Kategorie-Archiv: Geld/ Währung/ Finanzwesen

Euromünzen_und_Scheine

Mal etwas zur Zins- und Geldsystemkritik

Das Thema taucht in den Kommentarspalten wie auch Büchern immer wieder mal auf. Das Zins- und Zinseszinssystem führe zwangsläufig zum Crash, das Geldsystem dürfe darum nicht mehr auf den Zins aufbauen. Ist an dieser Zins- und Geldsystemkritik etwas dran?

Richtig ist, dass alles Geld in unserem heutigen Geldsystem aus Kredit geschöpft wird. Wenn eine Bank entscheidet, dass sie Herbert Schmidt 10.000€ Kredit geben will, dann schreibt sie Herbert Schmidt 10.000€ auf seinem Konto gut. Damit sind 10.000€ aus dem nichts neu entstanden. Man sagt dazu auch Fiat-Geld. Fiat von lateinisch „Es werde…“. So wie Gott im Buch Genesis die Welt schuf („Es werde Licht! Und es ward Licht.“), so kann eine Bank Geld schöpfen.

Natürlich ist eine Bank nicht vollkommen frei, Geld zu schöpfen, sie ist an zahlreiche Restriktionen gebunden. Aber wichtig ist erst einmal, dass sie für alles von ihr geschaffene Geld Zinsen verlangt.

Ein Problem ist das erst einmal nicht. Nehmen wir an, dass der Durchschnittszinssatz bei 2% liegt. Dann muss die Geldmenge im nächsten Jahr um 2% höher sein, damit der Zins aus der Geldmenge bezahlt werden kann. (Ich mache hier einige vereinfachende Annahmen.) Steigt das BIP ebenfalls um 2%, bleiben BIP und Geldmenge aber im Gleichgewicht. Es gibt keine Inflation.

Nun verweisen die Geldsystemkritiker darauf, dass es kein dauerhaftes exponentielles Wachstum geben kann. Gerade die reichen Länder zeigen das auch real. Die Wachstumsraten gehen im langfristigen Trend langsam zurück.

Aber was passiert, wenn wir plötzlich nur 1% Wirtschaftswachstum haben? Wenn die Geldmenge trotzdem um 2% steigt, damit die 2% Zinsen bezahlt werden können, dann gibt es eben reich rechnerisch 1% Inflation. Das ist auch kein Beinbruch. Laut EZB gilt Preisniveaustabilität noch, solange die Inflationsraten unter 2% liegt.

Auch andere Anpassungsmechanismen wirken:

  • Gerade augenblicklich sehen wir, dass der Zins sogar für lange Zeit auf nahe 0 und sogar teilweise darunter sinken kann. Zinskritiker leben in schweren Zeiten.
  • Außerdem wird nicht jeder Kredit zurückgezahlt. Manche Schuldner müssen ihren Bankrott erklären. Das ist normal. Geht das Wirtschaftswachstum zurück, werden es mehr Schuldner. Aber Banken müssen und können hierfür Vorsorge treffen. Dies sollen auch die zahlreichen Restriktionen sicherstellen, denen sie unterworfen sind. Ja, der Fall Lehman 2008 hat gezeigt, dass die Regulierungen nicht wirkten. Vor allem eine höhere Eigenkapitalquote der Banken könnte aber für Sicherheit sorgen, wenn die Politik sich endlich traute, sie zu fordern.
  • Auch Umverteilung von den Schuldnern hin zu den Gläubigern wirkt. Die Differenz zwischen hohem Zins und niedrigem Wirtschaftswachstum zahlen also die Schuldner und verarmen so möglicherweise. Das ist das große Thema von Thomas Piketty. Solche Umverteilung als Crashvermeidungsmechanismus ist natürlich hochproblematisch. Theoretisch sind ihr aber keine Grenzen gesetzt, nämlich dann, wenn Gläubiger und Schuldner regelmäßig die Rollen tauschen.

Hilf bitte dem Wirtschaftswurm, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Alexander Stubb Oct, 2014

Wo Finnlands Finanzminister Alexander Stubb falsch liegt

16 Jahre Währungsunion, 16 Jahre Euro, aber wie eine Währungsunion ökonomisch funktioniert, haben einige Politiker noch immer nicht kapiert. Das jüngste Beispiel ist der finnische Finanzminister Alexander Stubb. Eine Widerlegung seiner Thesen.

Weiterlesen

Hauptgebäude Bank von Griechenland

Welche Verluste entstehen Deutschland und den anderen Eurostaaten aus einem Grexit? Und wie kann man sie minimieren?

Auch wenn offiziell das Gegenteil gesagt wird, nach dem letzten Eurogipfel ist der Grexit, also der Austritt Griechenlands aus der Eurozone, früher oder später fast unvermeidlich. Für Deutschland und den Rest der Eurozone stellt sich weiterhin die Frage nach den unmittelbaren Verlusten durch einen Grexit und wie man sie begrenzen kann. Eine vorläufige Analyse.

Weiterlesen

Akropolis in Athen (von LennieZ)

Tote durch Grexit? Die Süddeutsche Zeitung schürt Panik

Nicht nur Griechenland gleitet ins Chaos. Die Dauerbeschäftigung mit der Krise wirbelt inzwischen viel Unsinn auf die Monitore der Leser. Ein besonders krasses Beispiel findet sich, nein, nicht bei der Bild, sondern bei der Süddeutschen Zeitung. Hans von der Hagen glaubt, der Grexit werde Menschen töten.

Weiterlesen

KohlSchröder

Gescheiterte Verhandlungen: Helmut Kohl und Gerhard Schröder sind schuld

Auf allen Kanälen, in allen Talkshows und Kommentaren und selbst auf Twitter wird diskutiert, wer schuld daran ist, dass die Verhandlungen Athens mit seinen Gläubigern gescheitert sind. Die Verantwortung dafür steht aber seit 15 Jahren bereits fest.

Weiterlesen

Parthenon Ausschnitt

Sechs Gründe, warum der Grexit so schwer durchzusetzen ist

Wieso doktert die Eurogruppe nun schon seit mehr als fünf Jahren am kranken Mann Griechenland herum? Wieso wird weiterhin an einer völlig erfolglosen aber mit horrenden Kosten verbundenen Therapie festgehalten? Wieso gab es noch keinen Grexit? Sechs Gründe.

Weiterlesen

Akropolis in Athen (von LennieZ)

Wie der Grexit abläuft

Heute haben es die europäischen Staats- und Regierungschefs wieder einmal in der Hand. Der Grexit, der Austritt Griechenlands aus der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, könnte beginnen. Wie würde es weitergehen, wenn die Staats- und Regierungschefs heute oder wahrscheinlich morgen, früh in der Nacht im Streit um die griechischen Schulden auseinandergingen?

Weiterlesen

Gebauer Ausschnitt Buchumschlag

Rettet Europa vor der EU – aber vorher Kritik am Geldsystem

Rettet Europa vor der EU: Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht“, so lautet der Titel des aktuellen Buches von Carlos Gebauer. Bevor Gebauer darin allerdings zum Thema EU gelangt, gibt es ein überlanges Vorwort und falsche Kritik am Geldsystem.

Weiterlesen

EZB-Neubau bei Nacht

Drei Vergleiche, um die Geldschwemme der EZB zu beurteilen

Die Zahlen sind raus: 60 Milliarden Euro monatlich, 1.140 Milliarden über den gesamten Zeitraum von März 2015 bis September 2016. Und eine Verlängerung will Draghi nicht ausschließen. Aber wie ist diese riesige Summe einzuschätzen? – Drei relevante Vergleiche.

Weiterlesen