel Online haben die Ergebnisse einer vierwöchigen Debatte zur Frage „Stirbt die Zeitung?“ in sechs Kapiteln zusammengefasst. Schauen wir uns einige Ergebnisse einmal mit dem scharfen Blick des Ökonomen an.

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Google-Logo

Streit über Google

Google ist die Lösung. Und das wird immer mehr zum Problem. In Deutschland hat Google einen Marktanteil von 90,3% bei der Websuche. Von dieser Marktmacht profitieren nicht nur Google-Angebote wie Youtube, deren Inhalte regelmäßig weit vorne auf der Google-Trefferliste landen. Davon profitieren, wie wir mittlerweile wissen, auch die Spitzel von der NSA. Was tun? Die Volkswirte sind zerstritten.

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Logo "Dradio Wissen"

PS zum Onlinetalk bei Dradio Wissen

Jeff Bezos Kauf der Washington Post war ebenso Thema wie die Eurokrise und die angebliche Lohndiskriminierung von Frauen. Wer am Samstag keine Gelegenheit hatte, kann den Onlinetalk mit mir auf den Seiten von DRadio Wissen nachhören: Ökostrom und Eurokrise.

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Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium? Das Dilemma der (Wirtschafts-)Blogs

Auf der re:publica 13 wurde unter anderem über Wirtschafts- und Finanzblogs diskutiert. Über Pfingsten bin ich noch einmal dazu gekommen, mir das Video dieser Diskussion anzuschauen und mir einige (weiterführende?) Gedanken zum Diskussionsthema „Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?“ zu machen.

Tatsächlich ist die aufgeworfene Frage ja eine, die sich mir konkret auch beim Schreiben jedes einzelnen Blogartikels neu stellt. Was kannst du beim Leser voraussetzen? Wie tief sollst und kannst du in die Thematik einsteigen?

Gut war, dass die Diskutanten ziemlich schnell geklärt hatten, dass es letztlich die Entscheidung jedes Bloggers selbst ist, wo auf der Linie zwischen intellektuellem Tiefgang und breiter Verständlichkeit er seine Texte verortet. Es gibt keinen Auftrag oder keine Verpflichtung der Blogger, die unzweifelhaften Defizite in der wirtschaftlichen Allgemeinbildung der Deutschen, die Schule und Wirtschaftsjournalismus gelassen haben, aufzuarbeiten.

Recht hat Marc Schmidt von den Börsenbloggern (übrigens der Finanzblog-Award-Preisträger 2011), wenn er kritisiert, dass bei Finanz- und Wirtschaftsblogs gerne ein abgehobenes Niveau kritisiert wird, das man aber bei Auto-, Mode- und Techblogs widerspruchslos hinzunehmen bereit ist. Wer mit dem Anspruch an einen Wirtschaftsblog geht „Ich hab zwar keine Ahnung, aber erklär’ mir mal kurz die Eurokrise“, der kann nur enttäuscht werden.

Es ist also allein die Entscheidung des Bloggers, wo auf der Skala zwischen intellektuellem Tiefgang und breiter Verständlichkeit er sich einordnet. Aber noch mehr: Ein Blogger ist keinesfalls verpflichtet, das einmal gewählte Niveau beizubehalten. Die folgende Grafik veranschaulicht, dass Blogtext A mehr intellektuellen Tiefgang hat, während Blogtext B mehr auf breite Verständlichkeit setzt.

Einordnung der Blogtexte A, B und C auf einer Skala Tiefgang versus Verständlichkeit

Dilemma zwischen Tiefgang und Verständlichkeit

Ein Blogtext sollte nun nicht nur aneinanderreihen, er sollte erzählen. Den Unterschied zwischen Aneinanderreihen und Erzählen kann ich nicht theoretisch erklären, vielleicht können das die Medien- und Literaturwissenschaftler. Aber mit Bezug auf die dargestellte Skala (Tiefgang-Verständlichkeit) bedeutet Erzählen, dass man nicht nur einen Punkt auf ihr besetzt, sondern eine Strecke. Erzählen ist wie das Übereinanderlegen verschiedener Schichten. Und dadurch arbeitet man sich innerhalb eines Textes von breiter Verständlichkeit zu größerem intellektuellem Tiefgang vor – oder manchmal vielleicht auch in umgekehrter Richtung.

Eine gute Erzählung ist ein Text der Sorte C, einer, der sowohl den A-Text an Tiefgang als auch den B-Text an Verständlichkeit übertrifft.

Ich möchte hier im Blog C-Texte schreiben.

Natürlich gibt es da Grenzen.

Meine Grenze auf der Skala nach links: Was ich selbst nicht kapier’, kann ich anderen auch nicht vermitteln. Bei nicht wenigen volkswirtschaftlichen Studien mit komplizierter Mathematik wird diese Grenze durchaus erreicht.

Außerdem schreibe ich journalistisch, nicht wissenschaftlich-präzise. Den Unterschied hat Sebastian Hauser mal sehr schön im Taz-Blog demonstriert. Die journalistische Schreibe vereinfacht weniger wichtige Sachverhalte, um besser lesbar zu bleiben.

Meine Grenze auf der Skala nach rechts: Ich denke, alles, was in der Wikipedia gut erklärt ist, brauch ich hier nicht noch einmal breit zu erklären. Leider hat die Wikipedia gerade bei Volkswirtschaftsthemen viele Schwachstellen oder besser: umfangreiche Schwachgebiete. Trotzdem: Dass Grundbegriffe bekannt sind und ein gewisses Grundverständnis von Wirtschaft vorhanden ist, setze ich bei meinen Blogtexten voraus. Noch besser gesagt: Ich setze voraus, dass das Interesse/die Wissbegierde da ist, sich ein paar Grundlagen selbständig anzueignen.

Nach der Frage, was Blogs sein sollen und nach der, was ich mit meinen Blogtexten will, verbleibt noch die, wo Wirtschaftsblogs (inklusive meiner) tatsächlich stehen. Eine empirische Frage, die leider in der Podiumsdiskussion auf der re:publica nicht explizit beantwortet wurde.

Tatsächlich verstehen sich die meisten Wirtschaftsblogs als Ergänzung und als Korrektur der Wirtschaftspresse und ordnen sich auf der Grafik oben eher links von Titeln wie FAZ, Handelsblatt und Wirtschaftswoche ein. Wirtschaftsblogs wollen zusätzlichen Tiefgang schaffen! Im Übrigen sieht man das auch gut an den „Blogs“ der Zeitungen selbst wie etwa Fazit oder Herdentrieb. Deren Anspruch ist ganz augenscheinlich, Hintergründe und Zusammenhänge zu erklären, die in den Zeitungen selbst zu kurz kommen.

Google und die Zeitungsverlage (Teil 2): Kampf ums Monopol

Die Indizien dafür, dass Google sein Suchmaschinenmonopol missbraucht, sind eklatant. Trotzdem kommt die EU-Wettbewerbsbehörde nicht in die Pötte. Statt wirkungsvoller Monopolregulierung werden in Deutschland sogar Maßnahmen wie das Leistungschutzrecht diskutiert, die Googles Monopol tendenziell festigen werden.

Google hat ein Monopol bei der Suche im Netz. Bei etwa 96% Marktanteil ist das keine Frage. Und Google missbraucht dieses Monopol. Wenn ich sehe, dass schon mal ein belangloser Kommentar von mir auf der ersten Suchseite erscheint, dessen einzige offensichtliche Qualität ist, beim Google-Videodienst Youtube getätigt worden zu sein, wenn man das sieht, dann ist das auch keine Frage.

Philipp Klöckner hat einen langen Text darüber ins Netz gestellt, warum und wie Google sein Monopol missbraucht. Ich will mal versuchen, ihn ohne irrlichtende Anglizismen zusammenzufassen.

Die Frage warum, ist schnell beantwortet: Google will weiter wachsen und da es bei der Internetsuche schon das Monopol hat, geht das nur über andere Internetdienste. Hierzu zählt etwa Youtube. Ein besonderes Augenmerk scheint Google aber auf weitere Vermittlungsseiten im Internet geworfen zu haben:

  • Preisvergleichsseiten,
  • Buchungsplattformen für Hotels, Flüge usw.,
  • Vergleichsportale für Kredite, Versicherungen usw.

Auf den meisten dieser Felder gibt es inzwischen auch Google-Angebote.

Die Frage, wie Google sein Monopol missbraucht, beantwortet Philipp Klöckner anhand einiger Beispiele. Da ist das Panda-Update des Google-Suchalgorithmus, das bewusst Preisvergleichsseiten und Gutscheinanbieter herabstuft, angeblich, weil diese gar keine originalen Inhalte anbieten. Aber warum betreibt dann Google selbst solche Seiten?

Da ist das Phänomen, das neue Google-Dienste beständig höher gelistet werden als ihre Konkurrenten, nach denen aber öfter gesucht wird. Klöckner gibt weitere Beispiele und es ist zu vermuten, dass all diese nur die sichtbare Spitze des Eisberges sind.

Müssen die Wettbewerbsbehörden einschreiten?

Das bunte Google-Logo

Google-Logo

Der auf Wettbewerbspolitik spezialisierte Düsseldorfer Professor Justus Haucap ist da eher skeptisch. In seiner Schrift “Wie lange hält Googles Monopol?” weist er darauf hin, dass die Nutzer ohne gravierende Nachteile die Suchmaschine wechseln können, wenn sie mit den Google-Ergebnissen unzufrieden sind. Das begrenzt Googles Macht, die Suchergebnisse zu manipulieren.

Haucap plädiert dafür, genauer zu eruieren, bevor man einschreitet. Solche Forderungen sind allerdings billig. Wir haben es hier mit sehr dynamischen Märkten zu tun. Bis alles genau untersucht und gerichtsfest bewiesen ist, sind die diskriminierten Wettbewerber der Google-Dienste womöglich pleite.

Auf jeden Fall wird es Zeit, dass die Europäische Kommission mehr Leute, mehr Ressourcen, mehr Know-How in die Ermittlungen gegen Google steckt. Seit zwei Jahren laufen die Ermittlungen der EU-Wettbewerbshüter. Von Ergebnissen hört man nichts. Das ist mehr als erstaunlich angesichts der oben beschriebenen doch sehr offensichtlichen Google-Manipulationen.

Es ist ein Skandal.

Unfähigkeit? Unwille? Das müsste jetzt recherchiert werden! Und damit bin ich doch bei den Zeitungsverlagen, die (noch von Teil 1 des Artikels her) im Titel oben hängen. Niemand glaubt wirklich, dass Google auf absehbare Zeit selbst ins Nachrichtengeschäft einsteigt und zum direkten Verlagskonkurrenten wird. Insofern sind die Zeitungsverlage durch Googles Suchmonopol nicht bedroht. Wie in Teil 1 beschrieben, gibt es Konkurrenz nur auf einem kleinen Feld, nämlich bei den Überblicksseiten. Die Verlage können ihr Internetgeschäft darum weiter in wirtschaftlicher Symbiose mit Google News betreiben.

Und das wollen sie sehr offensichtlich auch. Das viel diskutierte Leistungsschutzrecht soll den Verlagen lediglich garantieren, dass sie etwas von Googles Monopolrente abbekommen. Die gerade bekannt gewordene Einigung der belgischen Verlage mit Google legt im Übrigen genau das auch ohne LSR fest.

Um Googles Monopolstellung einzuschränken, ist das Leistungsschutzrecht völlig ungeeignet. Im Gegenteil! Falls es wirklich Gesetz wird, zahlt Google die Leistungsschutzgebühren aus seiner Portokasse. Kleinere Nachrichtenaggregatoren wie Rivva werden dagegen ein echtes Problem bekommen.

Wenn Verlagsvertreter mit Hinweis auf Googles Monopol Werbung fürs Leistungsschutzrecht machen, argumentieren sie unredlich.

Gleich “Ökonomen live” – Thema heute: Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Olaf Storbeck von Economics Intelligence, Dirk Elsner vom Blicklog und ich diskutieren per Google Hangout. Der Livestream der Videokonferenz beginnt etwa um 20 Uhr.

Die Aufzeichnung:

Anlässlich der Einstellung der Financial Times Deutschland wurde die Zukunft des Journalismus und des Wirtschaftsjournalismus im Speziellen in den letzten Tagen breit in den Medien diskutiert. Auch ich habe hier im Blog unter dem Titel “Wirtschaftsjournalismus in Zeiten des Zeitungssterbens” bereits darüber geschrieben. Aus der Bloggerperspektive gibt es aber sicher noch neue interessante Aspekte, über die wir uns heute Abend die Köpfe heiß reden können. Nicht zuletzt bietet die heutige Ankündigung von “Die Welt”, ab morgen eine Bezahlschranke für ihre digitalen Inhalte einzuführen, Gesprächsstoff.

Wer mitdiskutieren will: Wir werden alle Tweets mit dem Kennzeichen #Ökonomenlive verfolgen. Und natürlich kann man auch auf der Youtube-Seite des Videos mitdebattieren. Wir schalten zudem gerne Gäste live dazu. Damit ich euch einladen kann (die technische Federführung liegt nämlich heute bei mir), müsst ihr mir euren Google-Plus-Namen bekannt geben. Gäste sollten vorher ihre Technik (Webcam, Mikrofon) prüfen.

Also bis gleich.